Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Unsere Weblog-Kolumne: 

«Stasi wollte Wikipedia verbieten»

18. Nov 2008 07:50
Von niemandem als Freund geadded: Lutz Heilmann
Bild vergrößern
Ein Politiker der Linkspartei ließ die deutschsprachige Wikipedia sperren. Ob Blogger nun noch links wählen? Außerdem: World of Warcraft, BKA-Gesetz und Hausdurchsuchung bei einem Blogger. Der Blogblick.

Ein Gespenst geht um im Internet - das Gespenst des Lutz Heilmann. Seit 2005 ist das Gespenst Mitglied des Deutschen Bundestages, einst für die PDS, mittlerweile für die Partei Die Linke . Doch Angst hat nach der von ihm initiierten Sperrung der deutschprachigen Wikipedia und der kurz darauf folgenden Rücknahme der einstweiligen Verfügung kaum noch jemand. Im Gegenteil hat er dieser Tage für allerhand Gelächter gesorgt - wenn auch irritiertes und besorgtes Gelächter.

Auf den Punkt bringt es Dennis' Blog: «Joa, so schnell kann es gehen, wenn man sich mit dem Netz anlegt. MdB Lutz Heilmann (PDL) hat seine einstweilige Verfügung zurückgenommen. Wikipedia ist nun auch wieder über Wikipedia.de erreichbar. Wikipedia hatte in den letzten Tagen ein verfünfachtes Spendenaufkommen. Und Petra Pau darf auf der Homepage der Linken erklären, warum sie Wikipedia super findet. Merke: Das Internet in seinem Lauf hält weder Ochs noch Heilmann auf.»

Markus, Netzpolitik, sieht das ein wenig anders: «Die Öffentlichkeitskampgne von Lutz Heilmann war ein voller Erfolg. Knapp ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl dürfte er jetzt einer der prominentesten Bundestagsabgeordneten von der Linkspartei sein. Keine schlechte PR-Strategie für einen Hinterbänkler. (...) Viel interessanter ist aber die Statistik, wie oft seine Wikipedia-Seite angeklickt wurde. 518.166 Besucher interessierten sich am Samstag und Sonntag für seine Biographie. Wenn das mal nicht ein Erfolg ist!»

Grundsätzlicher argumentiert Klaus Schrage, Hirndübel: «Wir sehen wieder, dass es einen Unterschied zwischen Sozialisten und Konservativen gibt: Die Linken wollen verhindern, dass bestimmte Nachrichten überhaupt in Umlauf kommen. Die anderen lassen erstmal alles laufen, richten aber eine elektronische Stasi ein - und nennen es BKA-Gesetz. Um Kontrolle geht es aber immer.»

Lutz Heilmann ließ sperren, weil ihm der Wikipedia-Eintrag über Lutz Heilmann nicht gefiel. Er soll nun geändert worden sein, wieder einmal, wie das FDP-nahe, «radikal liberale Autoren-Weblog» Antibuerokratieteam.net aufzeigt: «Lutz Heilmanns Eintrag weisst eine Änderungshistorie von gut 500 Versionen auf, zu 90% in den letzten Tagen entstanden. Unter dem Link hier , kann etwa die aktuelle (16.11.08) Version mit der vom (12.11.08) verglichen werden. Die nächstfolgende Version vom 13.11.08 trägt den Kommentar Änderung wegen Rechtsstreit und deshalb könnte die Version vom 12.11.08 Aufschluss geben, welche Äußerungen Heilmann zu den Rechtsschritten veranlasst haben könnten.»

Auf einen anderen Aspekt weist Jan Knöttig hin: «Im kritischen Fall wird daraus die Konsequenz gezogen, dass sich niemand mehr mit den Großen im Netz anlegt: Prominente A-Blogger, große Foren und eben Wikipedia. Denn was passiert, wenn ein kleiner Privatblogger 'Opfer' einer 'Einstweiligen Verfügung' wird? Dann kräht kein Hahn danach.» Die rechtlichen Hintergründe liefert Telemedicus.

Auf Schlagzeilen verkürzt, stellt sich das Ganze nun so dar: «Online-Bumerang erwischt MdB» ( Trierer Medienblog ), «Medienkompetenz in der Politik» ( Campino2k ), «Linke gegen freies Wissen» ( Totgedacht ), «Nie wieder Stasi-Meinungsdiktatur! Gruß an Heilmann!» ( Vier Strafverteidiger ), «Stasi wollte Wikipedia verbieten» ( Doppelkopf ) bis «Endlich zeigts mal einer der Wikipedia» (ingriiiid).

Wie bitte? Ja, dort heißt es: «Es ist eigentlich ein Unding, dass sich die Wikipedia-Hintermänner immer darauf herausreden, dass dieses Mischwerk aus Falschinfirmationen und diffamierenden Rachepostings nicht belangt werden kann, weil eigentlich niemand (!) oder eine nicht fassbare Community für das ganze verantwortlich ist. Nun hat jemand zumindest versucht dem Unfug einen Riegel vorzuschieben. Man stelle sich vor eine Nazigruppe baut ihre eigene Wikipedia und redet sich auch darauf heraus, oder die Scientologen oder Al Quaida, oder ….»

Eine gute und wichtige Frage stellt schließlich das Powerbook Blog: «Ich frage mich, wie sich das anfühlt. Bei den Leuten da draussen. Also denen, die nicht so sind wie wir. Da findest Du eine Seite im Internet (Wikipedia - kennt meine Mutter auch nicht ) und da steht etwas, was Du nicht lesen willst über Deine Person. Jetzt bemühst Du ein Gericht das abzustellen. Und die geben Dir auch noch irgendwie Recht. Aber es bringt so ganz und gar nichts. Vermutlich fühlt er sich so, wie ich mich vor einem riesigen Berg Bügelwäsche und das erste Hemd liegt schon völlig verbrannt auf dem Bügelbrett.»


Anhang

BKA-Gesetz: Wie erwartet findet der Bundestagsbeschluss des neuen BKA-Gesetzes samt seiner möglichen Folgen für die digitale Kommunikation in der Blogosphäre nicht viele Anhänger. Und dass daraus wohl erstmal nichts werden wird, finden viele gut. +++ World of Warcraft: Die neue Erweiterung «Wrath of the Lich King» für World of Warcraft ist draußen und auch einige Blogger spielen mit. +++ Hausdurchsuchung bei Berliner Blogger: Am 11. November wurde die Wohnung des Berliner Journalisten und Bloggers Burkhard Schröder von der Polizei durchsucht, sein Rechner wurde beschlagnahmt. Ihm wird ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen, weil auf seiner Internetseite «eine Anleitung zur Herstellung von Explosivstoffen» zu finden gewesen sein soll. Der Fall hat zu heftigen Debatten unter deutschsprachigen Bloggern geführt.

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Josef Depenbrock & Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.