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Radikaler Strategiewechsel: 

Microsoft testet «Live Mesh»

23. Apr 2008 15:24
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Der Softwarekonzern will mit einem neuen Internetdienst Anwendern jederzeit und überall Zugriff auf ihre Daten ermöglichen. Branchenkenner sehen hinter dem Angebot einen radikalen Strategiewechsel.

Mit dem neuen Internet-Service «Live Mesh» leitet der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft unter dem Druck wachsender Konkurrenz eine Wende seiner Firmenphilosophie ein. Über den Service, der am Donnerstag in San Francisco offiziell vorgestellt werden soll, können Nutzer künftig ihre Daten im Netz speichern und Software und Datenbestände auf dem PC sowie ihren verschiedenen mobilen Geräten synchronisieren.

Alle Geräte sollen zusammenarbeiten, Daten und Software von allen Geräten aus verfügbar sein, erklärte Microsoft-Manager Amit Mital. Am Dienstag startete ein Testlauf mit zunächst 10.000 Nutzern. Noch vor einem Jahr hatte Unternehmensgründer Bill Gates nach wie vor den PC zum Zentrum für das digitale Zuhause und die digitale Büroarbeit erklärt. Nun aber wird auch bei Microsoft das Internet zum Zentrum des Geschehens – eben mit «Live Mesh». Als «Mesh» wird im Englischen ein feinmaschiges Netz bezeichnet.

Erstmals in der Geschichte des Unternehmens stellte Ray Ozzie als Leiter der Software-Abteilung und Mitnachfolger von Gates die Grundthese des Windows-Herstellers auf den Kopf. In einem von der US-Tageszeitung «New York Times» zitierten Brief an die Mitarbeiter erklärte Ozzie das Internet statt des PC zum Mittelpunkt der Firmenphilosophie.

Der Anwender soll über «Live Mesh» mit jedem einzelnen seiner digitalen Geräte auf die Inhalte von jedem anderen seiner Geräte zugreifen können. So könnten im Netz Programme, Fotos, Musik, Videos sowie weitere digitale Daten von überall, zu jeder Zeit und von jedem zugelassenen Gerät aus abgerufen und genutzt werden.

Cloud-Computing

«Das ist ein sehr wichtiges öffentliches Statement», sagte Mark Stahlmann, Analyst bei der Marktforschung Gartner, der «New York Times». Microsoft erkläre damit, dass der Kampf um das sogenannte Cloud-Computing ausgefochten wird. Als Cloud, englisch für Wolke, bezeichnet die Branche Anwendungen und Dienste, die aus dem Internet laufen.

In diesem Geschäftsfeld sieht sich der Software-Gigant zunehmend starker Konkurrenz etwa durch Software-Anbieter wie Salesforce.com gegenüber, die Software-Anwendungen über das Web anbieten. Auch Google setzt den Konzern mit seinen Office-Web-Anwendungen GoogleApps unter Druck. AOL bietet mit seinem Dienst Xdrive etwas Ähnliches an.

«Das ist nicht mehr ein Kampf um die Internet-Suche oder um das Betriebssystem», sagt Stahlmann. «Diese Kämpfe sind ausgefochten und schon gewonnen. Der (aktuelle) Kampf ist einer, der noch völlig offen ist.» Der Zugang zu «Live Mesh» soll über Microsofts Webangebot «Windows Live» erfolgen. Über Kosten, technische Details und Sicherheitsvorkehrungen machte Microsoft bislang keine Angaben. (nz/dpa)


 
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