«Spiel mir das Lied vom Klimawandel»11. Jul 2007 14:26  |  Auch dabei: Madonna | Foto: AP |
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Die «Live Earth»-Konzerte sollten Stellung gegen den Klimawandel beziehen. Aber sie wurden schlecht übertragen, boten zu viel Popfolklore und waren insgesamt unglaubwürdig, finden Blogger. Der Blogblick.
Es ging um nichts Geringeres als «Rocken gegen den Klimawandel». So hieß das Motto der «Live Earth»-Konzerte, unter dem am vergangenen Samstag über 150 Musiker über den Globus verteilt 24 Stunden lang spielten. Es sollte das «größte Musikfestival aller Zeiten» werden, und Microsoft sollte es via Live-Stream im Internet übertragen. Blogger haben es dort verfolgt und waren nicht überzeugt.
So war bleed vom De:Bug Blog über das eindimensionale Konzept enttäuscht. Denn mit den technischen Möglichkeiten, die Web 2.0 bietet, hatte der Live-Stream wenig zu tun: «Sollte allerdings jemand mal versucht haben so etwas einfaches herauszufinden wer da genau jetzt wo spielt, dann wird schnell klar, warum
Microsoft irgendwie in Sachen Internet und Live noch viel zu lernen
hat.»Und weiter: «Und wenn man dann so ein weltweites Event als Hauptsponsor verantwortet, der auch noch auf all seine Web 2.0 Ambitionen das Label 'live' klebt, dann hätte man wirklich erwartet, daß nicht nur auf die Uralt-Vorstellung von 'live' zurückgegriffen wird.»
Marius, Maingold.com hat kein gutes Gefühl, wenn Al Gore, «Live Earth»-Initiator und nebenberuflich Apple-Ausichtsrat-Mitglied, dazu aufruft, Musik digital zu kaufen. Dann ist er «fast geneigt zu glauben, dass diese Live Earth Geschichte auch nur eine weitere junge Industrie mit einigen großen Partnern ist, die es mal wieder nur auf unser Bestes abgesehen hat, nämlich auf unser Geld.
Ich hoffe es nicht.
Musikalisch hatte powlee von u-wort keine großen Erwartungen. Folgerichtig, was ihm zum Auftritt von Madonna einfällt: «Madonna jedenfalls, als Superstar seit den Achtzigern ununterbrochen gut im Geschäft, schien sich an den symbolischen Mehrwert von Großevents à la 'Live Earth' zu erinnern.» Schlussfolgerung:
Alles Folklore!
Der Kolumniker wiederum fragt sich, was aus dem Spektakel folgt: «Mit welcher Schizophrenie das Thema zum Beispiel bei der deutschen Fernsehübertragung angegangen wurde, zeigte sich in Form eines Werbespots einer Fluggesellschaft, in dem die günstigen Flugverbindungen in europäische Hauptstädte beworben wurden. (...) Wem wirklich am Klimaschutz gelegen ist, könnte, nein,
müsste auf die Fliegerei verzichten.»
Viel zu groß erschien Da Rockwilda vom Politblog der Aufwand, der das Spektakel erst ermöglichte. Das Bild der um den Globus jettenden Musiker sei mehr als fragwürdig: «Es gibt wenig Tage, an denen die Welt so viel Heuchelei auf einmal ertragen muss.» Und
stellte weiter fest:
«Aber hallo! Ein kollektiver Orgasmus der Weltverbesserung! Was da nicht alles aufgeboten wird, Stars und Sternchen, Musikbands, Bühnenshows, 'Eventfeeling', Fernsehübertragung für 2 Milliarden Menschen!»
Rüdiger V. ließ sich im my Blog von dem vermeintlichen Missverhältnis zwischen Aufwand und erklärtem Ziel nicht beeindrucken: «Damit hatten die Veranstalter natürlich gerechnet und reagierten bereits im Vorfeld mit dem Hinweis, dass der positive Effekt der weltweiten Kampagne dies aufwiege.»
Weniger hilfreich sei hingegen der Einsatz der «Daimler-Smarts» gewesen: «Greenpeace vermutet nicht ohne Grund dahinter eine klug durchdachte Imagekampagne des Autoherstellers und weist darauf hin, dass der Smart schon wegen seiner geringen Größe meist nur als reines Stadtauto oder Zweitfahrzeug in Verwendung wäre. Er sei deshalb kein geeignetes Beispiel, um eine für den
Individualverkehr sinnvolle, emissionsarme Alternative
darzustellen.»
Mehr im Internet: Kommentare der Woche |
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Anhang +++ Letztes Wort: Bov Bjerg verabschiedet eine Zeitung: «Der Scheinschlag entstand wie so vieles im Jahr 1990. In einem Jahr, in dem alles möglich schien und das keiner, der es in Berlin erlebte, je vergessen wird.
Der Scheinschlag war wunderbar.»
+++ Falsche Meldung: Gregor Keuschnig stellt im Begleitschreiben den Werdegang einer ungenauen journalistischen Recherche: «Das ist natürlich eine Petitesse und sicherlich nicht unbedingt wichtig. Aber es zeigt, wie im heutigen Journalismus offensichtlich alle bei einem abschreiben –
und sei es auch noch so falsch.»
+++ Kinderprogramm: Marcus Hammerschmitt, Instant Nirvana war in einer Wagenburg: «Man hat dort Pfauen, Pferde, Kino, Konzert, Essen und Regen. Da ist ein Hemd, auf dem fliegt ein Flugzeug zu dem Slogan 'Just do it' ins World Trade Center.
Der Träger sieht nicht wie ein Idiot aus,
aber das täuscht manchmal.» Systematische Erkundung: «Twoday» ist ein Weblog-Provider, bei dem man per Zufallsgenerator von Weblog zu Weblog klicken kann. Auf struppig.de will ein ungenannter Blogger Twoday.net systematisch erkunden: «Ich höre auf, wenn ich von allen gehasst werde, oder es keine ungezappten Weblogs mehr gibt, oder falls mich die Sache vorher zu sehr deprimiert. Ich mache das, (...) um einen Überblick zu bekommen und überhaupt herauszufinden,
was Ihr für Menschen seid.»
+++ Bildbeschreibung: Im «Spiegel» erschien vor wenigen Wochen ein Bild vom
Newsroom der «Welt»-Gruppe in Berlin.
Norman E. Mailer hat es in seinem Bild analysiert: «Ebenso wie die drei 'Reporter' sind auch andere Figuren funktionalisiert. So ist die Funktion der kahl rasierten, stehenden Figur neben dem Riesenbildschirm, einzig die, die geradezu übermenschliche Größe der Anzeige zu illustrieren. Hier handelt es sich um einen symbolhaften Praktikanten, der so kostengünstig ist, dass man ihn sich sogar für diese Funktion leisten kann. Im Gegenzuge gewährt man ihm statt Bezahlung das Privileg, im Anzug zu erscheinen und sich als Mitglied des Teams zu fühlen. »
Für das Web ediert von Stephan Heinen |