Abmahnen ist nicht mehr geil13. Jun 2007 12:32, ergänzt 14. Jun 2007 15:22  |  In Zukunft seriös umworben: Kunden des Media Markts | Foto: dpa |
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Blogger können aufatmen: Womöglich haben sie in Zukunft weniger Stress mit Anwälten. Und: Bloggen nach dem Gipfel, Falschmeldungen, Journalismus und ein bisschen Erotik. Der Blogblick.
Die Media-Saturn-Holding hat dem Hamburger Anwalt Joachim Steinhöfel das Mandat entzogen, heißt es in Medienberichten. Sollte diese Meldung Blogger interessieren? Robert Basic erwähnte sie am Sonntag in seinem
Weblog Basicthinking.
Aber hinter dem kurzen Eintrag steckt eine längere Geschichte.
Steinhöfel hatte im Auftrag der Media-Saturn-Holding nach Angaben der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» Hunderte kleiner Internet-Händler mit Abmahnungen und Klagen überzogen – und auch zahlreiche Blogger kontaktiert. Steinhöfel war aber nicht nur als Anwalt tätig, sondern auch Werbefigur der vor allem durch ihre Aufdringlichkeit auffallenden Spots von Media Markt.
Über diese Werbespots hatte sich zum Beispiel der Blogger Rainersacht im Januar 2006 aufgeregt und gefragt:
Können Märkte brennen?
Dieser Blogeintrag brachte ihm noch Monate später viel Ärger ein. Nach zahlreichen Abmahnungen und Unterlassungserklärungen konnte sich Rainersacht zwar mit Media-Saturn einigen, aber der Rechtsanwalt verlangt weiterhin Geld:
«Möglicherweise hat die andauernde Berichterstattung in Blogs und klassischen Medien zu den Aktionen des Steinhöfels gegen mich, gegen viele On- und Offline-Händler (...) dazu beigetragen, dass sich die Verantwortlichen der Media-Saturn-Holding für eine Aufpolierung des Images und gegen ihre Werbefigur, die gleichzeitig ihr Anwalt war, entschieden haben.»
Und weiter: «Ein bisschen werde ich noch zum Lebensunterhalt des Steinhöfels und seines Helferhelfer beitragen müssen.
Aber bald ist Schluss damit,
dann müssen die beiden Jungs von der Außenalster möglicherweise für ihren Lebensunterhalt arbeiten.»
Die Website Media-Blöd war einmal als Parodie auf die Media Markt-Werbespots gedacht. Nunmehr findet sich dort eine Chronologie von Abmahnungen und Einstweiligen Verfügungen. Rainer Kohnen, der Autor dieser Website, hatte im Januar 2007 auf die
Abmahnungen aufmerksam gemacht.
Rainer Kohnen jüngst auf Media-Blöd: «9332,- Euro möchte der Gute auf Grund der Parodien und der Satire von mir haben, und hier kommt noch als Pointe der Bezug zum Kotzbuch: 5000,- Euro allein für die Benutzung eines Bildschirmfotos seiner Webseite, auf dem unter anderem auch seine Birne abgebildet ist. (...)
5000 Euro fuer eine Birne.»
Schon in der Vergangenheit hatten Blogger immer wieder ungewollt mit Rechtsanwälten zu tun. Ein leichtsinnig kopiertes Bild oder ein unvollständiges Impressum reichten mitunter für eine Abmahnung. Seit dem 1. März 2007 gilt eine neue Rechtslage: Jeder Blogger, der beispielsweise Google-Anzeigen nützt, braucht nun ein eindeutiges Impressum.
Marc hat deswegen in der Wissenswerkstatt eine Anleitung zu einem korrekten Impressum verfasst: «Riskant ist es aber bereits auch, wenn man die rechtlichen Vorgaben, die das Aussehen des Impressums regeln, nicht beachtet.
Und: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.»
Mehr im Internet: Kommentare der Woche |
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Anhang +++ Falsche Meldung: Der Watchblogger Stefan Niggemeier hat in seinem Blog den Verlauf einer Meldung der dpa im Kontext des G8-Gipfels rekonstruiert. Das Problem: sie war falsch. Ergebnis:
sehr,
sehr
viele Nachrichtenmedien haben sie ungeprüft übernommen. +++ Schwitzen mit Journalisten: Felix Schwenzel, wirres.net war wieder einmal auf einer Podiumsdiskussion eingeladen – sie war anstrengend: «am ende war ich zumindest komplett feucht und leer. unfassbar wie einem journalisten die birne weich reden können. (...) man hätte die veranstaltung ja von anfang an
«onlinejournalisten sind toll»
nennen können. +++ Mitteilungen vom Zaun: Das Blog Spreeblick hatte während des G8-Gipfels eine Website eingerichtet, auf der Interessierte
Kurzberichte per SMS
hinterlassen konnten. Malte, einer der Organisatoren, ist erleichtert, dass das Konzept aufging: «Zunächst war für uns erfreulich, dass es überhaupt eine Schnittmenge gab zwischen Spreeblick-Lesern und G8-Besuchern. Außerdem hätte es gut sein können, dass Spree8 als Grüßtool oder Hetzmaschinerie missbraucht wird. Stattdessen gab es zahlreiche direkte Eindrücke, die teilweise
erstaunlich anders waren als das, was vom Fernsehen übermittelt wurde.»
+++ Warum bloggen? Frau Fragmente schreibt ihr Blog seit 2004. Nun erläutert sie, worüber sie schreibt – ihre Leser schätzen ihr Blog ohnehin: «Von der Suche nach Glück und der Suche nach Liebe, von Einsamkeit und Sehnsucht, von Melancholie, Depression, aber auch von
Freude, Freundschaft, Nähe. Alltagsbeobachtungen
haben ihren Platz, aber auch Erotik und Sexualität werden hin und wieder erwähnt.» +++
Für das Web ediert von Stephan Heinen |