Fehlerhaftes Windows-Update:
Microsoft? Hasta la Vista!
27. Mrz 2008 12:22
 |  Derzeit arm dran: Computer mit Windows Vista | Foto: AP |
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Ein Update, das die Schwächen von Windows Vista beheben sollte, fügt dem umstrittenen Betriebssystem neue Fehler hinzu. Vista entwickelt sich für Microsoft zum Alptraum. Gut so, findet
Maik Söhler.
«Vista muss sterben!» und «Rettet Windows XP!» So schallt es derzeit aus dem Internet. Seit Ostern geht das schon so. Besonders laut sind die Stimmen aus den USA zu vernehmen. Aber auch viele Europäer und Asiaten können und wollen sich nicht länger zurückhalten. Und jeden Tag kommen neue Schreie der Verzweiflung hinzu.
Was ist geschehen? Nun – das kann man auf zwei verschiedene Arten erzählen. Einmal in der Kurzfassung: Microsofts jüngstes Betriebssystem Windows Vista funktioniert über ein Jahr nach der Markteinführung immer noch nicht fehlerfrei.Einmal in der Langfassung: Um all die Fehler zu beheben, die Vista seit seinem Start mit sich herumschleppt – hoher Speicherverbrauch, mangelnde Sicherheit, Grafikprobleme, miserable Audio-Funktionen –, gab Microsoft jüngst das sogenannte Service Pack 1 (SP 1) heraus. Es war bereits vor Ewigkeiten angekündigt worden und weil man so lange darauf warten musste, galt es selbst bei einigen Branchenkennern wohl als aufwändiges und gut vorbereitetes Upgrade-Paket.
Nichts geht mehr
Was lange währt, wird endlich gut? Von wegen. Anstatt die Vista-Mängel zu beseitigen, schuf das SP 1 neue. Wie viele und welch gravierende es sind, wird sofort deutlich, wenn man dieser Tage mal zwei, drei Technik-Foren oder -Weblogs absurft. Da ist von Treiberproblemen nach der Installation des SP 1 die Rede oder davon, dass externe Sicherheitssoftware nun gar nicht mehr funktioniert. Aber das sind bei genauerem Hinsehen nur Randaspekte.Tausende User berichten von deutlich verminderter Rechnerleistung, hunderte von Systemabstürzen und ähnlich viele vom Alptraum jedes Windows-Benutzers: dem Bluescreen. Da geht dann gar nichts mehr, und selbst der versierteste PC-Bastler kann schon mal eine Nachtschicht einplanen.
Auch diese Passage kann man kürzer erzählen: Erstmals in seiner Geschichte bietet Microsoft in den USA seit Anfang der Woche eine kostenlose Telefon-Hotline an – und zwar für jeden Vista-Benutzer. Bisher hat sich Microsoft den sogenannten Telefon-Support sehr gut bezahlen lassen, außer von den Abnehmern der teuersten Vista-Varianten. Diesen Service nun kostenlos anzubieten, zeigt, wie groß die Probleme sein müssen.
Fehler im System
Schon warnen die ersten IT-Abteilungen US-amerikanischer Universitäten vor dem Update und manchmal sogar vor Vista selbst. Auch das ist für Microsoft problematisch, denn auf solche Stimmen hören die Verantwortlichen in Unternehmen eher als auf die der einfachen User. Und Unternehmen sind nunmal eine wichtige Zielgruppe, um Vista in nennenswertem Umfang verkaufen zu können. Der normale User bekommt Vista in der Regel beim Kauf eines neuen PCs automatisch – ob er will oder nicht.
Ist Vista noch zu helfen? Sicher. Microsoft stehen genügend Mitarbeiter mit genügend Sachverstand zur Verfügung, um die meisten der Fehler zu beseitigen. Warum sie das bisher nicht getan haben, bleibt ihr Geheimnis. Sollten sie es auch in Zukunft nicht tun, so könnte aus dem Geheimnis eine Gewissheit werden: Man kann es nicht. Dann wäre Vista wirklich nicht mehr zu helfen.Oder aber man will es nicht, weil man mit einem anderen, besseren Betriebssystem schon viel weiter ist. Jeder unzufriedene Vista-Kunde kann ja trotzdem ein potenzieller Käufer des nächsten Betriebssystems (nennen wir es mal Windows 7) sein. Microsoft-User sind beharrlich und systemkonservativ (ich weiß, wovon ich spreche). Und: Wer unzufrieden ist, hat einen höheren Kaufanreiz als derjenige, der mit seiner Software zufrieden ist.
Es gibt kein Zurück
Hier nun kommt Windows XP ins Spiel. Die derzeitige Kampagne zur Rettung dieses Betriebssystems sagt sehr viel über die Benutzerzufriedenheit und einiges über die schlechten Verkaufszahlen von Vista aus. In diesem Sinne ist die «Rettet XP»-Kampagne nur konsequent.
Doch ein Zurück gibt es in der Welt der IT nur selten. Zum Glück. Warum auch sollte man weiter mit einer im Jahr 2001 entwickelten Software arbeiten, wenn neuere und bessere Systeme längst zur Verfügung stehen? Das aber bedeutet, die vertraute und von Microsoft behütete Welt einmal zu verlassen, die selbstverschuldete Unmündigkeit zu beenden oder sich zumindest nach Alternativen umzusehen.Davor mag mancher Angst haben. Aber wieso eigentlich? Für Vista-Nutzer kann es doch nur noch aufwärts gehen.