Aktion des Chaos Computer Clubs:
Hacker veröffentlichen Fingerabdruck Schäubles
29. Mrz 2008 16:51, ergänzt 30. Mrz 2008 13:08
 |  Fingerabruck-Scan: Sind Sie's, Herr Schäuble? | Foto: AP |
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Die Hacker des CCC begehen einen «enormen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht« des Innenministers. Das sagen sie selbst – und legen ihrem Clubmagazin ein besonderes Gimmick bei.
Der Chaos Computer Club (CCC) hat einen Fingerabdruck von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble veröffentlicht. Deutschlands größter Hacker-Verein will so die Speicherung von Fingerabdrücken in elektronischen Reisepässen und Personalausweisen anprangern, wie CCC-Sprecher Frank Rosengart sagte. Er bestätigte damit einen Bericht von «Focus-Online».
Veröffentlicht sei der Fingerabdruck des CDU-Politikers in der aktuellen Ausgabe des Mitgliedermagazins «Datenschleuder», so Rosengart. Auf der letzten Seite der «Datenschleuder» haben die Hacker demnach ein «biometrisches Sammelalbum» abgedruckt, in dem auch der Fingerabdruck des CDU-Politikers enthalten ist. Das Heft sei am Wochenende bereits per Post unterwegs.
Rechtlich wenig gesicherte Zone
Rosengart versicherte, der Abdruck sei echt. Ein Sympathisant des CCC sei auf einer öffentlichen Veranstaltung an ein Glas gelangt, aus dem der Minister getrunken habe. Er räumte ein, die Aktion stelle auch aus Sicht des CCC einen «enormen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht Schäubles« dar, der sich in einer rechtlich wenig gesicherten Zone bewege.
Der Club wolle aber eine Diskussion darüber anstoßen, in wieweit die Erfassung, Verwendung und Veröffentlichung von Fingerabdrücken zulässig sein soll.
Werde selbst zum Innenminister
Als so genannten «Gimmick» legte der CCC nach eigenen Angaben ein Negativ von Schäuble Fingerabdruck bei. Damit könne man sich ohne großen Aufwand selbst eine Folie basteln.
Wer solche Folien auf die eigene Fingerkuppe klebe, könne sich an Fingerabdruck-Scannern als eine andere Person ausgeben, sagte Rosengart. Dieses Verfahren habe der CCC bereits erfolgreich getestet. Wenn das wirklich funktioniert, wäre es nicht verwunderlich, wenn Beamte bald Flugpassagiere in einem ersten Impuls mit «Chef» anreden.
Ernster Hintergrund für die Aktion
«Wir wollen die Frage aufwerfen, ob ein Fingerabdruck überhaupt noch das richtige Sicherheitsmerkmal ist, denn jedermann hinterlässt täglich hunderte davon», erläuterte der CCC-Sprecher. In der «Datenschleuder» veröffentlichen die Hacker dem Bericht zufolge auch eine Wunschliste von mehreren Personen, deren Fingerabdrücke sie gerne aufnehmen würden. Mit auf der Liste finden sich Schäubles Amtsvorgänger Otto Schily (SPD), der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) und BKA-Präsident Jörg Ziercke.
Aufruf zur Komplettierung des Sammelalbums
Neben diesem Wunschzettel publiziert der CCC auch eine Anleitung, wie man Gläser mit den gewünschten Fingerabdrücken unbeschadet an die «Datenschleuder»-Redaktion schicken kann. Das Bundesinnenministerium war am Samstag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. (AP)