07.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
British Telecom durchleuchtet ihre Kunden
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Um einen Virus, wie das Unternehmen zunächst behauptet hatte, handelte es sich nicht. Der Internetanbieter British Telecom hat heimlich tausende Kunden ausgespäht. Mit einer Petition wollen die Briten verhindern, dass das wieder vorkommt.
Der Telefon- und Internetanbieter British Telecom sorgt in Großbritannien für Ärger. Am Wochenende gestand das Unternehmen, tausende Internetkunden ausspioniert zu haben. Mit einer Spezialsoftware wurden aufgerufene Webseiten und E-Mails durchleuchtet, um Interessensprofile der Nutzer zu erstellen. Die so gewonnenen Daten sollten zu Werbezwecken genutzt werden. Datenschützer bezeichneten das Vorgehen als illegal.
British Telecom testete nach eigenen Angaben einen Prototypen des Werbesystems Webwise der britischen Firma Phorm, mit dem Werbung auf die Interessen der Nutzer zugeschnitten werden soll. Insgesamt seien in dem Testlauf in den Jahren 2006 und 2007 rund 36.000 zufällig ausgewählte Kunden ausgeleuchtet worden, teilte das Unternehmen mit. Zweck sei lediglich eine «Evaluation der Systemperformance» gewesen. Man habe es versäumt, die Kunden über das Vorgehen zu informieren, redete sich das Unternehmen heraus.
Kunden deckten Ausspähung aufSo lag es an den Nutzern, die Überwachung selber aufzudecken. Diese kam ans Tageslicht, weil Kunden plötzlich Probleme mit ihren Computern hatten, einige versierte Nutzer fanden Beweise für die Überwachung. In einer ersten Reaktion wies British Telecom jede Verantwortung von sich und teilte mit, dass es sich um ein Computervirus handeln müsse.
Nun wiegelt das Unternehmen ab. Die Kunden brauchten nicht um ihre Privatsphäre fürchten, teilte British Telecom mit. Es seien zwar Nutzerprofile angelegt worden, die Identifizierung der Nutzer sei aber nicht möglich. Ein Kunde kündigte an, trotzdem vor Gericht ziehen zu wollen.
Über 10.000 Briten lancieren PetitionAuf der Webseite des britischen Premierministers haben inzwischen über 10.000 Briten eine Petition unterzeichnet, mit der die Regierung aufgefordert wird, die Phorm-Software zu untersuchen und die Datenschutzgesetze zu verstärken. Eine Reaktion des Premierministers steht noch aus.
Britische Datenschützer kritisieren den Missbrauch von Nutzerdaten vehement. «Das Abfangen von Informationen ohne das Wissen der Nutzer ist illegal» sagte Nicholas Bohm von der Stiftung Information Policy Research. Sein Kollege Richard Clayton hat bereits eine Analyse der Phorm-Software vorgelegt. Derzufolge werden zur Datenspionage gefälschte Cookies und die Umleitung des Webverkehrs über Drittserver eingesetzt.
Auch in den USA wird eifrig analysiertInternational testen derzeit mehrere Firmen solche Werbesysteme. In den USA wurden so über 100.000 Kunden ausspioniert, wie die Tageszeitung «Washington Post» berichtete. Die Provider betonten, dass bei der Tiefenanalyse keine Daten erhoben würden, die zu einer Identifizierung der Nutzer führten. Vorwürfe, sie verstießen gegen das Datenschutzgesetz, wiesen sie zurück.
Auch British Telecom will die Spionage fortsetzen. Im Mai sollen 10.000 Kunden für einen weiteren Test durchleuchtet werden, dann aber will das Unternehmen vorher die Erlaubnis der Testsubjekte einholen. (nz)