Unsere Weblog-Kolumne: Telekom - Daten für alle14. Okt 2008 07:23, ergänzt 16. Okt 2008 08:45  |  Logo der Telekom, durch das Loch einer CD gesehen | Foto: dpa |
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Nach dem neuen Datenskandal bei der Telekom wissen die Blogger nicht mehr, ob sie lachen oder weinen sollen. Außerdem: Wirtschaftskrise, Großdemonstration für Datenschutz, Jörg Haider, Marcel Reich-Ranicki. Der Blogblick.
Dieser Tage schimpfen viele Datenschützer über die Telekom. Das ist ungerecht. Denn das Unternehmen mit Sitz in Bonn liefert unfreiwillig allerhand Anschauungsmaterial, das Datenschützern mittelfristig sehr zugute kommen könnte - schließlich macht es im Umgang mit den sensiblen Daten der Kundschaft fast alles falsch, was man falsch machen kann.
Wieder einmal
sind der Telekom
Nutzerdaten abhanden gekommen. Wieder einmal untersucht die Telekom, wie das passieren konnte. Wieder einmal ist das Leck längst
abgedichtet.
Wieder einmal heißt es, das
werde nun
nicht mehr vorkommmen.
Das glauben die Blogger dem deutschen Marktführer in Sachen Telefonie und Datendienste längst nicht mehr. Doch zuerst: Welche Daten sind aktuell betroffen? Das
erklärt
Klaus Eck, PR-Blogger: «30 Millionen Datensätze von Mobilfunkkunden waren frei im Internet bei der Telekom zugänglich. Wie sicher sind ihre Daten noch? Sicher scheint nur zu sein, dass nichts Digitales mehr absolut sicher ist.»
Das weiß auch Michael Schwarz, Mein Gott und meine Welt.
Er denkt
den neuen Datenskandal zusammen mit der geplanten De-Mail, also einem von der Regierung geplanten E-Mail-Service für den Online-Austausch mit Behörden. Bei der Verbindung von beidem drohe das Schlimmste: «Und was macht der Onkel Schäuble wenn T-Error-isten sich eine De-Mail inkl. Datensafe holen? Dann kann er und seine Schergen aus dem reichen T-Erfahrungsschatz schöpfen, um alle 82 Millionen Bürger zu überwachen und die gewonnenen Daten gleich ins Netz zu stellen.» Am De-Mail-Netz, das muss man ergänzen, soll die Telekom beteiligt sein.
Blogger CJuergens kann der Schludrigkeit der Telekom aber auch etwas Gutes
abgewinnen:
«Ein weiterer recht erfreulicher Aspekt ist, dass die Demo dieses Jahr von den Medien etwas mehr Beachtung fand (...) - für diese Aufmerksamkeit wurde explizit der 'Werbung' der Telekom gedankt.» Mit Demo gemeint ist die Demonstration gegen Vorratsdatenspeicherung und Online-Durchsuchung, die am Wochenende in Berlin stattfand.
Konsequenzen
fordert
dagegen Tobias Kölligan: «Meiner Meinung nach sollten solche Vorfälle mit aller Härte von den Behörden und dem deutschen Staat bestraft werden, schließlich sind solche großen Provider und Unternehmen wie die Telekom dazu verpflichtet korrekt mit den Daten ihrer Kunden umzugehen.«
Martin Weigele, T-Blog, hält wenig von Obermanns Plan, nun einen «Vorstand für Datenschutz» einzuführen: Dafür fehle es im Unternehmen schlicht an Vertrauen. «Jahrzehntelanger Personalabbau und miese Behandlung von Lieferanten haben ihre tiefen Spuren verlassen - bis hin zu Selbstmorden von Mitarbeitern sogar im unmittelbaren Vorstandsumfeld, von weit verbreiteten psychiatrischen Behandlungen ganz
zu schweigen.
»
Carls Weblog trägt die ganze Geschichte mit Fassung -
und Humor.
«Telekom-Kunde müsste man sein», lautet seine Überschrift. Und weiter: «Manchmal ärgert man sich, nicht Kunde der Deutschen Telekom zu sein. Bei der Telekom geht es nämlich viel familiärer zu. Mit ein bisschen Knowhow und krimineller Energie konnte man da ganz leicht an die Privatdaten des Nachbarn oder auch von Roman Herzog und Alice Schwarzer kommen. Leider hat die Telekom diese Community jetzt aufgelöst. Schade, eigentlich.»
Eher humorlos
befasst sich
Rechtsanwalt Siegfried Exner, Jur-Blogs.de, mit dem Datenklau und postet auch die «Rechtsgrundlage der Bestellung des Datenschutzbeauftragten» nach «§ 4f BDSG»; Slash, Quergedacht hat sich
kurzerhand
als «als Vorstand für Datensicherheit bei der Telekom beworben, anonym» natürlich; was gebloggt werden kann, kann auch
getwittert
werden.
Axel Wagner, Saarland und mehr
zitiert
Philipp Schindera, den Sprecher der Deutschen Telekom: «Das Szenario, das hier vorgestellt wird, ist ein sehr theoretisches, und ein sehr schwieriges. Man braucht dafür ein sehr hohes Maß an krimineller Energie. Wir haben unser schon hohes Niveau durch eine zusätzliche Maßnahme nochmal erhöht.» Der Blogger ist verblüfft: «Wie soll ich das jetzt verstehen? Die Telekom hat ihr hohes Niveau an krimineller Energie nochmal erhöht?» Über diesen Satz ist auch Torsten Kleinz, Notizblog,
gestolpert.
Eine Art Schlusswort
findet
Flaneur, textschubla.de: «Die Jungs in Bonn gefallen mir. Sind doch nur ein paar Daten, sagt man sich dort. Mittlerweile müssten ja sämtliche Telekomkundendaten öffentlich sein, so dass wir jetzt Ruhe haben, oder?»
Ja, aber nur wenn es um die Datenskandale geht. Jenseits davon gibt es aber auch noch den Alltag mit der Telekom. Er sieht ganz anders, wenn auch nicht unbedingt besser aus. Davon weiß steffen030 einiges zu erzählen, er hat einen langen, schönen und offenen Brief an René Obermann geschrieben: «Ich frage mich ernsthaft wie das Wort 'SERVICE' in Ihrem Unternehmen definiert wird. Ich meine, wenn Sie keine Kunden mehr wollen, dann muss ich sagen, ja, Ihr Unternehmen handelt richtig!» Den Rest des Eintrags finden Sie
hier.
Und ein passendes Bild zum Thema gibt's
dort.
MEHR IM INTERNET: Kommentare der Woche |
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Anhang
Wirtschaftskrise:
Die
ökonomische
Krise
hält
immer
noch an
und viele
Blogger
analysieren die
Situation.
+++ Demonstration für Datenschutz:
15.000 Teilnehmer kamen am Wochenende
nach Berlin, um unter dem Motto «Freiheit statt Angst»
gegen die Vorratsdatenspeicherung
und Online-Durchsuchungen
zu protestieren.
+++ Jörg Haider
ist tot
und nur
wenige Blogger
bedauern
das.
+++ Marcel Reich-Ranickis
Affront
gegen
das Trallala-Fernsehen
wird viel
diskutiert.
+++ Das Berliner Landgericht hat dem
Gelsenkirchener
Lokal-Blogger Heinz Niski Recht gegeben. Er hatte
einen Artikel der
«Westdeutschen Allgemeinen» übernommen, gegen den eine Unterlassungsverfügung vorlag - ohne dass Niski davon wusste. +++
Für das Web ediert von Maik Söhler |