Blogger zur Hessenwahl: «Ausgekocht»29. Jan 2008 07:07  |  Sieger sehen anders aus: Roland Koch | Foto: Rainer Jensen dpa/lbn |
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Hämisch kommentieren die Blogger den Niedergang Roland Kochs. Doch manche fürchten sich vor dem, was noch kommen könnte. Außerdem: Persische Katzenterroristen und Einhörner in Hannover. Der Blogblick
Hätte die Hessen-Wahl im Internet stattgefunden, so wäre Roland Koch nicht einfach nur ein Verlierer, der die Wahl gewonnen hat. Er wäre vielleicht sogar an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Denn: Die Blogger und Koch - das geht zusammen wie die hessische CDU und der Kommunismus.
Nur
bei
wenigen kommt er so gut weg wie bei Stefan, Küchenkabinett, der in ihm einen «alten Fuchs» sieht. Auch das Wahlkampfblog.ch findet
höfliche Worte.
Koch sei «machtbewusst und clever» - und «faktisch erledigt». Seine Niederlage stärke letztlich die Position Merkels innerhalb der CDU, vermutet man in der Schweiz.
Frederic Hormuth, Honigbrot-Blog, gehört nicht zu denen, die
braun
sehen,
wenn sie an Koch denken. Er nimmt die Sache locker und sieht
schwarz:
«Roland Koch ist der Sprecher einer schweigenden 0,1-prozentigen Mehrheit. Ich finde, '0,1%' hört sich nicht an wie ein Regierungsauftrag, sondern wie eines dieser furchtbaren Diätjoghurts. Der Vorsprung besteht aus den Stimmen von 3500 Hessen. Vermutlich ein Dörfchen im Odenwald, das in den letzen 8 Wochen von der Öffentlichkeit abgeschnitten war. Das Ergebnis ist so knapp wie der US-Vorwahlkampf, auch dort heißt es ja: Eine Frau gegen einen Schwarzen.»
In Martin Hiegls Wahlkommentar vermutet man anfangs ein wenig Mitleid, wenn er
schreibt:
«Den Wahlkampf gegen sich hat Roland Koch selbst geführt.» Dann aber bezieht er Stellung: «Bei 3600 Stimmen mehr für die CDU wäre die SPD blöd, wenn sie Roland Koch an der Macht lassen würde. Sie müssen ja nicht darauf bestehen die Ministerpräsidentin zu stellen, aber sie sollten darauf bestehen, dass Koch als klarer Verlierer der Wahl seinen Hut nimmt. Hoffen wir's.»
Stellvertretend für viele
formuliert
Roman Möller den Grund für die Abneigung gegen Koch: «Wer ein derart ernstes Thema wie gefährliche Körperverletzung zur Stimmungsmache gegen kriminelle Ausländer nutzt und dann auch noch verschweigt, dass es sogar in Hessen gewaltbereite Deutsche gibt, der hat an der politischen Spitze eines Bundeslandes überhaupt nichts zu suchen.»
Oder in
anderen Worten,
nämlich denen des Weblogs weinschenker.name: «Eines freut mich jedoch: Wenn bei uns in Deutschland jemand der Meinung ist, er müsse mit populistischen Parolen Wahlkampf machen, dann bekommt er dafür die Quittung und verliert etwa 12 Prozentpunkte an Stimmen.»
Daniel Kulla, classless, ist ebenfalls kein Freund von Koch, interpretiert das Wahlergebnis jedoch ganz
anders:
«Um es nur kurz festzuhalten, bevor es im Zuge der Koalitionsverhandlungen wieder untergeht: Kochs Stimmverluste sind nicht unbedingt ein Ausdruck davon, dass die hessischen Wahlberechtigten etwas gegen 'hartes Durchgreifen gegen Ausländer' hätten. Sie trauen es Koch vor allem nicht (mehr) zu.»
Was ein Weblog mit dem Namen Der Linksbote von Roland Kochs Wahlkampf hält, dürfte klar sein und braucht nur ganz kurz zitiert zu werden: «widerwärtig». Aber wo man Freude vermutet, findet sich auch Angst.
Nackte Angst:
«Ich hoffe jedenfalls nicht, dass ihn Angela Merkel nach Berlin holt und er dort möglicherweise sogar Verteidigungsminister wird, so wie es gestern schon öfters gemunkelt wurde. Koch als Verteidigungsminister, ich will daran gar nicht denken.»
Deutliche Worte
findet auch flashfonic.de. Das Blog freut sich, «dass der Unsympath Koch mit seinem Wahlkampf im NPD-Style mal richtig vor die Wand gefahren ist». Auch wenn diese «Genugtuung leider nicht lange anhielt» - wegen Wahlcomputerpannen und weil «die Koch-Combo leider am Ende doch noch stärkste Partei geworden ist.»
Limited, Politik und Panorama,
wünscht sich
nun in Hessen eine große Koalition mit einem Ministerpräsidenten Koch. Was erstmal pragmatisch klingt, hat einen hübsch-bosartigen Kern: «Koch weiht Windpark in der Rhön ein, Koch erklärt die Abschaffung der Studiengebühren innerhalb der nächsten hundert Tage. Roland Koch gibt Regierungserklärung ab zu verstärkten Integrationsbemühungen». So könnte Politik tatsächlich wieder Spaß machen.
Mehr im Internet: Kommentare der Woche |
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Anhang
Musik: René, Nerdcore,
verlinkt
auf Seiten, auf denen dementiert wird, die neue Musiktauschbörse QTrax habe Verträge mit allen großen Major-Labels abgeschlossen. +++ Geld: Thomas Knüwer, Indiskretion Ehrensache, nimmt den Fall des französischen Bankangestellten Jerome Kerviel zum Anlass, um auf die Bedeutung des Netzes für die journalistische Recherche
hinzuweisen:
«Journalisten werden nicht umhin kommen, sich mit Facebook, Xing & Co. vertraut zu machen: Sie können die Recherche erheblich erleichtern.» +++ Google: Ein schönes Horrovideo über die (vermeintliche) Allmacht von Google hat der Ringfahnder auf Youtube
gefunden.
+++ Benzin: Im Waschsalon
präsentiert
man uns eine kompakte Grafik über die Benzinpreise in aller Welt. +++ Nahrung: Das Tomatenblog geht fremd und
beschäftigt sich
mit blauen Kartoffeln. +++ Rauchen: Volker Strübing, Schnipselfriedhof,
meint:
«Rauchen ist schon 'ne feine Sache. Deshalb ist es auch so schwer, damit aufzuhören. Das einzige, was da rankommt, ist, sich eine Drahtbürste ganz tief in den Rachen zu stecken und diese ganz langsam rauf- und runterzuschieben.» +++ Tiere: Einen wunderbaren «persischen Katzenterroristen»
zeigt das
Weblog Rollmops im Kanzlerbunker. Bei einem Besuch im feinstaubfreien Hannover
hat das
Spitblog «in den Herrenhäuser Gärten Einhörner weiden sehen.»
Für das Web ediert von Maik Söhler |