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Wähler-Mobilisierung im Internet: 

Weblogs werden in Europa unterschätzt

27. Mrz 2008 12:57
Merkel schließt sich mit einem Videopodcast dem Trend an
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Deutsche Politiker bevorzugen eher Plakatwände als das Internet. Doch im Kampf um politische Mehrheiten sollte das Potenzial von Weblogs nicht verkannt werden.

Einst als eigenwillige Exoten belächelt, könnten Blogger im Internet in einigen Jahren auch in Europa beim Kampf um politische Mehrheiten mitmischen. Die debattierfreudige Szene könnte - ausgehend von den USA - bei wichtigen Wahlen auf diesseits des Atlantiks künftig Einfluss nehmen, wie Experten vermuten. Während manche Politiker die digitale Meinungsmacht noch nicht sehr hoch einschätzen, zeichnen Werbeprofis ein anderes Bild.

«Es ist möglich, dass wir in den USA schon 2012 solch einen Effekt feststellen», meint Igor Schwarzmann. Der Internet-Stratege bei der Düsseldorfer Kommunikationsagentur Pleon erwartet, dass am Internet interessierte Menschen bald auch hierzulande den politischen Schlagabtausch maßgeblich beeinflussen. «Mund-Propaganda und Spenden-Akquise über das Web werden immer wichtiger. Das ist Marketing wie aus dem Bilderbuch.» Mit geringen Kosten und vergleichsweise wenig organisatorischem Aufwand ließen sich potenzielle Wähler besser erreichen, eine zusätzliche «Ressource», die manch ein Kandidat bisher sträflich ignoriert habe.

Wahlkampf über «Facebook» und «Studi.vz»

Auch die Wähler-Mobilisierung über interaktive soziale Netzwerke wie die vor allem bei Jüngeren beliebten Internet-Portale «Facebook» oder «StudiVZ» könne demnächst zu einer Überlebensfrage für die Kandidaten werden. «In Amerika dürfte es den Demokraten damit im aktuellen Wahlkampf gelingen, hunderttausende Jungwähler zu gewinnen. Bei uns ist diese Tendenz noch nicht so weit fortgeschritten», meint Schwarzmann. Unumstritten ist, dass Blogs nur einen Bruchteil der Wahlberechtigten erreichen.

Diese Diagnose gilt auf jeden Fall für die Internet-Auftritte zwischen Nordsee und Alpen. «Deutsche Politiker lieben noch eher Plakatwände», schrieb die «Zeit» nach der jüngsten Hamburger Bürgerschaftswahl. Wegen der garantierten Wahlkampf-Finanzierung über die Parteiapparate seien deutsche Parteien nicht so sehr darauf angewiesen, im Internet um Spender zu buhlen.

Bisher erreichen die Blogs nur einen Bruchteil der Wähler

Anders in den USA: Dort gehört das gezielte Einwerben von Spenden über das World Wide Web seit langem zu den etablierten Strategien der politischen Öffentlichkeitsarbeit. So gaben die digitalen Unterstützer des ehemaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ron Paul an, allein im vergangenen Oktober rund 4,2 Millionen US- Dollar an einem einzigen Tag im Internet eingetrieben zu haben. Nach Angaben der Paul-Anhänger war dies sogar «die höchste jemals erzielte Summe innerhalb von 24 Stunden» - eine kühne Behauptung, für die es allerdings keine unabhängige Bestätigung gibt.

Ob subversive Humorattacke oder Aufmischen der politischen Kultur: Auch wenn die Blogs bislang nur einen Bruchteil der Wahlberechtigten erreichen und der Umfang ihrer Meinungsmacht umstritten ist, sei die Kreativität der Polit-Blogger nicht zu unterschätzen. «Wer diese Leute nicht auf seinem Radar hat, der hat schon verloren», meint der Berliner Journalist Ranty Islam. Ebenso falsch sei es aber, die Szene zu überschätzen. (Von Jan-Henrik Petermann, dpa)

 
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