Schulschwänzer und Spielkonsolen:
Sie wollen doch nur spielen
17. Apr 2008 15:41
 |  Schüler bilden am Pausenhof das @-Zeichen | Foto: dpa |
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Deutschlands Innenminister wollen gegen Schulschwänzer vorgehen. Ein Vorschlag lautet, bis nachmittags die Spielkonsolen in Kaufhäusern abzuschalten.
Maik Söhler fordert härtere Maßnahmen. Oder andere.
Die Innenminister des Bundes und der Bundesländer wollen härter gegen Schulschwänzer vorgehen. Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) forderte am Mittwoch zentrale Register und einen besseren Datenaustausch zwischen den Behörden zur Bekämpfung des Schulschwänzens.
Einen interessanteren Vorschlag machte Hamburgs Innensenator Udo Nagel: Vor drei Uhr nachmittags sollen Spielkonsolen in Kaufhäusern ausgeschaltet bleiben; das sei per Gesetz zu regeln. Damit würde einer der Anreize fürs Schule schwänzen gesenkt. Ergänzend fügte er hinzu: «Nicht jeder Schulschwänzer wird kriminell, aber alle Kriminellen haben irgendwann einmal die Schule geschwänzt.»Nun ja. Vorschlagen kann man alles. Aber wenn selbst der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) das geplante Verbot während der Schulzeit kritisiert («Dieser Eingriff scheint mir unverhältnismäßig» - «Berliner Zeitung» vom Donnerstag), dann scheint daraus wohl nicht mehr viel zu werden. Das ist schade, denn ein Konsolenverbot hätte einen guten Auftakt für eine ganze Reihe weiterer Gesetze bilden können.
Was man alles abschalten könnte
Nur einen Teil der Jugendlichen treibt es ja während der Schulzeit vor die Konsolen von Kaufhäusern und Elektronikfachmärkten. Es sind entweder die, die sich eine eigene Konsole nicht leisten können, oder jene, die schon eine haben, aber nach neuen Spielen suchen.
Schon jetzt sind viele Kaufhäuser von sich aus dazu übergegangen, ihre Konsolen erst nach der Mittagszeit einzuschalten, damit dort nicht immer dieses Gedrängel von Kids entsteht, die am Ende dann doch nichts kaufen. Und wo sie doch eingeschaltet sind, kommt nach spätestens einer halben Stunde ein Verkäufer vorbei und vertreibt die Jugendlichen.Was genau machen die dann? Wechseln sie vom Karstadt übergangslos zum nächsten Media-Markt, wo sie dann nach 20 Minuten auch wieder rausgeschmissen werden? Nein, wer eine (mobile) Konsole hat, geht irgenwohin, wo er sie anschmeißen kann. Und wer keine hat, geht einfach zu jemandem, der eine hat und spielt mit.
Handys und Laptops
Seien wir ehrlich: Es geht doch gar nicht nur um Konsolen. Man kann am Handy spielen, am PC oder am Laptop. Und Jugendliche ohne eigenes Handy sind ungefähr so häufig wie Innenminister, die nichts verbieten wollen. Aber gut: Es könnte ja Kids geben, die kein Handy haben. Um in der Logik von Hamburgs Innensenator Udo Nagel zu bleiben, müssten in diesem Fall auch die zum Verkauf angebotenen Handys in Kaufhäusern und Fachgeschäften bis 15 Uhr abgeschaltet bleiben.
 |  Nintendo DS Lite | Foto: Nintendo |
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Wer sich in eine hübsche Online-Spielewelt einloggen will, dem reicht der heimische PC oder Laptop. Und wo die Eltern streng darüber wachen, ist der Weg ins nächste Internet-Café zumindest in Städten nicht weit. Auch in vielen Schulen steht übrigens der eine oder andere internetfähige Rechner herum.
Was tun?
Das macht die Situation um einiges komplizierter. Und doch ist den verbotsfreudigen Innenministern zu helfen. Alles, was irgendwie geeignet ist, um Jugendliche von den Konsolen fernzuhalten und in die Schulen zu treiben, gehört bis 15 Uhr gesetzlich abgeschaltet. Nein: bis 17 Uhr, schließlich müssen ja auch noch Hausaufgaben gemacht werden.
Weil das aber nicht im Einzelfall zu überwachen, sondern nur über eine generelle Regelung zu gewährleisten ist, werden alle Strom- und Funknetze zentral vom - sagen wir - Bundesinnenministerium erst um Punkt 17 Uhr eingeschaltet. Das ist die einzige sichere Methode: ohne Strom weder Konsole noch Computer, ohne Funknetz kein Handy.
Volle Schulen
Wären die Schulen dann wieder voll? Wohl kaum. Schulschwänzer gibt es, seit es Schulen gibt. Als ich in den frühen achtziger Jahren kleine Teile des achten und große Teile des neunten und zehnten Schuljahres geschwänzt habe, beschrieb der Bergiff «Konsole» noch ein Merkmal der Außenarchitektur. Statt mit dem Handy telefonierte man zuhause mit riesigen Geräten. Und Computer kannte man nur aus dem Informatik-Unterricht in der Schule, bzw. man kannte sie nicht, weil man ja schwänzte.Anders gesagt: Wer schwänzen will, der wird das auch tun - mit oder ohne Elektronik-Schnickschnack und -Spielchen. Im Sommer findet sich schnell ein lauschiges Plätzchen an einem See oder im Freibad; im Winter haben genügend Cafés geöffnet.
 |  Playstation Portable | Foto: AP |
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Man könnte die Schulen dennoch wieder voll bekommen. Indem man sie attraktiver macht, attraktiver in jeder Hinsicht, aber auch im Sinne von «spielerischer». Man könnte sogar - wenn es wirklich einen Zusammenhang von Spielkonsolen und Schulschwänzerei gibt (und um auch mal was Konstruktives zur Diskussion beizutragen) - die Konsolen in den Unterricht integrieren. So mancher Logiktrainer ist durchaus für die Mathematik geeignet, so manches Autorennspiel für die Physik, Sprachlernprogramme für Konsolen sind keine Seltenheit und Entwicklungsspiele bieten oft Geschichte zum Anklicken.Kurz: An geeigneten Spielen und Spielkonsolen mangelt es nicht. Und an geeigneten Spielern erst recht nicht - gerade in der Schule.