World Cyber Games:
Olympische Spiele des E-Sports gehen an China
10. Apr 2008 14:43
 |  Abpfiff: Die Computerspieler wollen nicht nach China | Foto: AP |
|
Mit dieser Entscheidung sind die Computerspieler überhaupt nicht einverstanden: 2009 steigen die World Cyber Games in China, trotz der derzeitigen Proteste von London bis San Francisco.
Ungeachtet der Proteste gegen Chinas Menschenrechtspolitik und der häufigen Störungen des Olympischen Fackellaufs hat das WCG-Komitee die World Cyber Games 2009 erstmals an China vergeben. Die World Cyber Games gelten aufgrund der Höhe der Preisgelder und der Teilnehmerzahl als die Olympischen Spiele des elektronischen Sports. Austragungsort in diesem Jahr ist Köln, danach wird die Fackel an Chengdu in China weitergereicht. In zahlreichen Computerspielforen wird die Entscheidung kritisiert.
Chengdu ist die Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Sichuan und gilt als Wirtschaftszentrum des aufstrebenden Spielemarktes in China. Die Zehn-Millionen-Metropole fördert Spieler und bildet Computerspiel-Schiedsrichter aus. Zur Provinz Sichuan gehörten bis 1955 Teile der Nachbarprovinz Tibet.
Chinesische Delegation griff 2007 Taiwaner an
In vielen Computerspiel-Foren wird Kritik geübt. Die Kommentatoren erinnern an die World Cyber Games vom letzten Jahr in der US-Stadt Seattle, als ein drittplatzierter Taiwaner von Mitgliedern der chinesischen Delegation attackiert, beleidigt und mit Müll beworfen wurde. Viele Kommentatoren sind der Meinung, dass die chinesische Delegation für dieses Vergehen eigentlich von den World Cyber Games ausgeschlossen gehörte.
 |  Völkerverständigung ist eines der Ziele der WCG | Foto: AP |
|
Überzeugen konnte Chengdu das Vergabekomitee aufgrund der guten Infrastruktur und der Marketingstrategie. Entscheidend dürften aber auch die Nähe zur Wirtschaft und die politische Unterstützung, die die Bewerbung von der Stadtspitze erfuhr, gewesen sein. Der Bürgermeister der Stadt, Ge Honglin, freute sich, das «größte und berühmteste E-Sport-Festival der Welt veranstalten zu dürfen.»
Das Ziel der Spiele ist nach offiziellen Angaben, Menschen aus der ganzen Welt im olympischen Geist des sportlichen Wettkampfes, der Freundschaft und des Fairplay zu versammeln. Der Slogan «Beyond the Game» steht laut Veranstalter für die Hoffnung auf friedliche Begegnungen der Vertreter verschiedener Kulturen und den grundsätzlichen Respekt aller Teilnehmer füreinander.
«Money talks, human rights walk»
«Zwar vertrete ich die Ansicht, dass Politik und Sport zu trennen sind, doch wenn ein Land wie China sie direkt und mit negativer Konnotation in die Spiele hineinträgt, ist es schlichtweg unverantwortlich einer solchen Nation den Zuschlag für die Ausrichtung zu erteilen», schreibt User «Kobolx» auf Gamestar.de. «E-Sport-Spieler und ihre Organisationen sollten auch die aktuellen Menschenrechtsverletzungen beachten», meint ein anderer. Die Spieler-Community schlägt vor, die World Cyber Games nur noch in gänzlich unverdächtigen Staaten auszutragen. «Damit sich die Spieler auf das wesentliche konzentrieren können, anstatt im Drumherum unterzugehen.»
Hoffnung haben die Spieler jedoch wenig. «Solange genug Geld fließt, wird alles in China stattfinden, egal ob da bald wieder die Panzer rollen», schreibt einer bei Gamona.de. Die Nutzer kritiseren, dass China mit dem Erhalt der World Cyber Games nun eine weitere Gelegenheit erhalte sich im besten Lichte darzustellen. Mit «Money talks, human rights walk», umschreibt einer treffend die Problematik. Gesponsort werden die Spiele von Elektronikkonzernen wie Samsung, Microsoft, Philips und Hewlett-Packard, für die China ein attraktiver Markt ist.In diesem Jahr finden die World Cyber Games erstmals in Deutschland statt. Rund 800 Spieler aus 80 Ländern treffen vom 5. bis 9. November in Köln aufeinander. Es werden Preisgelder in Höhe von mehr als 500.000 US-Dollar vergeben.
Im ewigen Medaillenspiegel der World Cyber Games liegt Deutschland hinter Korea auf Rang 2. Vor fünf Jahren wurde Deutschland Weltmeister. Der aktuelle «Fifa 2007»-Weltmeister kommt aus Deutschland, ebenso der «Need for Speed»-Europameister.
Für das Web ediert von Daniel Baumann