05.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Seine Webkampagne hat geholfen: Obama am Computer
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«Amerika wird feinfühliger», die USA stehen vor «einer großen Präsidentschaft» bzw. «einer herben Enttäuschung» und warum gerade die Deutschen so ausgelassen jubeln: was Blogger vom Sieg Obamas halten. Ein Blogblick-Extra zur US-Wahl.
«Wer nicht gerade auf dem Mars wohnt, dürfte keine Chance haben, dem
Thema des Tages entkommen zu sein»,
schreibt Casi im Weblog
Zweipunktnull und zwingt den Blogblick zu einer aktuellen Intervention.
Nun denn: Die US-Bürger sind zur Wahl gegangen und das Ergebnis ist eindeutig: «
Obama wurde gewählt, weil die Mehrheit der US-Bürger eine bessere Lösung der brennenden amerikanischen Probleme durch ihn erwarten. Die Visionen der Republikaner, Neocons und Fundichristen haben sich in Schall und Rauch aufgelöst», wie es im Blog
Outcut heißt. Oder anders gesagt,
mit den Worten des «typisch amerikanischen Deutschen»
Starocotes, Staros Blog: «Obama wird der
44. Präsident der Vereinigten Staaten und das mit weit größerem Vorsprung als zunächst vermutet. Ich denke zwar nicht, dass sich die amerikanische Außenpolitik jetzt von einem auf den anderen Tag komplett ändern wird, aber zumindest kann man erwarten, dass an einige Themen etwas feinfühliger herangegangen wird und dass nicht mehr die Meinung vorherrscht Amerika müsse die Welt 'retten'.»
«Wer war der letzte Präsident der USA, für dessen Mannschaft Nobelpreisträger Schlange standen?»,
fragt das mawalog und antwortet auch gleich: «Wahrscheinlich Kennedy. Ich möchte mich deutlich von den Beschwichtigern absetzen und vermerken, dass ich persönlich damit rechne, dass dies
eine große Präsidentschaft werden wird - allein schon deswegen, weil stinknormale, gut gemachte amerikanische Politik geradezu revolutionär aufklärerisch wirken wird nach dem sinister realitätsverbiegerischen neokonservativen Gewurschtel.»
Das mag man im
Reizzentrum so
nicht hinnehmen: «OK, Barak hat wohl die Wahl gewonnen. Aber was heisst dies? 1. Für uns Deutsche erstmal GARNIX, egal was für eine Welle hier jetzt auch gemacht wird. 2. Für die Amerikaner wird es eine herbe Enttäuschung geben, weil Wahlversprechen und Tagespolitik IMMER zwei paar Schuhe sind. 3.
Alles ist besser als Bush? Der Tag soll erst nach dem Abend gelobt werden!»
Other Times ist
fasziniert davon, «dass es möglich ist, Menschen in einem Wahlkampf so zu emotionalisieren, dass sie
vor Freude über die Wahl ihres Kandidaten
auf Washingtons Straßen tanzen. Man stelle sich die grotesken Bilder aus Berlin vor, wenn die übrig gebliebenen 500 SPD-Mitglieder bei der Wahl von Steinmeier als Kanzler um den Reichstag tanzen.»
Im Blog
Am Kalkofen fragt man sich dagegen, «woran liegt nun dieser US-Hype in Deutschland? Liegt es vielleicht daran, dass unsere dicken, grauen Politiker zu langweilig sind? Müssen wir uns darauf einrichten, dass unsere Kandidaten zur Bundestagswahl ihre Auftritte in ein
Medienspektakel nach amerikanischen Vorbild verwandeln? Gibt es auch eine Wahlnacht auf NBC und CNN, wenn bei uns gewählt wird? Wird Steinmeier, Merkel und Co. vor der Siegessäule die Massen bewegen? Übt Merkel heimlich vor dem Spiegel den Satz: 'Ja wir schaffen das!'?»
JuliaGulia, frauen sites - das wahre leben verknüpft den Wahlsieg Obamas mit dem Videospiel «Guitar Hero»: «Ich sage: Stand up and sing -
YES, WE CAN. Ich sage: A man touched down on the moon and a wall came down in Berlin. Da können wir auch Computerspiele spielen - YES, WE CAN. So wird Demokratie gemacht. Zu Hause am TV Gerät und draußen in der Welt. Ein kleiner Schritt für eine Frau, ein großer Schritt für die gesamte weibliche Spielewelt.»
Rebelart nimmt das Ganze von der
komischen Seite;
Don Alphonso reagiert gewohnt
grobschlächtig und feinsinnig zugleich («An dieser Stelle auch ein herzliches 'Fuck you' an die
48% der amerikanischen Wähler, die den Ernst der Lage noch immer nicht begriffen haben und erneut für die Republikaner, ihren Opa und die bigotte Nachfolgekatastrophe gestimmt haben);
from hades bietet Obama ein
neues Motto an: «We will see»; der
Modepilot gratuliert auf seine Art;
Biophilia zitiert aus Obamas Buch: «My first morning in Washington, I realized Id forgotten to buy a shower curtain and had to scrunch up against the shower wall in order to avoid flooding the bathroom floor.»
«Heute fühlt sich die Welt ein bisschen besser an»,
meint Christiane Windhausen, Sonnos. «Was heißt hier eigentlich Change?», fragt
Nein, Alfred und liefert die Antwort
gleich mit: «
In Amerika hat sich in den letzten 150 Jahren recht wenig verändert. Immer noch werden junge, aufstrebende Schwarze in die Häuser der Weissen geschickt, um die Scheiße aufzuräumen, die die hohen Herrschaften über die Jahre hinweg aufgetürmt haben. Change, indeed.»