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Unsere Weblog-Kolumne: 

Wenn Obama zum Flaschenbier greift

20. Mai 2008 07:19
Bei Bloggern nur mäßig beliebt: Barack Obama
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Ist Barack Obama nun der Kandidat der Demokraten? Blogger deuten die Vorwahlen - ein großes Thema. Kleines Thema: In Berlin brennt's. Zeigt sich da der Onlinejournalismus der Zukunft? Der Blogblick.

Barack Obama verliert die Vorwahlen in West-Virginia, dennoch scheint er nun als Kandidat der Demokraten festzustehen. Was bedeutet das für die Aussichten seiner Partei? Warum hat Clinton verloren? Oder ist es doch ein Patt? Wer soll das aufheben? Blogger zerbrechen sich die Köpfe.

Christopher Kern, Britannia, wagt eine Prognose: «... genau an dieser Stelle könnte die Entscheidung der Demokraten für Barack Obama für diese fatal sein. Clinton und McCain stehen sich politisch erheblich näher als Clinton und Obama, so dass ein nicht unwesentlicher Anteil potenzieller Clinton-Wähler iher Kreuz am 4. November bei John McCain machen wird.»

Auch Gordian Ezazi, rigardi, hält Hillary Clinton für die bessere Kandidatin. Sie sei letztlich gestolpert «über die Hybris ihres Beraterstabes, über die mit dem rassistischen Ressentiment spielenden Tiraden ihres Gatten und die Medien, die eine Art Messias-Kult um Obama zu inszenieren wussten, der seines gleichen suchte. (...) Clinton wäre die bessere Kandidatin gewesen, die John McCain hätte schlagen können. Für Obama fangen die schweren Zeiten erst an.» Der Name des Weblogs rigardi kommt übrigens aus dem Esperanto: «rigardi, Verb: (an)sehen, beobachten.»

Florian Heinhold, Pennsylvania Ave, fragt sich, wer die Rolle des Königsmachers übernehmen könnte. Und da «blicken die politischen Beobachter in den USA vor allem mit Spannung auf Al Gore. Da Bill Clinton in dieser Wahl kein ganz unparteiischer Beobachter ist und Jimmy Carter sich mit seinen Besuchen bei der Hamas nicht gerade viele Freunde in den USA gemacht hat, kommt Gore die Rolle des einzigen wirklich einflußreichen Elder Statesman der Partei zu.»

Ein berufsmäßiger Beobachter des politischen Geschehens in den USA ist Martin Kilian, Der Amerikanist. Der Korrespondent des Schweizer «Tages-Anzeigers» fasst in einem launigen Posting Obamas Dilemma zusammen: «Die weissen Arbeiter und Bauern und Rednecks im armen West Virginia konnten nichts mit einem anfangen, der nicht einmal zu kegeln weiss.» Allein, der Senator wisse sich zu helfen. Nicht nur das Kugelschubsen übe der Präsident in spe. «Ausserdem lernt er Bier zu trinken – aus der Flasche! Und kein Edelbier ('Premium') zischt der Mann fortan, sondern Budweiser.»

Kilians Kollege in Washington war bis vor wenigen Jahren Konstantin Klein, bluelectric.org. Der deutsche Altblogger arbeitete für die Deutsche Welle. Das tut er heute noch, nun allerdings in Berlin: «Es war Tagesschauzeit und eigentlich kurz vor Feierabend, als ich aus dem Fenster meines Büros blickte und nebenstehendes sah: eine dicke schwarze Rauchwolke über - so sah es zumindest aus Blickrichtung Wedding aus - der Mitte/Ost der Stadt.»

Kinra, kinra blog: « Einige rätselten über die ursachen und manch einer dachte zunächst sogar, der brand sei in der neuen multifunktionsarena 'o2 world' ausgebrochen und hätte so einen teil des neoliberalen plans einer 'media-spree' versenkt.» Konstantin Klein: « Meine erste öffentliche Reaktion danach: eine kurze Nachricht im Twitter.»

