myNZ - LoginProbeabo  |  Guided Tour  |  Login  
E-Mail an die Redaktion Internet

Zur Übersicht Biene-AwardZur Titelseite
Zur Übersicht INTERNET



 Titelseite
 Deutschland
 Ausland
 Wirtschaft
 Vermischtes
 Sport
 Entertainment
 Kultur
 Wissenschaft
 Auto & Technik
 Arbeit & Beruf
 Medien
 Wetter
 Reise


 NZ-Services
 · Executive Jobs
 · Podcast
 · RSS-Feed
 · Vorlagen/    Downloads
 · News per SMS
 · Leser Top 10
 · 24 Stunden
 · Stellenmarkt
 · Suche
 · Archiv
 weitere Services


 Verlagsbeilagen
 · Elitepartner
 » Verlagsbeilagen 


 Über uns
 Bilderschau
 NZ-Audio
 Stellenangebote
 Leserbriefe
 Mediadaten

«Barrierefreiheit ist die Grundidee des Internet»
01. Nov 2006 11:28

Verleihung des goldenen BIENE-Awards 2005 für das Landesportal Baden-Württemberg
Bild vergrößern
Foto: BIENE
Barrierefreiheit im Internet ist eigentlich kein Behindertenthema, meint Rupert Platz, Gewinner der Goldenen BIENE 2005. Die Netzeitung sprach mit dem Multimedia- Experten über Web-Barrieren, Mentalitätsprobleme und das neue Web2.0.
 
Bereits zum dritten Mal schreiben die Aktion Mensch und die Stiftung Digitale Chancen dieses Jahr den Biene Award aus. Die Auszeichnung geht an die besten deutschsprachigen Webangebote in den Kategorien E-Business, E-Government, Kultur und Gesellschaft, Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie Medien, die barrierefrei sind, also etwa auch von Menschen mit Behinderungen bedient und gelesen werden können.

Die Buchstaben BIENE stehen dabei für «Barrierefreies Internet eröffnet neue Einsichten». In diesem Jahr stehen mit 376 Teilnehmern 15 Prozent mehr Bewerber als im Vorjahr im Wettbewerb um die Auszeichnung. Die Initiatoren wollen den Preis Anfang Dezember in Berlin vergeben.

Die Netzeitung sprach mit Rupert Platz, Konzepter der Berliner Multimedia-Agentur Aperto, die im vergangenen Jahr für das Landesportal Baden-Württemberg den Goldenen BIENE-Award erhielt.

Netzeitung: Herr Platz, woran erkennt man eine barrierefreie Website?

Rupert Platz: Eigentlich an gar nichts, denn sie funktioniert ja. Was man als Internetnutzer bemerkt, sind vielmehr die Seiten mit Barrieren, die man aus irgendeinem Grund nicht vernünftig benutzen kann.

Netzeitung: Zum Beispiel?

Platz: Wenn man sich etwa erst einmal das aktuellste Flash-Plugin herunterladen muss, um sich eine Seite anzusehen. Oder: Man hat einen neuen Browser installiert, und auf einmal funktioniert das Online-Banking nicht mehr. Die Schrift ist so winzig, dass man Augenschmerzen bekommt. Beim Drucken wird der Text am rechten Rand abgeschnitten. Der Online-Busfahrplan lässt sich unterwegs im Handy-Browser nicht benutzen. Es gibt unzählige kleine und große Stolpersteine, auf die man beim Surfen stößt.

Netzeitung: Das sind Dinge, die eigentlich jedem im Internet passieren können – geht es nicht eigentlich vor allem um surfende Behinderte?

Platz: Barrierefreiheit ist eigentlich kein Behindertenthema. Es geht um einen grundsätzlichen Anspruch: Dass Inhalte und Funktionen in jedem Kontext und auf jedem Gerät problemlos zugänglich sind. Behinderte sind nur eine Gruppe von vielen, die auf Web-Barrieren stoßen – allerdings auch eine besonders kleine und hilfsbedürftige. Daher hat sich der Gesetzgeber auf sie bezogen, als er 2002 alle staatlichen Websites auf Bundesebene zur Barrierefreiheit verpflichtet hat.

