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netzeitung.deSehnsucht nach der «Lätta-Familie»

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Frühstück in der Krippe (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Frühstück in der Krippe
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Heimliche Top-Hits, das perfekte Verbrechen, Brötchen am Kopf. Außerdem: Weltfrauentag und Baudrillard. Wie immer dienstags: Blogblick.

Die Krippenkinder-Diskussion bewegt sich in den Massenmedien zwischen Familienromantik und unzumutbaren Frauenrollen. Verständlich, wenn einer Vollzeitmutter zweier Kinder daher «langsam die Hutschnur platzt»:«Liebe 'Teilzeitmütter' (...), hört auf, Argumente dafür zu suchen, die auf den Rücken der Vollzeitmamas geladen werden.»

An normalen Montagen geht es hingegen, auch in Weblogs, eher sachlich zu: «So, die Kinder sind in der Krippe, Cristina hustet zwar noch, aber sonst geht's ihr besser.» Worum geht es? Um den Alltag derer, die Kinder erziehen - und das womöglich noch alleine. So wie Casino, alleinerziehende Mutter mehrerer Kinder, die in ihrem Weblog Hotel Mama anschaulich beschreibt, wie nervenaufreibend dieser Alltag ist:

«Diese ewige totalitäre Anwesenheitspflicht in jeder Hinsicht, der sich jeden Tag anhäufende Berg an Widerspruch, die unendlichen Wiederholungen von sogut wie allem, die ewig brodelnde Kindergeburtstagshysterie im Hintergrund (...). Jammer, jammer. Ich will eine Lättafamilie.»

Dabei gibt es noch viel mehr Probleme. Wasweissich, die unter anderem das Autismusblog mitschreibt, hatte lange Zeit Schwierigkeiten, ihren autistischen Sohn in einer Schule unterzubringen. Und: sie beklagt eine eine unausgewogene Berichterstattung in den Medien. Nun hat sie «Wut im Bauch»:

«(...) beim Nachdenken darüber, dass Kinder unsere Zukunft sind und wie wir diese Zukunft gestalten wollen, hat die ARD die Kinder mit Behinderung völlig außer Acht gelassen. (Geht es bei der Zukunftsfrage am Ende nur um Leistungsstärke?)»

Der Alltag geht weiter. Zum Beispiel mit unnachahmlichen Spielplatzgesprächen.Oder in einer anderen Schule, ohne Mama, ohne Papa. Da bekommen Lehrer mitunter Brötchen an den Kopf geworfen. Autsch!

Am 8. März war Weltfrauentag, ein Anlass für Missverständnisse: Andreaffm bekam von Vertretern des DKP-Ortsvereins eine Nelke überreicht, und fragte sich: war das eine Gratulation oder eine Beileidsbekundung? Im bibliothekarischen Weblog Netbib wurden zum 8. März ausschließlich Beiträge von Frauen erbeten; die Resonanz blieb schwachIm Genderblog wurde diese ausschließliche Frauenquote ausgiebig kritisiert.

Jean Baudrillard ist tot. Als ordentlicher Philosoph eher ein Außenseiter, wurde Baudrillard als Theoretiker der Wirklichkeit und ihrer Simulation berühmt. In der Geistigen Heimat griff man tief ins Regal und fand alte, wahre Bücher.

Bei Movie Buzz betrachtet man den Pool der Popstars unter den lebenden Philosophen nunmehr eher als einen Tümpel, während sich Daniel Windheuser im kollaborativen Weblog Aggiornamento fragt, ob Baudrillard jemals in München war. In seinem Weblog Was denkt Flo? empfiehlt Flo Baudrillard zur Lektüre. Das Blog «Another Perfect Day» verlinkt direkt auf Baudrillards perfektes Verbrechen.

Anhang
+++ Blogsong: Gut möglich, dass Jochen aus Berlin einen Top-Hit geschrieben hat. +++ Brotlose Kunst: Der Cartoonist Svenk erzählt, wie seine Eltern von einem besoffenen Markus einen Lüpertz bekamen, der dennoch kein Geld wert ist. +++ Knipsen, niemals aufhören: Marcus Hammerschmitt, Instant Nirvana, fragt sich: «Auch hat mir noch niemand aufschlüsseln können, warum ich die kleine Stadt fotografiere, dass sie wirkt wie eine große: hart und böse.» +++ Die Weblogs der Zukunft werden womöglich mehr über Lokales berichten. Das Sparrenblog macht das jetzt schon über Bielefeld. +++

Für das Web ediert von Stephan Heinen