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Exoten auf Myspace: 

Mit acht Klicks um die Welt

21. Mrz 2008 08:19
Exotin auf Myspace? Werbung für den Eee-PC
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Sie leben in Ländern, die wenig bekannt sind, und sie nutzen das Internet, um mit der Welt in Kontakt zu treten. Stefan Wirner unternimmt eine virtuelle Reise zu den Exoten auf Myspace.

Es gibt im sozialen Netzwerk Myspace eine Rubrik, die sich «Treffpunkt» nennt. Hier können sich die Mitglieder auf die Suche nach Gesprächspartnern begeben, neue Freunde oder gar die Liebe ihres Lebens finden.

Es ist ganz einfach: Man gibt an, ob man eine Frau oder einen Mann sucht, man legt die Altersspanne fest und auch gewisse Kategorien, etwa ob die gesuchte Person auf Myspace ist wegen der Suche nach «Freunden», «Netzwerken», «ernsthaften Beziehungen» oder wegen «Datings». Und man kann ein Land auswählen, das man nach der gewünschten Person durchsuchen will: Die Liste umfasst 227 Länder und Orte, sie reicht von Afghanistan über Madagaskar und die Tokelau-Inseln bis nach Zypern.

Manche Nutzer geben zum Spaß besonders exotische Orte als ihre Wohnorte an. Kira zum Beispiel nennt Vanuatu, eine Republik im südwestlichen Pazifik, zu der die neuen Hebriden gehören. Auf Anfrage, wie es sich an einem solch exotischen Ort lebt, gibt sie zu: «Ich lebe in Wirklichkeit in Schweden. Nicht sehr exotisch.» Viele nennen die Antarktis, mit Sicherheit weit mehr Leute, als der eisige Kontinent an Bewohnern hat. Die meisten von ihnen sind Amerikaner und wohnen in Wirklichkeit in «L.A.» oder New York.

Kirgisien

Aber man kann auf Myspace durchaus mit Leuten Kontakte knüpfen, die in uns fremdartigen Ländern leben. Der 24jährige Dmitry etwa lebt in Kirgisien: ein Land, von dem wir Mitteleuropäer etwa so viel wissen wie von den Niederländischen Antillen.

Wie kommt man dort auf Myspace? Eine Freundin aus den USA brachte Dmitry darauf und zeigte ihm, wie man es nutzt. Heute hält er über das Netzwerk vor allem Kontakt nach Deutschland, zu zwei befreundeten Wissenschaftlern, die er in Kirgisien kennengelernt hat.

«Ich mag deutsche Autos», erzählt er. «Den Mercedes E 320 aus dem Jahr 1998 zum Beispiel. Viele Leute kaufen Autos in Deutschland und verkaufen sie hier wieder und machen gutes Geld dabei.» Aber er schwärmt vor allem von seiner Heimat. Man solle im Sommer unbedingt nach Kirgisien reisen, denn: «Das Essen bei uns ist großartig, die Frauen sind hübsch und die Leute viel offener als in Europa.»

Mauritius

Bevor wir jedoch den Flug nach Bischkek, in die Hauptstadt des Landes, buchen, hören wir uns an, was Stacy von Mauritius berichtet. Wissen wir viel mehr über das Land, als dass von dort die berühmteste Briefmarke der Welt stammt und es vor Strand und Palmen nur so wimmelt?

«Das Leben ist deprimierend hier», erzählt die 23jährige Angestellte. «Für Leute, die Ferien machen, ein Paradies – für Leute, die hier leben, ein Grauen.» Ihr Urteil fällt gnadenlos aus: «In jedem Land muss man arbeiten, um das zu bekommen, was man will. Hier arbeitet man hart, um zu überleben. Und die Regierenden verhalten sich wie kleine Kinder und warten, dass die Eltern zu Hilfe kommen.»

Wer weiß, vielleicht ist diese Frustration der Grund dafür, warum sie gerne Horrorfilme sieht, wie sie verrät. Sie erzählt, dass viele Leute auf Mauritius im Internet seien und chatten, wobei Facebook viel beliebter sei als Myspace. Sie selbst nutzt das Netzwerk vor allem, um mit Freunden in Europa und ihrer Familie in Australien in Verbindung zu bleiben. Wer weiß, vielleicht sieht sie es auch als Sprungbrett in ein anderes Leben an. «Wenn ich eine Chance bekomme, von hier abzuhauen, dann werde ich das tun und glücklich sein», schreibt sie.

Seychellen

Wir aber machen uns wieder auf den Weg und reisen ein Stück in den Norden, auf die Seychellen. Hier lebt Veronique, eine Krankenschwester, die vor allem mit psychisch Kranken arbeitet. Die 35jährige Schwarze ist verheiratet, ihr Myspace-Motto lautet: «La vie est belle» – das Leben ist schön.