Goldene Biene -Gewinner Rupert Platz
Bild vergrößern
Foto: Aperto
Der Begriff «Barrierefreiheit» ist da auch missverständlich, man assoziiert das ja gleich mit Rücksichtnahme gegenüber Minderheiten, mit einer Art virtuellen Rollstuhlrampe am Seiteneingang, und genau darum geht es eben nicht. Das englische Wort «Accessibility» trifft es deutlich besser: Erreichbarkeit, freier Zugang zu Informationen. Und das ist ja eigentlich auch die Grundidee des Internet.

Netzeitung: Aber barrierefreie Seiten haben doch ein typisches behindertengerechtes Design?

Platz: Nein – im Grunde kann jede noch so eigenwillig gestaltete Website barrierefrei sein, wenn beim Programmieren Inhalts- und Design-Elemente nur klar genug voneinander getrennt wurden. Die Website kann dann nämlich mit ihrem Inhalt auch in einer anderen, weiteren Form erscheinen, auf einem kleinen Handy-Bildschirm etwa. Oder der Inhalt der Seite wird von einer Computerstimme vorgelesen – zum Beispiel einem Blinden, oder aber auch einem Autofahrer.

Netzeitung: Ist das nicht sehr aufwändig zu programmieren?

Platz: Im Grunde nicht. Erstens kostet es nicht wesentlich mehr Zeit, eine barrierefreie Website zu erstellen, wenn man weiß, wie es geht. Zweitens spart man durch die Trennung von Inhalt und Design sogar eine Menge Arbeit: Wer seine Internet-Inhalte in einem anderen Kontext darstellen will, muss nur noch die Präsentationsform – also das Aussehen – erneuern, statt alles noch einmal neu zu programmieren.

Zum Beispiel wenn die Inhalte auf der Website eines Partnerunternehmens in dessen Design erscheinen sollen, oder auch wenn nach ein paar Jahren eine optische Rundumerneuerung für die eigene Website ansteht.

Netzeitung: Also läuft es letztendlich auf eine Kosten-Nutzen- Rechnung der Website-Besitzer hinaus?

Platz: Wer man eine professionelle Internet-Seite betreibt, ist das vor allem eine Frage der Reichweite: Kann ich es mir leisten, auf einen Teil meiner Besucher zu verzichten? Auf Menschen mit Sehschwäche, mit fehlenden Plugins, seltenen Computern, Browsern und Betriebssystemen, Handys und Palms, auf Menschen in Unternehmens-Netzwerken mit Firewall und Javascript-Verbot ... Jeder Nutzer, der meine Website aus solchen Gründen nur schlecht oder gar nicht verwenden kann, kostet mich Geld – weil ich ihn als möglichen Kunden verliere, oder auch weil er mangels Information im Internet bei mir im Büro anruft.

Es gibt noch ein paar gute Argumente mehr: Man spart Geld für den Betrieb, weil barrierefreie Seiten schlank sind und geringeren Datentransfer beim Abruf durch die Benutzer verursachen. Und die Seiten werden von Google und Co. besser gefunden, weil sie den Inhalt besser und schneller erfassen und nach Suchbegriffen durchforsten können.

Netzeitung: Wenn das so ist, müssten doch alle Websites längst barrierefrei sein?

Platz: Eigentlich schon, tatsächlich dürfte der Anteil an barrierefreien Websites in Deutschland aber noch deutlich unter der fünf Prozent- Marke liegen. Gründe gibt es viele dafür. Ich denke, dass die Macher und Betreiber von Websites hier gerade einen Mentalitätswandel vollziehen, und so etwas geht auch im Internet nicht immer so schnell, wie es wünschenswert wäre.

Um Killer-Websites zu bauen war es lange Zeit notwendig zu tricksen und schmutzigen Code zu schreiben. Diese Denken herrscht bei der Produktion von Websites heute häufig immer noch vor - obwohl man mit XHTML und CSS heute schöne, webstandardskonforme und barrierefreie Website bauen kann.

Mehr in der Netzeitung:
Webdesigner müssen sich auch an die Vorstellung gewöhnen, dass ihr Entwurf nur einen von etlichen denkbaren visuellen Zuständen der Site darstellt. Was passiert, wenn jemand die Schrift um das doppelte vergrößert? Wie sieht die Seite auf einem alten 800x600-PC-Bildschirm und einem extrabreiten TV-Monitor aus? Kann man die Links gut vom Text unterscheiden, wenn der Monitor bloß zweifarbig ist? All das muss bedacht werden, und man gibt ein Stück weit die Kontrolle über das Aussehen «seiner» Seite auf.

