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Projekt «Podknast»: 

Jugendradio aus der Gefängniszelle

25. Apr 2008 17:19
Podcasts als Warnung: Vor dem Unfugmachen erstmal im Internet zuhören
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Die Zellentür knallt zu, dann beginnen sie zu erzählen: Erstmals berichten jugendliche Straftäter per Podcast aus dem Gefängnis. Das nordrhein-westfälische Projekt soll potenzielle Straftäter abschrecken.

«Ich sitze hier wegen gefährlicher Körperverletzung. Gefallen tut's mir zwar nicht, aber man hat viel Zeit zum Nachdenken.» Marco (20) hat seine Zeit im Düsseldorfer Jugendarrest genutzt, um der Welt draußen via Internet einen Einblick in die Welt hinter Gittern zu verschaffen. «Podknast.de», der erste Podcast aus dem Knast, ist seit Freitag online - ein Novum im deutschen Strafvollzug. Junge Gefangene berichten aus ihrer Zeit in der Zelle. Die im Internet jederzeit abrufbaren Hördateien sind als Warnung an gefährdete Jugendliche draußen gedacht.

Aber die Produktion der Beiträge soll auch die Gefangenen selbst zum Nachdenken anregen. Gefördert wird der erste «Knast-Podcast» vom nordrhein-westfälischen Justizministerium und der Landesmedienanstalt. Nach dem Düsseldorfer Jugendarresthaus haben bereits eine Reihe weiterer Jugendgefängnisse Interesse an «www.podknast.de» bekundet. «Die Jungs sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist», sagt Edwin Pütz, Leiter der Anstalt und Jugendrichter.

«Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil», heißt es vor jedem Beitrag, dann knallt eine Zellentür und die jungen Straftäter beginnen zu erzählen - roh, ungeschminkt und weitgehend ungeschnitten. «Es gibt keine Denkverbote, nur Beleidigungen sind tabu», berichten die Macher von «Podknast.de». Die Namen der Gefangenen sind aus rechtlichen Gründen geändert, denn sie müssen damit rechnen, dass ihre Knastbeichten noch in Jahren im Internet zu finden sind.

«Die Podcasts machen dort weiter, wo das Gerichtsfernsehen aufhört», sagt NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU). «Die authentischen Ton-Zeugnisse sollen eine Zielgruppe ansprechen, die wir mit herkömmlichen Mitteln nicht erreichen.» Marco hat seine eigene Zielgruppe: seine jüngeren Brüder. «Ich fühle mich zur Zeit sehr schlecht», gesteht er. Der einstige Schrecken der Straße ist sehr kleinlaut geworden: «Ich habe nie gedacht, dass mir die Familie so fehlen würde. Da muss man auch schon mal weinen.»

«Man kann hier keine Partys feiern»

Die mehrere Minuten langen Hördateien vermitteln trostlose Realität und die Gedankenwelt der Straftäter - manchmal naiv, manchmal unlogisch, aber sehr authentisch. Mike berichtet: «Man kann hier keine Partys feiern. Ist schon scheiße. Ich werde meine Auflagen jedenfalls erfüllen und will hier nicht noch mal vier Wochen rein. Das ist hier nicht so einfach mit «auf der linken Arschbacke absitzen» und so.» Aber die Jugendlichen erzählen auch, dass sie im Arrest angefangen haben zu lesen und Gedichte zu schreiben. Anstaltsleiter Pütz hat die Jugendlichen ausgewählt und gefragt, ob sie mitmachen: «Es hat keiner abgelehnt.»

Klar ist aber auch, dass die Beiträge abschrecken sollen. Unbelehrbare Kriminelle, die sich ihrer Taten rühmen, werden nicht ins Netz gelassen. Auch ein Chat mit den Gefangenen ist nicht möglich, ein Forum für Kommentare fehlt ebenso. «Das ist noch nicht Web 2.0», räumt Macher und Medien-Anwalt Marc Quandel ein, der Podknast.de betreut. «Aber das ist ja auch noch ausbaufähig.» (Von Frank Christianse, dpa)



 
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