Unsere Weblog-Kolumne: Suchmaschine Cuil: Heute schon gecoolt?29. Jul 2008 08:16  |  Sieht erstmal gut aus: Startseite von Cuil | Screenshot: nz |
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Eine neue Suchmaschine greift Google an. In einigen Weblogs bricht Freude aus, in anderen überwiegt der Ärger. Außerdem: Ein paar Blogger haben zu lang in den «Spiegel» gesehen. Der Blogblick
Sie durchforstet 120 Milliarden Webseiten, sammelt kaum
Nutzerdaten
und stellt sich ganz anders dar als Google: Die neue Suchmaschine
Cuil
- betrieben unter anderem von ehemaligen Google-Mitarbeitern - ist seit Sonntag online. Und seither wird sie von Bloggern begutachtet.
Zumindest dann, wenn man sie aufrufen kann. Das aber war zum Beispiel am Montag gar nicht so leicht. Wenn nur genügend Online-Medien über etwas Neues berichten - in diesem Fall Cuil - und genügend Online-Leser draufklicken, dann nimmt der News-Dienst von Google, also
Google News
, einige dieser Geschichten auf die eigene Seite. Weil diese eine beliebte Startseite ist, klicken noch viel mehr Leser drauf.Eigentlich könnten sich darüber alle freuen: die Leser, weil sie Beiträge zum Thema aus verschiedenen Online-Medien auswählen können; die Medien selbst, weil Google News ihnen viele Klicks bringt; und auch Google, weil es ohne eigenes Zutun ein hübsches Themenpaket vorzeigen kann; erst recht aber Cuil, weil ganz viele Leser ja auch selbst sehen wollen, worüber alle schreiben.
Leider war die neue Suchmaschine auf diesen Andrang nicht vorbeitet und die Seite lahmte über Stunden vor sich hin. Anders, kürzer gesagt: Wo andere Unternehmen Produkte der Konkurrenz durch Verschweigen bekämpfen, macht Google - vermutlich unfreiwillig, sind ja nur Maschinen - das Gegenteil: Je prominenter Cuil bei Google platziert ist, desto mehr User klicken drauf, desto weniger kommen die Cuil-Server hinterher. Zumindest kurzfristig war das am Montag so, mittlerweile ist der neue Dienst wieder gut zu erreichen.
Genug von dieser Art der Online-Medien, hin zu einer anderen: den Blogs.
Als einer der ersten hat Blogger Thomas Gatzweiler Cuil einem kurzen Test unterzogen. Er
schreibt:
«Eine Besonderheit an Cuil ist das Motto 'Cuil analyzes the Web, not its users', es werden keine Daten über den User gespeichert, lediglich ein Cookie existiert, welcher die Vorlieben des Nutzers enthält, dessen Daten aber nicht an Cuil-Server übertragen werden. Die Sucheregebnisse werden nicht Google-ähnlich ausgegeben, sondern mit einem Text und Bild im Spalten-Layout.» Aber auch ein wenig Enttäuschung macht sich breit: «Obwohl Cuil mehr indexierte Seiten als Google hat, ist mein Blog nicht zu finden…».
Sich selbst, bzw. das eigene Weblog zu finden, scheint bei einigen Bloggern der Hauptbestandteil des Cuil-Tests zu sein. Das jannWap-Blog etwa
prüft
erst Google («Mit den Suchbegriffen jannewap blog finde ich meine Seite bei Google wo sie hingehört - Jannewap ist auf Platz Nummer 1!») und dann Cuil: «Mit den Suchbegriffen: jannewap blog finde ich bei Cuil ebenfalls einige Pages - aber nicht meine - nicht einmal auf Seite 1 :-(». Fazit: «Also nix für mich. Für mich bleibt Google meine Standard Suchmaschine Nummer 1!»
Eine weitere Neuerung
erwähnt
Gallien.org: «Der Semantik wird sehr viel Wert zugemessen und versucht Relationen zwischen Begriffen herzustellen z.B. Zeitung Österreich würde auch versuchen eine Liste aller Tageszeitungen auszugeben und (wie Google es bereits tut) ähnliche Suchkombinationen anzubieten.»
Philipp Junger
beschreibt es anders:
«So gibt Cuil keine einfache Liste der Suchergebnisse aus, sondern stellt diese in Spalten dar. Ausgegeben werden dabei der TITLE-Tag, eine recht umfangreiche Vorschau des Seitentextes, die Domainadresse und ein Bild aus dem Kontext der gefundenen Seite.»
Seine Bewertung ist von Wohlwollen geprägt: «Die Gestaltung der Website und die Darstellung der Ergebnisse sind insgesamt sehr gelungen. Die Suchergebnisse liefern bislang nicht immer die erhofften Treffer und gerade in Deutschland sind einige Suchbegriffe noch nicht bekannt. Es wird sich zeigen wie sich das Angebot und die Qualität der Suchergebnisse entwickelt. Interessant ist das Konzept von Cuil auf jeden Fall und auch die Herausforderung von Google mag auch ein Schachzug sein, gleichzeitig auch eine Verpflichtung von Cuil gute Ergebnisse liefern zu wollen.»