Mit dieser Flexibilität müssen die Betreiber von Websites dannn auch leben können und die Website muss für diese Art der flexiblen Nutzung gerüstet sein.

Netzeitung: Ist es nur ein Mentalitätsproblem? Gibt es gar keine echten Nachteile?

Platz: Nun ja, man macht als Internet-Agentur eigentlich ein schlechtes Geschäft, weil barrierefreie Seiten nachhaltig laufen und man nicht immer wieder gegen Geld etwas nachprogrammieren darf – zum Beispiel weil inzwischen ein neuer Browser auf den Markt gekommen ist.

Aber im Ernst, ein Nachteil fällt mir ein: Für Online-Redakteure bedeutet Barrierefreiheit oft, zusätzlich Abkürzungen und Begriffe aus fremden Sprachen als solche auszeichnen zu müssen, damit solche Inhalte von Vorleseprogrammen korrekt ausgesprochen werden können. Moderne Redaktionssysteme können einem da aber auch schon viel Arbeit abnehmen.

Netzeitung: Was ist denn mit all den neuen Web2.0-Services wie Google Maps, Netvibes oder Flickr, ist so etwas barrierefrei?

Platz: Kommt darauf an. Die typische Web2.0- Technologie AJAX, die zum Beispiel dafür sorgt, dass man einen Text auf einer Internet-Seite einfach so überschreiben kann, oder Suchergebnisse sofort beim Eingeben angezeigt bekommt, ist eigentlich das Gegenteil von barrierefrei. Viele Browser können damit überhaupt nicht umgehen. Wer Javascript in seinem Browser deaktiviert hat, sieht zum Beispiel auf der neuen live.com-Suche von Microsoft überhaupt nichts.

Aber hier greift das Prinzip des «Progressive Enhancement»: Programmiere eine Website zunächst so, dass alles, was essentiell ist, barrierefrei funktioniert, dann kannst du ruhig Extras hinzufügen, die vielleicht nicht bei jedem funktionieren. Amazon USA haben etwa eine großartige AJAX-basierte Suchmaschine für Diamanten, die aber auch ohne AJAX funktioniert. Nicht ganz so bequem und schnell – aber es geht.

Netzeitung: Welche Barriere ist am schwierigsten zu überwinden?

Platz: Das Endgerät an sich ist ja eigentlich immer noch das größte Problem: Wozu Internetseiten barrierefrei machen, wenn Millionen Menschen erst gar keinen Zugang zu einem Internet-Computer haben? Da sehen wir aber gerade eine sehr spannende Perspektive beim Thema gesprochene Sprache.

Vorlese- und Texterkennungssoftware sind in den letzten Jahren deutlich besser geworden, so dass man heute eine Website auch über ein Telefon benutzen kann – man steuert die Menüs mit Sprachbefehlen und lässt sich die Inhalte vorlesen. Damit hat man sogar die Barriere «Computerzugang» überwunden, denn an ein ganz normales Telefon kommt ja wirklich jeder.

Mit Rupert Platz sprach Julia Niemann




WEITERE NACHRICHTEN IM WEB SUCHEN:

 


bwin Jetzt 10 EUR Wettbonus kassieren!


 

« Weitere Nachrichten zum BIENE-AWARD
Drucken
Artikel versenden
Meistgelesen
Aktuell bei Golem.de
Readers Edition


NZ-Suche
 


Anzeige

zum Seitenanfang


Titelseite | Deutschland | Ausland | Wirtschaft | Vermischtes | Sport | Entertainment | Internet
Feuilleton |  Wissenschaft | Auto & Technik | Arbeit & Beruf | Medien | Wetter | Reise | Spezial | Suche
Podcast | RSS-Feed | NZ-Mobil | Die letzten 24h | Desktop-Schlagzeilen | Newsletter
Leserbriefe | Leser Top 10 | Über uns
 

Chefredakteure: Michael Angele und Matthias Ehlert  |  Impressum  |  Mitarbeiter  |  Kontakt  |  Mediadaten  |  Audio-News
 
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2007 NZ Netzeitung GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.