06.02.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Papst Benedikt XVI auf Facebook Screenshot: nz
Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Sind Blogger eigentlich katholisch? Wenn ja, was meinen sie zum Papst? Wenn nein, was sagen sie trotzdem? Außerdem: Deutsche Bahn mahnt Netzpolitik ab, Penisfechten Reloaded, Blogger United. Der Blogblick.
Noch gar nicht lange ist es her, da dachte man, der Papst und der Vatikan seien Gestalten und Institutionen
der modernen Welt. Doch seitdem auch
Holocaust-Leugner rehabilitiert werden und die konservativsten der Konservativen wieder geistlichen Schutz genießen, fragt sich hier bei uns in der weltlichen Sphäre so mancher, wie muffig es eigentlich unter einer Soutane und einem weißen
Pileolus so zu sich geht. Dass beides - reaktionäres Denken und moderne Technik - zusammen passt, beweist neben unendlich vielen anderen Webseiten schon länger das
Weblog des Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson.
Unverständnis und Zynismus machen sich unter Bloggern breit.
Kultur Banal schreibt: «Ob der Reaktionen ist Seine Un-Heiligkeit dann echt erschrocken. Dass ein Holocaust-Leugner re-kommuniziert wird, ist in Ordnung.
Maledict hat sich ja nichts dabei gedacht. Dass aber nun aus Deutschland Kritik kommt, das sei nun eindeutig 'antikatholisches Ressentiment'. Erstaunlich, dass dem Papst die Worte nicht fehlen, wo ihm die Gedanken doch komplett abhanden gekommen sind.»
sirjoesardella wendet sich gleich den Folgen des Desasters zu: «Papa Ratzi ist nach den deutschen Schlagzeilen
'Wir sind nicht mehr Papst!' in der Champagne in Frankreich untergetaucht. Als einfache Traubenleserin getarnt, ist der CEO der katholischen Kirche in der Krise untergetaucht und schneidet im 10 Stunden Akkord die edlen Reben zu!» Belegt wird diese gewagte Prognose mit einem
Foto.Ein satirisches Interview
findet sich auf
Lupe, auch
Frau Nörgeli versucht sich in Humor. Wer es mag, naja. Interessanter ist da schon ein
Siebenzeiler von
Ralph Müller.
Das Wort zum Sonntag
Im
Sekten-Blog des Schweizer «Tagesanzeigers» geht Autor Hugo Stamm die Sache
anders, historischer an: «
Antijudaismus und Antizionismus haben in den christlichen Kirchen eine lange Tradition. Es ist deshalb kein Zufall, dass Papst Benedikt XVI. den Holocaustleugner und Bischof Richard Williamson von der sektenhaften Lefebvre-Priesterbruderschaft rehabilitiert hat.»
Deutlich wird SinnesWandel: «In keiner Kirche hat das Leugnen der Shoa Platz. Wer so denkt, darf Menschen nicht als Lehrer, Priester oder Seelsorger begegnen. Nicht hier und nicht anderswo. Ich hoffe, dass in den Messen der katholischen Gemeinden Land auf und Land ab,
klare Worte zum Sonntag gesprochen werden. Und am Montag folgen die Taten.»
Oliver Ritter ist es dagegen schon lange leid, er bastelt sich kurzerhand
einen neuen Papst. I Draw Escape Plans nimmt sich einen anderen interessanten
Aspekt vor: «Auch innerhalb der Kirche hagelt es Kritik an dieser 'Katastrophen'-Entscheidung und es werden Konsequenzen für die Verantwortlichen gefordert. Das ist ja ein eigentlich wünschenswerter Ablauf. (...) An dieser Stelle möge man sich ein ähnliches Szenario bei beispielsweise der Organization of the Islamic Conference vorstellen und wie es da ablaufen würde, wenn sich jemand erdreisten würde den Holocaust zu leugnen.»
Vergeben war notwendig Gibt es denn niemanden, der in diesen schwierigen Zeiten zum Papst steht, der ihn versteht und unterstützt?
via di mezzo ist
hin- und hergerissen: «Ich empfinde die Entscheidung ebenfalls als unglücklich, aber kann ich auch einem Papst zugestehen, dass er um die Holocaust-Leugnung von Williamson nicht wusste?
Auch ein Papst ist nicht allwissend. Ich gestehe ihm dies zu und schon reduzieren sich meine Fragen darauf, nun zu beobachten, was er damit bezweckt, wenn er Fundamentalisten einbindet. Ist Ausgrenzung, die dann im Untergrund verschanzt und heimlich agiert, besser? Wie wirkt sich Verunglimpfung aus?»
Auch
Manfred O. weiß Benedict XVI.
einiges abzugewinnen: «Aus einer kirchen-internen Rechtshandlung (wird) ein gesellschaftspolitischer Skandal. Und plötzlich wird medial aus Benedikt doch der deutsche Nazi-Papst. Dabei hat Benedikt selbst alles getan für einen Dialog der Religionen. Schien auch entgegen aller Erwartungen alte Zöpfe opfern zu wollen - sozusagen besser als erwartet. Und zu seinen Zielen gehört wohl auch, die Kirche wieder zu einen. Dazu war ein Vergeben notwendig und
ein Zugehen auf die, die verloren schienen. Auch der extrem konservative Bereich gehört dazu. Und so kam es zur Aufhebung der Ex-Kommunikation der Pius-Anhänger.»
«Mist, @gott hat seine Updates geschützt»Wegen der Veröffentlichung eines internen Memos zur Datenaffäre, aus dem zuvor aber schon gefühlte 777.777 Journalisten zitiert hatten, wurde nun
Markus Beckedahl, Betreiber des Weblogs
Netzpolitik.org, von der Deutschen Bahn
abgemahnt. Alles zum Stand der der Dinge findet sich
hier. Und wo abgemahnt wird, da
verbreitet sich der beanstandete Inhalt
umso schneller. Wann Hartmut Mehdorn wohl das komplette Internet abmahnt? +++
Penisfechten Reloaded: Die deutschen Blogcharts wurden von
Jens Schröder einem Relaunch
unterzogen. 100 Blogs wollen noch mehr Klicks. +++ Vom
Kurzcrash von Googles Suchmaschine am Wochenende hat
Dataloo einen
wunderschönen Screenshot für die Ewigkeit gerettet. +++