Wo es um Suchmaschinen geht, sollen auch die Spezialisten zu Wort kommen. Im Blog der SEO-Spezialisten von Techdivision ist man aber erstmal
abgeschreckt:
«Entstanden ist Cuil, nach einem alten Irischen Begriff für 'Wissen'. Die Startseite allerdings ist einigermaßen erschreckend: Augenfreundlichkeit ist das eine, eine Benutzerführung das andere. Wer Cuil nicht kennt, wird auf den ersten Blick nicht erkennen, worum es hier geht. Dazu muss man erst die kleinen blauen Links verfolgen, und die Aussagen der Cuil-Macher studieren.» (Für alle die nicht wissen, was SEO bedeutet: Manche sagen, es sei eine Abkürzung für
Search Engine Optimization
, also Suchmaschinenoptimierung. Andere halten es für den modernsten Ausdruck von
Esoterik.
)
Jedenfalls folgen auf Techdivision ein kurzer Cuil-Test und die Auflistung einiger Vor- und Nachteile, dann kommt das
Fazit:
«Die ein oder andere Kinderkrankheit mag man ja bei einer neuen Anwendung noch tolerieren, aber bei Cuil stehen die vollmundigen Ankündigungen in keinem Verhältnis zu der dazu abgelieferten Leistung. Auch wenn meine Tests nur kleine Stichproben sind, werde ich sicher nicht auf Cuil umsteigen. Und ich bin überzeugt davon, dass Google definitiv keine Angst vor Cuil zu haben braucht.»
Robert Basic, Basic Thinking,
verschont
uns mit
einem
weiteren
Cuil-Test
und
macht sich
darüber hinausgehende Gedanken über Suchmaschinen, ihre Benutzer und die Frage, was beide mit dem Internet zu tun haben: «Dumm nur, dass man sogleich an Google gemessen wird, aber es ist nun einmal die No.1 und die Referenz. Dennoch, sollte es einem Anbieter gelingen (was bei Cuil nicht der Fall zu sein scheint), dass man auch nur annähernd an Googles Suchleistungen herankommt, gibt es quasi über Nacht einen neuen Player neben Google, Yahoo, MS und Ask.com. Ich bezweifle, dass dies vor 5 Jahren so möglich gewesen wäre.»
Kurz und knapp, aber auf den Punkt
bringt es
Johnny Haeusler, Spreeblick: «Cuil soll sich 'cool' aussprechen: Man kann jetzt also nicht nur googlen, sondern auch coolen.»
MEHR IM INTERNET: Kommentare der Woche |
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Anhang
Blick in den Spiegel: Der «Spiegel» und kurz darauf auch «Spiegel-Online» haben sich mal wieder ein wenig mit der deutschen Bloggerszene befasst. Sie sind dabei zu dem Ergebnis
gekommen,
den Bloggern fehle es «an Macht und Bedeutung, um die öffentliche Debatte mitzubestimmen. Die meisten sind unpolitisch und rechthaberisch, selbstbezogen und unprofessionell.» Wir hier von der «Netzeitung» haben das vor ein paar Monaten so oder ähnlich auch
behauptet.
Weitere Medien werden folgen. Es handelt sich dabei um ein von vielen Beteiligten liebgewonnes Spiel, sich gegenseitig Bedeutungslosigkeit vorzuwerfen. Manche sprechen auch von einem Zyklus. Zum Spiel bzw. Zyklus gehört, dass es funktioniert bzw. er nicht unterbrochen wird, solange die Blogger (oder zumindest ein paar von ihnen) darauf eingehen und den Medien im Gegenzug noch viel mehr vorwerfen.
Das
haben sie
auch
diesmal
getan.
Und so kann das Spiel - danke schön, bitte schön - weitergehen. +++ about:robots: Burkhard Schröder
empfiehlt:
«Wer Firefox 3.0 installiert hat, sollte einmal 'about:robots' in die Adresszeile eingeben - und sich überraschen lassen.» +++ Google zu Fuß: Der Schockwellenreiter hat gehört, dass Google jetzt auch Fußwege
beherrscht:
«Bei meinem Testweg vom Institut zum S-Bahnhof Lichterfelde-West kannte die Software allerdings den Hintereingang zur S-Bahn über die Knesebeckstraße nicht und schickte mich auf einen Umweg. Aber wenn man zwischen Auto und Fußweg hin- und herklickt, sieht man doch, daß der Routenplaner sich redlich bemüht.» Zum Schluss der Abschlussbericht, bzw. der
«zweite Abschlussbericht».
+++ Danke
zu sagen,
wenn auch hoffentlich nur vorerst, dafür aber in jeder Hinsicht, gilt es dann doch noch.
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