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Spam-Experiment von McAfee: 

Vollgemüllt, ausgespäht und heiß umworben

16. Apr 2008 16:05, ergänzt 16:09
Startseite des Spam-Experiments
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Anfang April hat die IT-Firma McAfee ein seltsames Experiment gestartet: 50 Computernutzer schalten einen Monat lang alle Schutzvorkehrungen ihres PCs aus und gehen auf Spam-Angebote ein. Wie ist es ihnen bisher ergangen?

Seit dem 1. April läuft nun das so genannte S.P.A.M. Experiment des IT-Sicherheitsunternehmens McAfee. Es wurde gestartet, um die Auswirkungen von unerwünschten Werbe-Mails zu testen.

S.P.A.M. ist die Abkürzung für «Spammed Persistently All Month» (übersetzt etwa: «Einen kompletten Monat lang zugemüllt»); 50 Freiwillige aus zehn Ländern schalten in diesem Rahmen 30 Tage lang alle Sicherheitseinstellungen ihres PCs ab, gehen gezielt auf Spam-Angebote in ihren E-Mail-Accounts ein und surfen bewusst riskante Seiten im Internet an.

Über ihre Erlebnisse berichten sie in speziell zu diesem Zweck eingerichteten Weblogs. Untersucht werden soll dabei, ob bestellte Produkte ankommen sind, ob die Mailadresse an weitere Spammer weitergegeben wird oder ob der Computer mit Schadsoftware infiziert wird. Aus den Ländern Großbritannien, USA, Frankreich, Spanien, Deutschland, Italien, Niederlande, Australien, Brasilien und Mexiko wurden jeweils fünf Freiwillige zur Mitarbeit gewonnen.

Bis Ende April wird das Experiment noch fortgeführt. Nun ist Halbzeit. Zeit für ein Zwischenfazit. Fangen wir doch einfach bei den deutschsprachigen Freiwilligen an.

Philipp

Die fünf deutschsprachigen Freiwilligen haben in den ersten 15 Tagen sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Da ist etwa Philipp, der «leicht zähneknirschend» festellen muss, «dass seit gestern auch wieder nur fünf Spams gekommen sind. Obwohl ich die ganze Zeit auf Gewinnspielseiten und Foren unterwegs bin. Neuerdings sogar in einem koreanischen Flirtchat.»

Nicht einmal die Anmeldung auf einer Pornoseite habe ihm etwas gebracht, bekennt er. Großes Spam-Potenzial steckt seiner Ansicht nach bislang nur «in der virtuellen Finanzwelt».

Stefanie

Ganz anders dagegen ist es Stefanie ergangen: «In aller Kürze: Die Anzahl amerikanischer Spam-Mails erhöht sich drastisch. Zu Krediten sind nun auch Komparsen-Anfragen hinzugekommen. Ich darf Geld verdienen, indem ich mit Tom Cruise und Jessica Alba rumhänge. Großartig.» Als nächstes will sie sich gezielt auf «bedrohlichen Olympiade-Seiten» herumtreiben, schreibt sie in ihrem Eintrag an Tag 14.

Zuvor aufgefallen sind ihr in der eigenen Inbox vor allem «Kredite jeglicher Fasson, Anzahlungen für mein Haus, Autos zum Schnäppchenpreis - und immer auf die gleich Tour». Auf ihre erste Nigeria-Connection-Mail musste sie aber 13 Tage warten.

Andreas

Andreas kann nach 13 Tagen erst folgendes Ergebnis aufweisen: «Spam: 12; Pishing: 2». Das ist zu wenig, meint er und macht sich daran sein «Alter Ego ein bisschen aufzuwerten. Was macht sich da besser als ein Doktortitel oder sogar ein Adelstitel? Beides ist im weltweiten Datennetz zur Genüge vorhanden (…).

Also habe ich mal ein paar 'seriöse' 50 Euro-Anbieter für kirchliche Doktortitel angeschrieben, um mich über die Vor und Nachteile eines solchen Titels aufklären zu lassen. Bisher kam aber leider von niemandem eine Antwort. (…) So, und morgen wird der virtuelle Schulabschluss in Angriff genommen! Abitur wollt ich schon immer mal haben!»

