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Musik im Netz: 

Bezahlen, saugen, brennen, hören

12. Mrz 2008 14:18
Große Nachfrage: Junge Frau mit MP3-Player
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Das Geschäft mit Musik im Internet wird so langsam besser. Neue und alte Shops setzen auf Klang und Kopierbarkeit, die Preise halten sich in Grenzen. Digitale Musik-Händler im Überblick.

Einer der wichtigsten Körperteile von Musikfans ist der Zeigefinger - zum Durchblättern von CDs oder auch Platten. In dieser Hinsicht müssen die Soundliebhaber nicht umdenken, sollte es irgendwann keine Plattenläden mehr und stattdessen nur noch Downloadshops geben.

Tatsache ist: Das Herunterladen von Musik wird immer wichtiger, die Zahl der Shops wächst - bald zum Beispiel um einen Ableger von 7digital. Und Amazon will seinen in den USA bereits eröffneten MP3-Shop auch nach Deutschland bringen. Eine immer größere Rolle spielen Dateien ohne Kopierbeschränkungen. Auch auf den Klang wird zunehmend geachtet, nicht zuletzt zugunsten von Klassikfreunden.

Nowdio

Nowdio heißt das neue 7digital-Angebot, das vom 1. April an erreichbar sein wird. «Das ist ein Shop, der sich allein auf MP3s konzentriert und in dem es kein DRM geben wird», sagt Produktmanager Carsten Schumacher in Köln. DRM steht für Digital Rights Management - «kein DRM» bedeutet: Der Nutzer kann heruntergeladene Songs beliebig oft brennen sowie auf beliebig vielen Rechnern und MP3-Playern abspielen.

Die Songs im Katalog, über dessen Größe das Unternehmen zuletzt noch keine Angaben machte, werden mit durchschnittlich 256 Kilobit pro Sekunde (kbit/s) angeboten, also in recht hoher Qualität. Schrittweise sollen die Bitraten auf 320 kbit/s erhöht werden. Die Preise werden sich an denen bei 7digital orientieren. Dort kostet etwa der aktuelle Song «Supernatural Superserious» von R.E.M. 99 Cent. Der «alte» Shop wird weiterbetrieben - im Gegensatz zu Nowdio gibt es dort auch Songs in anderen Formaten als MP3, etwa AAC.

Amazon MP3

Der Shop «Amazon MP3» wird künftig unter der bekannten Adresse von Amazon zu finden sein. «Kunden können davon ausgehen, dass sie dort ein DRM-freies Format in hoher Qualität kriegen werden», sagt Amazon-Sprecherin Christine Höger in München. Diese «hohe Qualität» dürften die 256 kbit/s sein, mit denen die Musik im US-Shop angeboten wird - das DRM-freie Format MP3.

Wann es losgeht, verriet Höger aber nicht. Sicher ist, dass der Laden noch dieses Jahr auch in anderen Ländern als den USA eröffnen wird - nicht aber, ob Deutschland eines dieser Länder ist. Auch Preise waren nicht zu erfahren. In den USA kosten die meisten der 3,3 Millionen Songs 89 oder 99 US-Cent, Alben meist zwischen 5,99 und 9,99 US-Dollar (zehn Dollar entsprechen derzeit knapp 6,60 Euro). Mit solchen Preisen darf in Deutschland aber vermutlich nicht gerechnet werden.

Musicload

So gibt es etwa bei Musicload zwar Alben bereits ab 7,95 Euro, aktuelle kosten aber 9,95, manche auch 11,95 oder 12,95 Euro. Einzelne Songs gibt es im Musikshop der Deutschen Telekom zu Preisen ab 0,79 Cent. Neue Hits schlagen oft mit 1,29 Euro zu Buche. Bezahlt werden kann per Kreditkarte oder Click-and-buy-System: Telekom-Kunden können sich das Geld über die Telefonrechnung abbuchen lassen, und etwa in T-Punkt-Läden gibt es «Micro Money» genannte Guthabenkarten.

Derzeit stehen drei Viertel der rund 3,3 Millionen Musicload-Songs als WMA-Dateien mit einer Bitrate von 128 kbit/s bereit. Das übrige Viertel entfällt auf MP3s mit 256 kbit/t - dieser Anteil soll nach und nach steigen. Die MP3-Dateien sind DRM-frei, dagegen gibt es - je nach Rechteinhaber - bei den WMAs unterschiedliche Beschränkungen für das Brennen: So darf etwa Leona Lewis' Hit «Bleeding Love» fünfmal, R.E.M.s «Supernatural Superserious» aber siebenmal kopiert werden.

iTunes-Store

Apples' iTunes-Store arbeitet nur mit AAC-Dateien, die außer dem iPod nicht viele mobile Player abspielen können. Auch hier wird zwischen DRM-freier Musik und solcher mit eingeschränkten Rechten unterschieden. «Eingeschränkt» bedeutet hier etwa: Einzelne Downloads können beliebig oft gebrannt werden, Playlisten aber nur fünfmal.

«Wir arbeiten daran, möglichst viele Songs DRM-frei anzubieten», sagt Apple-Sprecher Georg Albrecht in München. Wo das gelingt, kommt es den Kunden auch klanglich zugute: Stücke ohne DRM werden mit 256, nutzungsbeschränkte nur mit 128 kbit/s angeboten. Auf den Preis hat die Rechtefrage keinen Einfluss: Ein Song kostet 99 Cent, ein Album meist 9,99 Euro. Bezahlt wird per Kreditkarte oder Click-and-Buy. Zudem gibt es Prepaid-Karten - im Elektrohandel, aber auch per Mail.

Napster & andere

Wer im Apple-Laden kaufen will, braucht iTunes. Auch Kunden von Napster, der ehemals bekanntesten Plattform für «schwarze» Downloads, die heute ein legaler Anbieter ist, müssen sich eine Software herunterladen. Stärker als anderswo setzt man bei Napster auf Flatrates: die Erlaubnis, sich für monatliche Pauschalen - hier 9,95 oder 14,95 Euro - aus dem Katalog zu bedienen. Bei «Napster Light» kostet ein Song 99 Cent, ein Album ab 9,95 Euro. Dafür gibt es WMAs mit 192 kbit/s. Einzelne Songs dürfen beliebig oft, Playlists sieben Mal gebrannt werden.

Voll auf den Klang setzt die Deutsche Grammophon in ihrem Ende 2007 gestarteten Portal. Um die anspruchsvollen Klassik-Freunde zufriedenzustellen, gibt es den digitalisierten Katalog des Traditionslabels ausschließlich mit 320 kbit/s - als DRM-freie MP3s. Einzelne Titel kosten 1,29 Euro, Alben 10,99 oder 11,99 Euro. Zur Auswahl stehen rund 2400 Alben beziehungsweise aus mehreren Alben bestehende Boxsets. Darunter sind auch fast 600 Alben, die nicht mehr auf CD zu haben sind - wofür Liebhaber aus Deutschland möglicherweise gerne das kleine Manko in Kauf nehmen werden, auf einer komplett englischsprachigen Webseite navigieren zu müssen. (Florian Oertel/dpa)
 
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