Unsere Weblog-Kolumne: Glasnost bei Google27. Mai 2008 07:10  |  Berlin, Alexanderplatz, auf 'Google Maps' | Screenshot: nz |
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Google weitet sein Betätigungsfeld mit neuen Anwendungen aus. Gleichzeitig verspricht das Unternehmen in einem Blog mehr Transparenz. Ob die Blogger das glauben? Außerdem: Nochmal Grand Theft Auto 4. Der Blogblick.
Immer mehr, immer weiter, immer wieder was Neues: Google ist schon längst allmächtig. Aber es reicht noch nicht. In den USA hat der Suchmaschinenbetreiber erstmals Yahoo bei der Anzahl der Suchanfragen überholt. Mit «Google Health» steht dort nun auch ein eigenes Angebot für Gesundheitsdaten bereit. Und «Street View», die umsrtittene Foto-Ergänzung für den hauseigenen Kartendienst «Maps», wird es bald auch in Deutschland geben - ebenso wie «Google News»-Einblendungen innerhalb von «Google Earth». Wann wird das Internet eigentlich in Google umbenannt?
Wo aber die Macht anwächst, da wächst auch der Widerstand - könnte man meinen. Aber ist das tatsächlich so? Einige Blicke in die deutschsprachigen Weblogs sollten Klarheit schaffen. Das geht schon los beim zu Google gehörenden Webmaster-Zentrale-Blog, das nach eigenen Angaben helfen will, ein wenig Licht ins Suchmaschinen-Dunkel
zu bringen:
«Die Details des Rankingalgorithmus sind in vieler Hinsicht Googles Kronjuwelen. Wir sind sehr stolz auf sie und hüten sie wie unseren Augapfel. (...) Jedoch ist es nicht ideal, vollkommene Unklarheit beizubehalten, und dieser Blog ist Teil eines wiederaufgenommenen Versuchs uns etwas mehr zu öffnen, als wir es in der Vergangenheit getan haben. Wir werden euch in Abständen über neue Entwicklungen berichten, alte Dinge erklären, Tipps geben, Neuigkeiten mitteilen und in Dialog treten.»
Eric Kubitz, Kubitz.net,
meint dazu:
«Google will wohl nicht mehr als der schweigende Riese dastehen, gibt sich menschlich und Udi Manber (Engineering VP bei Google und Autor des oben zitierten Blogeintrags, Anm. d. Red.) hat sich die schwierige Aufgabe vorgenommen, ein bisschen Glasnost in die Heimlichtuerei zu bringen.»
Mit Heimlichtuerei habe auch «Google Health» zu tun, ist indirekt im Blog Net Ideas
zu lesen:
«Google wäre nicht Google, wenn es nicht auch eine personalisierte Seite gäbe, die persönliche Informationen abfragt. 'Google Health' geht hier so weit wie bisher kein anderes Google-Produkt. 'Google Health' speichert Ihre persönlichen medizinischen Daten! Sie werden durch einen langen Fragenkatalog geführt und auch Dinge gefragt wie 'Nehmen Sie derzeit Drogen?' - 'Welche?' Google möchte Ihnen damit gezielt medizinische Themen präsentieren, die zu Ihrem Gesundheitszustand passen. Gesundheitsspezifische Werbung. Aber Google möchte noch mehr … die Informationen werden, wenn auch anonymisiert, weiter gegeben, um daraus Statistiken anzufertigen wie: 5 % der Nutzer haben ein Alkoholproblem etc.»
Das KFZ-Blog wiederum kommt nicht umhin, sich näher mit der Ankündigung
zu befassen,
dass «Street View» demnächst auch in Deutschland in «Google Maps» integriert wird. «Eine eigentlich schöne Sache, die Google da vorhat», befindet das Blog, weist darauf hin, dass die «Gesichter der dabei fotografierten Menschen als auch die Kennzeichen der Fahrzeuge unkenntlich gemacht werden» sollen - und schiebt dann ein ganz dickes «Aber» nach: «Was ist, wenn die Gesichter nicht unkenntlich gemacht werden? Was ist, wenn man KFZ-Kennzeichen doch erkennen kann? Was ist mit der Sicherheit in unserem Land, wenn so eine Überwachung stattfindet – zumindest als Momentaufnahme? (...) Deshalb ein klares NEIN zu 'Street View'!»