Etorsten, Berlin, Germany: « Auf Twitter gab es allerdings bereits wenige Minuten nach Beginn des Brandes die ersten Reaktionen und auch via Twitpic die ersten Bilder zu sehen. Einmal mehr zeigen die User bei Twitter, dass sie schneller als traditionelle Medien reagieren können...» Jochen Hoff twittert: «Dieser Brand ist nicht wirklich relevant, aber ist euch klar, dass so der Onlinejournalismus der Zukunft aussehen wird? Jeder zeigt es.»

Konstantin Klein kontert lakonisch: «Aha. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht genau weiß, ob der Autor das jetzt positiv oder negativ meint: Wieso eigentlich 'der Zukunft?'» Stimmungsvollen Bürgeronlinefotojournalismus gibt es bei run71, pro25.de: «Nun schaut Euch doch mal die Keuzberger an wie die grillen können.» Und bei Achim Bodwewig, Plattenbaublog: «Viel Rauch um … ja, um was eigentlich?» Und bei Liz, Liz's blogging: «Inferno-Ästhetik».

Konstantin Klein resümiert: «Ist doch eigentlich alles so gelaufen, wie man es sich wünschen kann. Der Amateurjournalist, als den ich mich hier durchaus ansehe, da ich mir selbst nicht den Auftrag erteilen mochte, die Geschichte eines Brandes noch am Abend näher zu recherchieren, sorgt für die frühen Bilder und die Information zumindest eines begrenzten Leserkreises. Die Profis übernehmen dann die Knochenarbeit, das Ereignis so zu covern, wie es das verdient hat.»


Anhang
Jura: micro_robert, elektrosmog, befasst sich mit einem bizarren Gesetzesvorhaben im Urheberrecht: Die so genannte Panoramafreiheit soll eingeschränkt werden. Die erlaubt bisher zum Beispiel «Fotografen, Fotografien von Häusern, Denkmälern oder Kunstwerken im öffentlichen Raum ohne Erlaubnis und Vergütung anzufertigen und zu veröffentlichen.» micro_robert : «Am Ende der Entwicklung muss man dann bei Aufnahmen der Fußgängerzone die schriftliche Genehmigung auf Ablichtung jedes einzelnen Passanten einholen. Journalisten und professionelle Fotografen wurden von der Bundestags-Enquêtekommission natürlich nicht zu den Plänen befragt. Warum auch? Wir sind ja deutsche Politiker.» Eine ausführliche Diskussion schließt sich in den Kommentaren an. +++ Philologie: Christiane Zintzen, Inadaequat , analysiert die Reaktion des Feuilletons auf «Neid», Elfriede Jelineks «Privatroman». Das Misstrauen des Buchmarkts und seiner Zuarbeiter gegen alles, was im Netz zu lesen ist, bringt sie auf den Punkt: «Was nicht 'über die Budel' ver- und handelbar ist, wird Objekt eines mit dem Ruch des Illegitimen behafteten Online-Voyeurismus. Wo die Texte grenzenlos verfügbar sind, untersteht auch deren Lektüre keinem hergebrachten Komment und Reglement: Schon dieses Moment des Ausufernden und Unkontrollierbaren macht den Bild-Schirm-Text verdächtig. Dem Philologen und Kritiker, gewohnt an den gedruckt unverrückbaren Text-Korpus, muss die diskrete Wandelbarkeit eines E-Textes geradezu frivol anmuten.» +++ Neues aus der Ur- und Frühgeschichte: sven k., daily ivy : «Als mir vor Jahren zum ersten Mal vom 'Phänomen Weblog' erzählt und eines gezeigt wurde, da hielt ich dieses eine Blog qua eines Missverständnisses für alle Blogs und fand es seltsam, dass das ein Phänomen sein sollte.»

Für das Web ediert von Bov Bjerg.

 
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