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Unsere Weblog-Kolumne: 

Die Web-Deppen schlagen zurück

12. Aug 2008 07:45
Schön blöd: Datenverkehr im Internet
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«Macht das Internet doof?», fragt der «Spiegel» in seiner neuen Ausgabe. Macht der «Spiegel» doof?, fragen die Blogger zurück. Außerdem: Copyright, Sevenload, China, iPhone. Der Blogblick

Wenn der «Spiegel», also die gedruckte Magazinausgabe, nicht «Spiegel-Online», sich einmal ausführlicher eines Netzthemas annimmt, weiß man in der Regel, dass das Thema durch ist. Tot ist. Man kann anschließend darüber nicht mehr kommunizieren. Nicht weil das Thema so erschöpfend behandelt, sondern weil es zu Tode klischiert wurde. «Macht das Internet doof?», lautet diesmal das «Spiegel»-Netzthema, und daraus ist sogar eine Titelgeschichte geworden.

Titelgeschichte? Doppelt durch also, denkt man sich, versucht aber dennoch zwischen all den Klischees über «digitale Gehirnverschmutzung», E-Mail-Lawinen und powerpointsüchtige Schüler einen Gedanken zu erhaschen, den weiterzudenken sich lohnte. So sind wohl auch die Blogger rangegegangen, jene Autorengruppe, die neulich erst im «Spiegel» als irrelevant abgewatscht wurde.

from hades jedenfalls beantwortet erstmal die große, an der Hamburger Brandstwiete gestellte Titelfrage: «Natürlich! In dem ganzen Wust ist es für Neuankömmlinge erst einmal schwer sich zurechtzufinden, fehlt dazu noch eine gewisse grundlegende Bildung ist man ohnehin mehr oder weniger verloren Nicht so der Blogautor: «Ein simpler Vergleich offenbart z.B. wo SPON wieder einmal die recht ärmlich gestaltete Steilvorlage her hat, aus US-amerikanischen Gefilden und andere deutsche Vertreter des toten Holzes springen auch in bester Sommerloch-Manier auf den Zug nach Nirgendwo auf. Muß uns das beunruhigen? Nein, denn sie wissen nicht was sie tun …». Die Vorlage stammte von Nicholas Carr, erschien im Magazin «Atlantic» und bezog sich darauf, wie Google unsere Art zu denken verändert.

Selber, selber: «Das Internet macht Spiegel-Redakteure doof.» So lautet die Überschrift eines Beitrags von Chris, F!XMBR, das Blog schiebt dann noch eine kurze Begründung hinterher: «Während das Internet für uns ein großer Fundus an Wissen, Spaß und Informationen bedeutet, ist das Internet für Spiegel-Redakteure wohl eher das Gegenteil dessen.»

Dirk von Gehlen, Digitale Notizen, bringt die Kritik schon auf den Punkt (der definitiv kein Powerpoint ist), bevor die «Spiegel»-Story überhaupt erschienen ist: «Das Internet ist Google. Und: Das Internet macht doof. Man weiß schon, was morgen im Spiegel steht. Und man weiß schon, wie von welcher Seite drauf reagiert wird. Das nennt man Sommerloch!»

Auch im Weblog Medienlese winkt man ab. «In-Formationen für Kulturpessimisten» heißt die Schlagzeile zu einem sehr lesenswerten Eintrag, der so beginnt: «Angeblich waten wir Netzbewohner knietief durch den Info-Müll; alle Hypochonder tummeln sich jetzt im Netz, statt sich beim Arzt im Wartezimmer den Hintern platt zu sitzen; eine blanke Sklaverei ortet der Spiegel bei jenen Netz-Addicts, die es noch wagen, etwas anderes als Spiegel Online anzuklicken – kurzum: Es herrscht wieder mal High Noon im Dörflein unserer Kulturkritiker.» Der Rest findet sich hier.

Helge Städtler, Theta-Welle, reduziert die plakative «Internet-Doof»-Geschichte auf eine interessantere Frage: «Verändert das Internet unser Denken?» Und er antwortet auch gleich: «Ganz klares 'Ja'! Sonst hätte ich diesen Beitrag der hier steht nie geschrieben. Erfahren habe ich von dem Montag erscheinenden Spiegel-Titel 'Macht das Internet doof?' über twitter in dem tweet von Sascha Lobo. Wiedergefunden habe ich diesen Tweet mittels der Twittersuche (von der ich wiederum die Webadresse erstmal in meinem eigenen Blog suchen musste in meinem Quaero-Beitrag).»
Es folgen weitere Links auf Seiten und Feeds, die deutlich machen, wie Informationsverbreitung und -rezeption im Web funktionieren können.

Ähnlich fällt auch die Reaktion des Männerblog aus: «'Macht das Internet doof?'. Ganz schön clever, denn man erreicht den Kaufimpuls damit gleich bei drei Zielgruppen: Die einen, die generell der Meinung sind, dass das 'neumodische Zeug' verdummt (weil sie es selbst nicht beherrschen), die anderen, die sich sofort provoziert fühlen (weil sie sich schon einen Tick zu stark mit ihren Online-Aktivitäten identifizieren) und schließlich noch jene, die an einer gescheiten Diskussion zu dieser Frage interessiert sind.» Für den Männerblog-Autor Herbert steht am Ende jedenfalls fest: «Thema wäre eine Diskussion wert, ein paar dünne Anregungen gibt der Artikel auch her - mehr aber auch nicht.»

Die wirklichen Probleme, die das Internet so mit sich bringt, hat Syberia, Hackblog, erfasst und aufgeschrieben: «Mutter: Das Internetz geht nicht! Ich: Wie meinst du das? Mutter: Na, das Internetz geht nicht, nur das Microsoft funktioniert noch. Ich: Also die Compute ist an und funktioniert, aber du kommst nicht ins Internet? Mutter: Das sage ich doch die ganze Zeit! Gestern ging es noch! Habe ich da was kaputt gemacht? Ich: Du kannst das Internet gar nicht kaputt machen, keine Sorge… ist der Router… äh… blinkt das was?» Hier geht es weiter.


Anhang

Copyright & Urheberrecht: Der unter Bloggern bisher recht beliebte Videodienst Sevenload macht sich unbeliebt, indem er den so genannten UGC Principles beitritt und künftig stärker gegen Verstöße beim Copyright und Urheberrecht vorgehen will. +++ Olympische Sommerspiele: I am Jeriko verlinkt auf viele Bilder und meint: «Bei aller berechtigter Kritik an Olympia 2008, ich habe noch nie, wirklich nie, ein solches Spektakel mit einem solchen Feuerwerk gesehen. Das muss man den Chinesen ja lassen, solche Veranstaltungen inszenieren, das können sie.» dogfood, allesaussersport, fragt: «Was haben die Chinesen eigentlich für einen abartigen Wildwasserkanal gebaut? Sowas habe ich noch nie gesehen…». iPhone: Malcolm, Eyesaiditbefore, freut und ärgert sich zugleich über die «I am rich»-Anwendung für Apples iPhone. +++ Fische des Grauens; Markus Sorger, Tour-Blog, zeigt nach dem Besuch des «Multimar Wattforum in Tönning» u.a. einen Rochen des Grauens. +++

 
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