Ähnlich
argumentiert
Xiel.de: «Das Ganze wird bestimmt nochmal einen riesen Aufschrei in Deutschland geben und es könnte sogar Abmahnungen gegen Google regnen, weil sich manche Leute in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt sehen könnten, da ihr Foto ohne Zustimmung veröffentlicht wird. Gesichter und Tätigkeiten sind auf den Fotos nämlich recht gut erkennbar, da sie in hoher Auflösung verfügbar gemacht werden.»Zuletzt hatte, wie jüngst die Nachrichtenagentur AP meldete, ein Paar aus einem Vorort von Pittsburgh gegen die Verwendung von Fotos von seinem Haus in «Street View» geklagt. Dadurch sei die Privatsphäre verletzt und der Wert des Grundstücks gemindert worden. Die US-Amerikaner fordern 25.000 Dollar Schadenersatz. Google will den Streit grundsätzlich entschieden haben und beantragte, den Fall vor einem Bundesgericht zu verhandeln. Dennoch ist Google in den USA dazu übergegangen, Gesichter auf Bildern in Street View unkenntlich zu machen.
Einen interessanten Ansatz zum «Street View»
wählt das
Blog Out of Schildesche: «Verletzt Google mit dieser Aktion Urheberrechte von Graffiti-Sprayern? Rechtlich geregelt wird alles unter dem Begriff 'Panoramafreiheit'. (...) Allein schon ein Auto mit einer speziellen Lackierung oder Werbeaufschriften vor dem Haus in der Einfahrt stehen zu haben, würde genügen, um den Bezug zum Persönlichkeitsrecht herzustellen. Damit hätte man bereits hinreichend Identifizierungsmerkmale um ggf. rechtlich gesehen die Veröffentlichung des Fotos zu verhindern. Könnte eine bestimmte Anordnung von Gartenzwergen im Garten ebenfalls schon in diese Richtung gehen?»
Flier's Welt nähert sich dem Thema mit einem netten
Cartoon
, Johnny Haeusler, Spreeblick,
sieht sich
«Google Street View Crime?» an, das Software-Blog von Freeware
weiß, dass
Google nun sogar «das Softwareangebot um Programme erweitert, die es noch gar nicht gibt (...). So finden sich immer wieder Links zum Firefox 3.1 oder sogar 3.2 incl. Google Toolbar» und Reto Hartinger, Internet-Briefing.ch,
verrät zusammen mit
Lukas Stuber: «Was dir Google beim Buchen von Adwords-Kampagnen verschweigt».
In all die Warnhinweise über Google mag sich Dirk von Gehlen, Digitale Notizen, nicht einreihen. Gewohnt pragmatisch und lässig
weist er
einfach auf Neues hin: «Ab sofort kann man mit Google auch nach dem lokalen Kinoprogramm suchen. Und auch das Reisen will die Suchmaschine künftig einfacher machen. Wer 'München Berlin 16 Uhr' in das Suchfeld eingibt, erzielt auf der Ergebnisseite einen direkten Verweis auf die Bahnauskunft - mit kleinem Zugbild.» Ohne es explizit zu benennen, macht er damit ein weiteres Problem deutlich: Wo auch immer die Kritiker ansetzen, Google ist schon wieder einen Schritt weiter.
MEHR IM INTERNET: Kommentare der Woche |
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Anhang
Fernsehen & Internet I: Die ProSiebenSat.1 Media AG übernimmt 90 Prozent des sozialen Netzwerkes Lokalisten.de. Das Blog Netzwertig.com brachte die Meldung
zuerst.
+++ Fernsehen und Internet II: Sehr unterhaltsam
liest sich
der Live-Blogging-Beitrag «Tatorttalk: Todesstrafe (MDR) heute live» auf Die ständige Reise. +++ Neue Formate: Ein tolles Bildformat, das man gar nicht hoch genug loben kann, hat Exdirk dem Internet
geschenkt.
+++ Optimierung. Oder auch nicht: Der Z-Blogger befasst sich anschaulisch mit «SEO (Search Engine Optimization) und SMO (Social Media Optimization)» und dem Umkippen von SEO bzw. SMO in
Spam.
+++ Grand Theft Auto IV ...
wird
weiterhin
von Bloggern
besprochen.
+++ Schöne Klage:
Hui
- «Schön ist das Internet in seiner Leisigkeit, der Unendlichkeit seiner Räume und der Heimlichkeit jedes einzelnen seiner Punkte, von dem irgendwelche geheimen Si-gnale ausgehen.»
Für das Web ediert von Maik Söhler |