Unsere Weblog-Kolumne: Eine Milliarde Dollar, 4,3 Milliarden Seiten Papier08. Jul 2008 08:18  |  Großer Touble um kleine Filmchen: Youtube | Foto: dpa |
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Youtube muss die Daten seiner Nutzer der Filmindustrie geben. Droht eine riesige Abmahnwelle? Außerdem: Ein Netzmagazin hört auf, kommt nun eine digitale Abo-Zeitschrift? Der Blogblick.
«Eigentlich hatte ich ja nicht vor, dem Thema Datenschutz hier dermaßen viel Platz einzuräumen. Ich will nicht nur rumlamentieren. Schließlich gibt es andere, interessantere Aspekte der vernetzten Informationsgesellschaft.» Was Jan, sociosemantics,
schreibt, gilt
auch für den Blogblick. Aber, ach, es muss wohl sein.
Google muss die Daten aller Youtube-Nutzer an die Firma Viacom (Paramount, MTV, Comedy Central u. v. a.) weitergeben. Der Medienkonzern hatte das Videoportal vor einem US-Gericht wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt und
Recht bekommen.
Was vielen Nutzern nicht bekannt ist: Youtube sammelt nicht nur die Daten von Leuten, die die Youtube-Seite direkt besuchen. Gesammelt werden bereits die Daten jener Surfer, die nur ein Blog besuchen, auf dem Videos von Youtube eingebunden sind.
Bei manchen Bloggern macht sich Panik breit. Martin, mlogger,
vermutet,
«dass bald eine riesige Abmahnwelle über die Welt rollt. Oder seh ich das falsch?» Klare Frage, unklare Antwort: Wahrscheinlich könnte das falsch sein. Silencer, Non-Stop Action from a Different Perspective,
meint:
«Wenn man etwas tiefer gräbt kommt sehr schnell raus: das Geld steckt in diesem Fall in den Taschen von Youtube resp. Google. Es geht um eine Milliarde Dollar, die Viacom seit März 2007 wegen angeblicher Copyrightverstöße von Google einzuklagen versucht.»
Und weiter: «Viacom will nun die Daten der Nutzer auswerten um im Prozess zu beweisen, dass Material, welches gegen die Urheberrechte verstösst, auf Youtube beliebter ist als reiner user-generated-content.»
Viacom will also einfach Geld von Google/Youtube dafür, dass Google/Youtube seine Produktionen vermarktet. Dafür kann man durchaus Verständnis haben. Malte Welding: «Auf der anderen Seite macht Youtube natürlich Geld mit dem Wirken anderer. Und das ist etwas anderes als Lieder per Torrent zu saugen. Altmodisch gesprochen ist es eine Form der organisierten Kriminalität. Eine Form der organisierten Kriminalität wie sie Robin Hood betrieben hat. Ein Robin Hood, der den Reichen nimmt zum Wohle aller und
selber reich wird
damit.»
Andere ziehen
schon die Konsequenzen. Oliver Hallmann: «Mein Youtube-Konto habe ich erst mal gelöscht. Reicht ja, wenn die meine IP loggen. Meinen Benutzernamen brauche ich ja nicht noch extra dazutun.» Jörg Schumacher, Digitaltivi, geht noch
weiter:
«Schon die umfangreiche Datensammlung bei Google/YouTube ist für mich Grund genug, die Video-Seiten zu meiden und alle benutzten Videos zeitnah auf meinen Blogs zu entfernen.»
Solche persönlichen Entscheidungen muss jeder selbst treffen. (Eine weitere wäre, in Zukunft anonym
zu surfen.
)
Dass es aber mit individuellen Lösungen nicht getan sein kann, darauf machen andere Blogger aufmerksam. Malte Welding etwa
fordert
«verlässliche, international geltende Löschvorschriften für Daten».
Jan, Sociosemantics,
weist darauf hin,
dass das nicht genügen könnte: «Wo Daten existieren, werden diese früher oder später auch auf die eine oder andere Weise verwertet. Und zwar unabhängig von ursprünglichen Zweckbestimmungen, technischen Schutzmaßnahmen und rechtlichen Grenzen. Die sind nämlich ziemlich flexibel.»
Gelegentlich wird die Idee
geäußert,
Youtube solle seinem Prozessgegner die geforderten Daten einfach in analogisierter Form, also auf Papier überreichen. David Nelles, ethority-blog, rechnet: «Nehmen wir einmal an, dass eine voll beschriebene DIN A4 Seite ca. 3 KB an Daten beinhaltet. Wenn man diese 3 KB auf die Datenmenge von 12 Terabyte hochgerechnet, dann erhält man schließlich ein Seitengesamtvolumen von ca. 4.3 Milliarden Seiten bedrucktes Papier. Geht man nun davon aus, dass es sich um eine 60g/qm Qualität handelt, kommt man bei einem Einzelgewicht von 3,74 g pro Blatt auf ein Gesamtgewicht von fast 16.000 t.»
Und das ist immerhin das Tausendfache dessen, was in Berlin jeden Tag an Hundekot
produziert wird!
MEHR IM INTERNET: Kommentare der Woche |
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Anhang
Stuss: Urmila, Anders Deutsch,
schreibt über
«Die Geschichte meines Namens»: «Ich kann viel über die Geschichte meines Namens sagen. Aber nicht weil mich das je interessiert hat. Sondern weil ich mein Leben lang nach der Bedeutung meines Namens gefragt wurde. Mir gesagt wurde, wie interessant mein Name sei, viel interessanter als die deutschen Namen. Man bedauerte, dass ich die Bedeutung nicht kenne.» +++ Muss: Vigilien
lobt
Angelika Reitzers Roman «Taghelle Gegend»: «Inhaltlich ein Österreich, wie ich es auch wahrgenommen habe letztes Jahr; schläfrig und nicht ganz geheuer. Liebenswert, intakter als Deutschland, aber man will nicht zu nahe kommen, die Familie lauert dort und in ihr der Tod.» +++ Hölle: Benjamin Birkenhake, Anmut und Demut,
wirft einen Blick
in den ersten Kreis der Hölle. Der ist «gleich nebenan»! +++ Schluss Die Literaturseite «
mindestenshaltbar
» hört auf. Das
berichtet
Don Dahlmann, Irgendwas ist ja immer, der zuständige Redakteur: «Hier wurde mir vor einigen Tagen mitgeteilt, dass man die gesamte Seite nicht fortführen möchte. Finanziell vernachlässigbar, aber ärgerlich. Hier gibt es zwar noch Überlegungen, wie man die Seite am Leben erhalten kann, aber das ist eine andere Baustelle.» +++ Ringfahndung
fragt sich
aus diesem Anlass, «ob es nicht Zeit wird, ein Experiment zu wagen. Das Experiment für eine erste digitale Abo-Zeitschrift. Fünf Euro/Monat und abonnierten RSS-Feed.» +++
Für das Web ediert von
Bov Bjerg.
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