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Unsere Weblog-Kolumne: 

Was die Blogger von den Spielen erwarten

05. Aug 07:47
Bitte recht freundlich: Werbung für Olympia
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China, die olympischen Sommerspiele, «The Great Firewall of China», Leistungssport, tolle Bilder, ein Sack Reis und die Blogger. Außerdem: Schmutzige Gartentipps, saubere GEZ. Der Blogblick

Wie groß muss der Druck sein, damit so etwas passiert? Die Regel 49 des IOC besagt, dass Athleten jede journalistische Tätigkeit verboten ist. Sonst könnte ja jeder dahergelaufene Diskuswerfer seine Meinung sagen, womöglich auch noch über das IOC.

Heimlich und leise hat der Sportverband diese Regel nun geändert - nach der Ankündigung Chinas, auch ausländischen Journalisten den Zugriff aufs Internet nur eingeschränkt zur Verfügung zu stellen. Das IOC gestattet den Athleten in Peking nämlich erstmals, ein Weblog zu betreiben. Wie man hört, sollen in den Blogs auch Meinungsäußerungen von Sportlern zu Menschenrechtsfragen möglich sein. Was aber ist mit Meininungsäußerungen über das IOC, das dem Olympia-Gastgeber China derzeit so entschieden entgegentritt wie, sagen wir mal, ein Papiertaschentuch einem Sturm?

Wir werden sehen. Vielleicht findet ja der eine oder andere Sportlerblogger die richtigen Worte. Los geht es, wie Blogger Pierre Markuse berichtet, mit der «Eröffnungszeremonie am Freitag dem 08. August. Es sind die 29. Olympischen Spiele der Neuzeit. (...) Bis zu vier Milliarden Fernsehzuschauer werden für die Zeremonie erwartet. Eine gigantisch große Zahl. Hier in Deutschland wird bei der ARD ab 13.00 Uhr von der Eröffnungszeremonie berichtet. Es wird 302 Wettbewerbe in 28 Sportarten geben, an denen Athleten aus 205 Nationen teilnehmen werden.»

Ach, wäre es doch nur so einfach. Aber schon der Revierflaneur setzt der Welt der gern gehörten Fakten die der nicht ganz so gern gehörten Fakten entgegen: «Die Spiele in Peking werden nicht zum Eklat. Das Land der Mitte zeigt sich von seiner freundlichsten Seite, selbst die katastrophale Luftverschmutzung konnte immerhin so weit reduziert werden, dass den Marathonläufern kein Erstickungstod droht. Und sogar die Vollstreckung der Todesstrafe, in China für 68 verschiedene Delikte wie selbst Diebstahl und Steuerhinterziehung an der Tagesordnung, wird für die Dauer des Events ausgesetzt.»

Strickleiter hingegen befasst sich stärker mit dem Thema Zensur: «Wie China mit Journalisten umgeht, bekam vor einigen Tagen auch das Team des öffentlich-rechtlichen Morgenmagazins zu spüren, als es einen amerikanischen 'Mauer-Experten' auf der Chinesischen Mauer interviewte – die Chinesen brachen es vor laufenden Kameras ab. Begründung: Es gebe keinen amerikanischen Experten für die Mauer, weil es in den USA keine Große Mauer gebe.» Traurig, aber wahr: Nicht alles, was die Chinesen sagen, ist falsch.

Um einiges unpolitischer fällt vorerst Peer Junkers China-Bild aus. Bald wird er nach Peking ziehen, seine Frau ist schon dort und hat gerade eine SMS geschickt: «Habe grad' Feierabend und trinke ein Tsingtao auf Euch!» Tsingtao, so erklärt Junker flink, «wird von einer Brauerei aus Qingdao im Osten Chinas gebraut, wo übrigens die Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele ausgetragen werden. Sie ist heute die größte Brauerei der Volksrepublik China und die zehntgrößte Brauerei weltweit. Auch wenn man es nicht wirklich schmeckt, so hat das Bier deutsche Wurzeln, da die Brauerei 1903 von deutschen Siedlern gegründet wurde.» Ebenfalls unpolitisch, aber sehr unterhaltsam ist das busblog.athen-peking. Hier wird derzeit eine Busreise von ebendort nach ebenda dokumentiert - mit Text, vielen Fotos und einer interaktiven Karte.

Aber gut, die politische Bewertung des Ganzen lässt sich nicht ewig herausschieben. Dem Ostblog etwa ist eine Funktionärsäußerung unangenehm aufgefallen: «Es sei in jedem Land doch ganz normal, dass Internet-Seiten gespert würden, teilte in einem Interview im ARD-Weltspiegel am Sonntagabend der inzwischen in Peking weilende deutsche Chef de Mission der Olympia-Mannschaft mit. Schließlich seien in Deutschland ja auch Seiten mit Nazi-Propaganda nicht zu erreichen, sagte sinngemäß Michael Vesper. Und in China sind es eben Seiten von Amnesty International, BBC oder der Deutschen Welle, die von den Zensoren blockiert wurden.»

F!XMBR fasst eine hübsche Aktion des Chaos Computer Club zur Umgehung der «sog. Great Firewall of China» zusammen , verlinkt fleißig darauf und bietet auch Downloads an. Herr Schmidt, Blade City Blogger, weist darauf hin, dass «das Blog Issstäbchen aus meiner Blogrolle seit Kurzem nicht mehr aktualisiert wird. Mein Sidekick im Exil, Silent Bob, der bis dato (un-)regelmäßig über seine Erlebnisse in Fernost berichtet hat, hat keine Möglichkeit mehr auf sein Blog zuzugreifen. Aber selbst wenn er es noch könnte, würde er es aus Gründen der Vorsicht nicht machen. Zu groß ist die Angst, dass die chinesische Regierung ein paar Beamte vorbei schickt … Wir müssen nun alle zusammen 18 Tage ohne Updates auskommen und einfach hoffen, dass es ihm gut geht.»

Da geht es dem China-Blog zum Glück besser, auch wenn die Nachrichten nicht immer Gute sind, wie etwa am Montag, als es um die Anschläge ging, die «in China 16 Polizisten das Leben» kosteten. Ebenfalls nachrichtlich (und sehr seltsam) kommt auch ein Eintrag im Blog short-stacked daher. Rätselhaftes China, möchte man da sagen, mehr noch aber: rätselhafte Medien, die solches zu erzählen haben. Da freut man sich doch gleich umso mehr auf die Spiele.


Anhang

Horizonte: Nico Lumma, Lummaland, macht kurz vor seinem Sommerurlaub der Öffentlickeit jenseits Schleswig-Holsteins noch eine kleine Provinzposse bekannt. +++ Wir nennen es Garten: Das Stilhaeschen gibt schmutzige Gartentipps. Im Blog-Bistro wurde der «Rasen gemäht. Dabei gleich mit eigenem Schweiß bewässert. #Synergieeffekte.» +++ Herr Paulsen attestiert den deutschen Versicherungen ein Stromberg Syndrom. +++ Halber Livestream: Ednett, Schöne Töne, mag Manu Chao und Arte und erst recht die Verbindung von beidem. Aber: «Warum allerdings ein Internet Livestream mittendrin beendet werden muss, wissen wohl nur die Holzköppe meines Lieblingssenders.» +++ Rätselhafte Phänomene: Frl.deVille stellt fest: «Mir fehlen jeden morgen 10 Minuten.» Und fragt: «Wo sind die?» +++ GEZ: Sajonara diskutiert mit der GEZ über deren Rechtsverständnis.

 
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