Agnieszka

Agnieszka gibt ihrem Blogeintrag an Tag 13 die Schlagzeile «Spam Baba und die 40 Gadgets» und entschuldigt sich auch gleich dafür: «Ja - ich weiß… wer allerdings soeben seine 1001ste Mail in seiner Inbox 'begrüßen' durfte, dem seien Überschriften dieser Art bitte nachzusehen. Ich, Agnieszka 'Spamherezade' aus Bayern, kann jetzt also auch locker nächtelang Geschichten erzählen - wie besipielsweise solche:

– Wie sich tausende heißhungrige Singles aus meiner Umgebung alle nur für mich interessierten
– So gewann ich spektakulär eine amerikanische Aufenthaltserlaubnis via Internet
– Wie ich überraschend im CIA-Ausbildungslager auf Stefanie traf
– Wie ich auf wundersame Weise bei einer Audi A5-Verlosung plötzlich eine Nilkreuzfahrt geschenkt bekam
– So verlor ich 30 Kilo in 10 Tagen durch 'GrüneTee-Pastillen'
– usw. usw… Und Spam Baba sprach 'Inbox - öffne Dich!' und als sie offen ward, schimmerte es nur so vor lauter Gold(card-offerten)… Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spammen sie noch heute…».

Dominik

Dominik meldet an Tag 14: «SPAM > 300». Da hat sich der Aufwand doch gelohnt, den er an Tag 10 betrieben hat: «Dabei habe ich hauptsächlich dubios wirkende Seiten angesurft, die man mit folgenden Inhalten verbinden kann: Sex, Viagra, Penisenlargement und all die anderen Sachen, die nie jemand googeln würde.

Angesurft heißt dabei, dass ich mich entweder angemeldet habe, nur um mich direkt danach wieder abzumelden oder über das Kontakt-Formular Anfragen gestellt habe. Durch das An- und Abmelden verhindere ich legitime Newsletter zu bekommen. Alles was die netten Anbieter mir in den nächsten Tagen schicken ist definitiv SPAM.»

USA

Andere Länder, andere Erfahrungen. Wie sieht es zum Beispiel in den USA aus? William zum Beispiel hat gleich am ersten Tag auf einigen von der Projektleitung vorgeschlagenen Seiten seine E-Mail-Addresse hinterlassen. Der gewünschte Effekt stellte sich so nach und nach ein. Der tägliche Input stieg von 200 über 400 «und nun auf über 700 empfangene Spams pro Tag».

Karen fühlt sich «glücklich, stolz und geliebt» – von «hunderten Webmastern», die ihr u.a. kostenlose oder sehr günstige Flüge, Hotels, Abendessen, CDs und DVDs, Kreditkarten, Hypotheken oder Anleihen, Jobs in aller Welt oder einfach nur Mittelchen zur Gewichtsverringerung anbieten.

Katya wiederum kommt schon nach zehn Tagen auf knapp 600 Spam-Mails, die schönste von ihnen trägt den Titel «Your Own Waterfront Home in Uruguay for Only $32,000», wie sie vergnügt berichtet.

Frankreich

Elizbeth, die seit 13 Tagen verdächtige Seiten absurft, macht plötzlich eine seltsame Entdeckung: Als sie sich auf einer Webpage registrieren will, steht ihre E-Mail-Adresse schon im dafür vorgesehenen Formular – ohne dass sie sie selbst eingegeben hätte. Das findet sie «bizarr».

Steven bringt es schon am 9. April auf 80 bis 100 Spam-Mails pro Tag. Er glaubt, das liege an seiner Vorliebe für US- und «angloamerikanische» Seiten. Andere wie Matthieu bekommen dagegen kaum Post und sind einfach nur enttäuscht. «Was kann ich tun, um endlich die Aufmerksamkeit unserer Spammer-Freunde zu erlangen?», fragt er, kündigt aber an sich nicht entmutigen zu lassen und sein Glück zu suchen, indem er auf Humor-Seiten seine Mailadresse hinterlässt.

In allen Ländern fallen die Erfahrungen mit dem Spam-Experiment unterschiedlich aus. Die große Katastrophe ist bisher ausgeblieben. Aber es sind ja auch noch knapp zwei Wochen Zeit bis zum Ende des Experiments. Die Freiwilligen bleiben dran. Und wir auch.



 
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