Sie hört Country-Music, Rythm'n'Blues und Reggae und befasst sich mit Esoterik. Außerdem liebt sie das Internet und bezeichnet sich als «Myspace addict». «Ich wollte immer Leute aus vielen Ländern kennenlernen, Menschen mit unterschiedlichen Lebenstilen», erzählt sie. «Aber leider musste ich feststellen, dass sehr viele Geschäftsleute Myspace nutzen, Leute mit viel Geld.» Die meisten ihrer Myspace-Freude stammen aus den USA und sind Afroamerikaner.

Singapur

Wir sagen «Adieu» und setzen über nach Singapur. Hier lebt der 30jährige IT-Techniker Kho Pyoe. Locker und entspannt zeigt er sich am Strand von Chaung Tha in Myanmar, von wo er eigentlich stammt.

Erst vor kurzem nahm das dortige Regime nach dem Aufstand der buddhistischen Mönche umfassende Einschränkungen des Internetzugangs vor. «Die Lage in Myanmar ist schwierig und frustrierend», erzählt Kho Pyoe. «Ich bete für mein Land», sagt der gläubige Buddhist. Und warum ist er auf Myspace? «Ich möchte alle bekannten IT-Techniker der Welt kennenlernen.»

Kiribati?

Ein schönes Ziel. Wir aber reisen zügig weiter, denn auch der Pazifik will überquert sein. Dabei machen wir einen Zwischenstopp auf der Insel Kiribati und schauen bei Katie Killer vorbei.

Ihr gefällt es gut auf der «kleinen Insel». Sie hat bereits viel von der Welt gesehen, denn ihr Vater ist bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS beschäftigt, wie sie behauptet. Wegen der vielen Ortswechsel ist Myspace besonders wichtig für sie. «Ich nutzte es, seit ich zwölf Jahre alt bin», meint sie.

Katie spricht ein wenig deutsch, das hat sie in der Schule gelernt. Auf ihrem Profil hat sie Gothic-Rock hochgeladen, unter einem am Kreuz im Regen hängenden Jesus steht auf Deutsch zu lesen: «Sie verletzt mich, ich hasse sie.» Ob sie wirklich auf Kiribati lebt? Am nächsten Tag gibt sie in ihrem Profil als Wohnort Mali an. Sie scheint tatsächlich viel rumzukommen.

Antigua

Schließlich erreichen wir Antigua, die Perle in der Karibik. Baruch, der eigentlich in einer Anwaltskanzlei arbeitet, wird unser Reiseführer. Er ist 22 Jahre alt und bezeichnet sich als «schüchtern». Da kann Myspace weiterhelfen, wenn man Freunde sucht.

Antigua liebt er: «Es ist ein wunderbarer Ort. Wir machen Werbung für unsere Insel, mit der Sonne, dem Meer und dem Strand. Wir haben 365 Strände hier, für jeden Tag einen. Die Menschen sind freundlich und das Nachtleben ist großartig.»

Das sieht auch German so, der keine Verbindung zu Deutschland hat, sondern nur so heißt. Der 31Jährige ist in El Salvador geboren und hat italienische und spanische Vorfahren. „Hier ist das Paradies“, meint er über Antigua. Dem Partysound nach zu beurteilen, den er hochgeladen hat, scheint er vor allem das Nachtleben auf der Insel zu genießen.

Auf einem Foto zeigt er sich mit Cowboyhut inmitten von acht jungen Frauen, die nach Art der «Playboy-Häschen» gekleidet sind. «Start spreading the love», ist sein Myspace-Motto. «Ich bin ein Chef», schreibt er über sich, «und woran hast Du Interesse?»

Weißrussland

Aber leider können wir uns nicht ins karibische Nachtleben stürzen. Pavel, ein Manager aus Weißrussland, hat sich gemeldet, und wir wagen den Sprung zurück nach Europa. Seit sechs Jahren erst gebe es in Minsk Internetcafés, DSL seit zwei Jahren, erzählt er.

Seriös und zugleich charmant präsentiert er sich auf seinem Profil im Anzug im Büro stehend. Er habe vielen Freunden von Myspace erzählt, aber kaum einer nutze es. Dabei hat Alexander Lukaschenko, der autokratische Herrscher des Landes, den Zugang zum Internet bisher nicht einmal beschränkt. Pavel ist vor allem wegen der französischen Sängerin Alizee auf Myspace. Für ihn ist das Netzwerk die beste Möglichkeit, mit ihr Kontakt zu halten.

Für uns aber ist es nun an der Zeit, die Reise zu beenden, die uns mit acht Klicks um den Globus geführt hat. Da meldet sich Katie Killer noch einmal, dieses Mal aus Liechtenstein. Und auch das ist fürwahr ein exotischer Ort auf der virtuellen Landkarte von Myspace.

 
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