Print ist tot!17. Apr 2007 09:50  |  Digital ist besser: Blogger am Schirm | Foto: dpa |
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Lässig, selbstwusst und gut informiert: die Blogger auf der Berliner Konferenz Re:Publica. Wie immer dienstags: Blogblick
Vergangene Woche fand in Berlin die dreitägige und mit über 700 Besuchern sehr erfolgreiche Blogger- und Netzkonferenz
Re:Publica
statt. Wir hier vom
Blogblick
waren auch da und erlebten eine Reihe von Veranstaltungen, Diskussionen und Pausengesprächen, die sich vor allem durch eine hübsche Mischung aus Lässigkeit und Selbstbewusstein auszeichneten.
Lag es an der Frühlingssonne oder sind Blogger einfach von Natur aus so dauercool und gelassen? Egal ob es um die «Medien-(R)Evolution», «Blogetiquette», Persönlichkeitsrechte oder Werbung in Blogs ging, einen Mangel an Information, Meinung und Unterhaltungswert konnte man in der Berliner Kalkscheune kaum jemandem vorwerfen - schlechte Laune und Aufgeregtheit waren anderswo. Dabei fiel auf, dass politische Diskussionen zwar geführt
werden,
sie aber nur selten an das Interesse an vorpolitischen Debatten um Ethik, Grundsatz- und Verhaltensfragen heranreichen. Aber lassen wir die Veranstalter, Referenten und Besucher doch selbst zu Wort kommen. «re:publica war perfekt organisiert, Netz war da, Verhungern und Austrocknen muss an einer Lokalität im Herzen Berlins sowieso niemand, daher war das mancherorts beklagte Thema ‚Befriedigung physiologischer Grundbedürfnisse’ am Orte der Veranstaltung für mich bedeutungslos», heißt es im Blog Uninformation.
Und
weiter:
»Für die nächste Auflage müssen die Themen schärfer gefasst, ihren Einführungscharakter verlieren, zugespitzt und Diskutanten ohne persönliche ökonomische Interessen am Thema gefunden werden.«
Jan Schmidt, Bamblog,
meint:
«Es gibt nicht mehr 'das Weblog' und es gibt auch nicht mehr 'den Blogger' (wenn es beides je gegeben hat…). Die Debatten kreisen dennoch um das 'richtige' Bloggen, und immer wieder ist spürbar, dass es bestimmte Personen gibt, die prototypisch für bestimmte Positionen stehen bzw. zentrale Figuren in den Diskursen sind. Derweil ist es einer Vielzahl von Bloggern schlicht egal, ob ihr Tun nun eine umwälzende Bedeutung hat oder die Welt verbessern könnte - diese Personen fahren nicht auf Blog-Konferenzen (oder bloggen über Blog-Konferenzen), sie bloggen einfach über das, was sie interessiert.» Gefallen hat ihm auch, dass «keine wirklichen Hierarchien spürbar wurden.»
Das Würzblog hat
Leute
beobachtet, die «drei Blogs und zwei Wikis auf dem Linux-Laptop gleichzeitig administrieren könnnen, aber nicht wissen, wie man das laute Klingeln beim Handy während eines Vortrags abstellen kann»; der Weltenweiser versucht sich an einer Einschätzung des Publikums: «Um mich herum stand so eine Mischung aus grüne Weltjugend trifft den World of Warcraft-Clan mit einer verschwindend kleinen Prise 50+.» Die Technik fand er nur teilweise innovativ, dafür aber sehr
nützlich:
«Das man den Grenzdebilen mit SMS direkt auf die Leinwand im Hauptsaal rechts neben dem Podium eine Spielwiese gegeben hat, war die einzige auffällige technische Neuerung zu anderen Konferenzen. Aber wenn sie dafür die Gier nach dem Saalmikrofon mindert, hat sie vielleicht doch einen Zweck.»
Das Blog Oh, what a world präsentiert seine Re:Publica-Stilblüten-Sammlung: «Du stehst unter Beobachtung in meinem Feedreader. Heißt du wirklich so? Das darfste aber nicht bloggen! Meta/Beta-Version von [Irgendwas irgendwas] Du A/B/C-Blogger/Pingnutte/Werbehure. Haste mal ‘n Ladekabel? Ich les’ dich.
Kuschlig.»
Keine Konferenz ohne Kritik. Andreaffm auf Gig.antville war nicht da, hatte aber vernommen, es sei «so viel übers Rockstar werden und Major Labels und Zielgruppen und Starschnitte und Homestories auf MTV und Imagekampagnen und Marktoptimierung und den fetten Werbedeal» gesprochen
worden.
«Gleichzeitig aber so wenig über Musik, über rumklimpern und ausprobieren und Harmonie und Dissonanz und kleine finnische Clubs und überhaupt Inhalt und Schönheit und Häßlichkeit von Blogs. Nichts über Geschichten und nichts über Intimität und nichts über Integrität, nichts über Persönlichkeit und Stil und Charme und nichts über die Schattenseiten davon.»
Und keine Kritik ohne Erwiderung: Felix Schwenzel glaubt, dass es bei solchen Einwänden «gar nicht ums bloggen“ geht,
sondern
«um definitionsmacht, mythenbildung, selbsterhöhung und abgrenzung. abgrenzen und kategoriesieren in gut oder böse, idealistisch oder kommerziell, rein oder schmutzig, ehrlich oder korrupt, schön oder hässlich, richtig oder falsch - kurz: schwarz oder weiss, entweder/oder.»
Und sonst?
Spreeblick
erschien am letzten Re:Publica-Tag als gedrucktes Heft, Schlagzeile: «Print ist tot.» Aussagekräftige Konferenzbilder finden sich bei
Flickr
und in diversen
Blogs.
Unser Lieblingsbild ist diese schöne
Aufnahme.
Wer Johnny Haeusler,
Mercedes Bunz
und
Toni Mahoni
in den «Tagesthemen» verpasst hat, kann sich die entsprechende Sendung
hier
noch einmal ansehen. Eine Re:Publika 08 wird nach Auskunft der Veranstalter ganz sicher kommen.
Mehr im Internet: Kommentare der Woche |
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Anhang Technik: Während Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach noch Twitter
testet,
macht sich Blog Age schon über dessen deutsche
Klone her;
Kristian Köhntopp erinnert sich an Computerspiele der Jugendzeit und weist den Weg, wie man sie
wieder findet.
+++ «Nie wieder
schlafen»,
will man im Blog Vigilien: «Nie wieder; kommt zu mir, erzählt mir, wie es ist, weckt mich, falls ich mir untreu zu werden drohe, lasst mich nie wieder schlafen»;
+++ Nachrufe: Der Cartoonist Sven K. gedenkt auf Daily Ivy dem verstorbenen Cartoonisten
Johnny Hart;
Giesbert Damaschke kommentiert die Trauerrede des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger zum Tode Hans Filbingers:
«Ein NS-Richter
als Gegner des NS-Regimes und verhinderter Widerstandskämpfer. Was es nicht alles gibt. Nur Nazis, die gab’s wohl nicht». +++ (Un)Glückliche Zeiten: Zampano
zeigt
uns auf Dschibuti eine «original Zeitmaschine»; der auf av.antville meint am Beispiel des 12. Deutschen Trendtages beobachten zu
können:
«Was man den Zeitläuften ja durchaus vorwerfen könnte, ist, dass Realität mitunter, wenn nicht gar immer häufiger, kaum von Satire unterscheidbar ist». +++ Das Literaturblog Taberna Kritika «beginnt eine Materialsammlung zu einem Projekt mit dem Arbeitstitel Wie sie vielleicht wissen und dem Themengebiet (eigentlich nur einem Aspekt) Bibliotheken/Bibliothekare in der
Literatur».
+++ Stadt & Natur: Ganz hingerissen ist AN auf Holy Fruit Salad von einem kleinen Moment der
Stadtromantik:
«Am Ostersonntagabend auf dem oberen Bahnsteig des S-Bahnhof Westkreuz stehen und einem Rotkehlchen lauschen, dass mit seinem wunderschönen Abendgesang unterhält. Darüber einfach mal zwei S-Bahnen passieren lassen und beglückt weiter zuhören.» Das savlog
verlinkt
warnend auf zwei Umweltvideos der Kampagne «Now look what you did». Religion: Hannaxel beschreibt einfach nur einen multikulturellen «Mix von Ostersitten» in
Kanada;
Der Nullzeitgenerator zitiert Max Weber («Die Arbeitsunlust ist Symptom fehlenden Gnadenstandes») und weiß: «Ein gewisser Leistungsgedanke liegt also jeder Sinnsuche zugrunde. Erfolgreiche Religionen haben es außerdem an sich, dass sie einem Gelegenheit bieten, viel Geld für den Glauben
auszugeben.»
+++ Blogs: Peter Turi stellt den Blog-Karneval
vor:
«Also, ein Blog-Karneval ist ein buntes Wissens-Dossier 2.0, bei dem jeder mitmachen kann, der einen Blog betreibt». Donvanone hat sich tatsächlich mit einem seiner Blogleser getroffen.
Wahnsinn!
Daniel Mies ist mit seinem Blog umgezogen, von
dort
nach
hier.
+++ Anke Gröner bekennt sich zum Baseball im Allgemeinen und zu den Houston Astros im Besonderen: «Einmal wegen Lance 'Bärchen' Berkman, der in echt nicht ganz so scheiße aussieht wie auf dem Teamfoto, sondern einen sehr knuffigen Charme hat, und zweitens wegen der historischen Hemdchen, deren Kauf ich mir noch etwas verkneife. Ich seh so blass aus in
Orange».
+++ Jens Scholz wünscht uns allen einfach nur einen
schönen Frühling!
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