Internet Explorer: 

netzeitung.deMicrosoft vollzieht «Wende um 180 Grad»

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Microsoft-Manager Steve Balmer setzt keine eigenen Standards mehr (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Microsoft-Manager Steve Balmer setzt keine eigenen Standards mehr
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Softwarekonzern trennt sich von den Sünden der Vergangenheit. Mit einer überraschenden Kehrtwende beim Internet Explorer will das Unternehmen im modernen Web ankommen.

Nach jahrelanger Kritik ändert Microsoft seine Browserpolitik: Der kommende Internet Explorer (IE) hält sich erstmals an die Webstandards, wie sie vom World Wide Web Konsortium (W3C) festgelegt werden. «Das ist eine Wende um 180 Grad in unserer IE-Politik», sagte der zuständige Microsoft-Produktmanager Shola Aluko am Donnerstag auf der Cebit, wo die soeben veröffentlichte Testversion vorgestellt wird. Diese verwendet nun HTML 4 für den Inhalt einer Webseite, CSS 2.1 für das Layout und XML für die Anbindung von Daten aus Web-Anwendungen. «Wir wollen ein klares Bekenntnis zur Interoperabilität ablegen», sagte Aluko. Damit ist gemeint, dass Webinhalte unabhängig von der verwendeten Software einheitlich genutzt werden können.

In der Vergangenheit haben viele Unternehmen und Privatpersonen ihre Webseiten für den IE optimiert: Anstatt sich nach den Standards zu richten, haben sie den Code der Webseiten an die Besonderheiten des Internet Explorers angepasst, was zur Folge hatte, dass die Webseiten in anderen Browsern nicht richtig angezeigt wurden. Hintergrund dafür war der «Browser-Krieg» ab 1995, in dem der IE den zunächst führenden Netscape Navigator mit standardwidrigen Besonderheiten wie blinkendem Text zu übertrumpfen versuchte und schließlich vom Markt verdrängte.

Umwandlungsmodus für alte Webseiten
Der aktuelle Internet Explorer 7 bemüht sich noch um einen Kompromiss zwischen den Standards und der Absicht, all die Webseiten darzustellen, die mit den Fehlern der Vergangenheit entwickelt wurden. Weil der IE trotz der Erfolge des Open-Source-Browsers Firefox immer noch die größte Verbreitung hat, sahen sich die Web-Designer bislang gezwungen, ihre standardkonformen Seiten mit Tricks an den Microsoft-Browser anzupassen. «Das kann jetzt aus dem Code gelöscht werden», sagte Aluko.

Damit auch Webseiten, die für den IE 5 und IE 7 optimiert wurden, noch richtig angezeigt werden, gibt es beim IE 8 zwei Schalter, mit denen die Darstellung angepasst werden kann. Für Web-Designer gibt es Features, die den HTML- und CSS-Code übersichtlich anzeigen und Haltepunkte bei der Befehlsabfolge von Skripten bieten. Das mit CSS gestaltete Basis-Layout der Webseite wird grafisch illustriert.

Neben den Neuerungen «unter der Motorhaube» bietet der Browser dem Nutzer auch etwas fürs Auge. So kann der IE 8 etwa eine Adresse direkt in einem kleinen Fenster auf einer Karte darstellen. Die Wetterprognose für einen bestimmten Ort oder eine einzelne eBay-Auktion können als Lesezeichen gespeichert werden.

Auch bei Firefox wird gewerkelt
Als zusätzlicher Schutz gegen betrügerische Phishing-Attacken zeigt die Adressleiste des IE 8 die Domain jetzt in fetter Markierung an. So kann mit einem Blick überprüft werden, ob man sich wirklich auf dem gewünschten Server befindet und nicht heimtückisch zu einem anderen Computer umgeleitet wurde. Die Adressleiste im IE ist etwas kürzer, das Suchfeld dafür etwas länger geworden.

Die Beta 1 des IE 8 kann kostenlos im Internet heruntergeladen werden. Web-Entwickler seien aufgerufen, Erfahrungen damit zu sammeln und mögliche Fehler an Microsoft zu melden, sagte Aluko. In einigen Wochen soll es nach Microsoft-Angaben auch eine deutschsprachige Version dieser Testsoftware geben. Zum Termin der Fertigstellung des Browsers macht Microsoft noch keine Angaben. Vermutlich wird dies Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres sein.

Auch beim Open-Source-Konkurrenten Firefox wird gerade eifrig entwickelt. Im Februar ist eine dritte Betaversion für den Firefox 3 erschienen, bis Ende März wird die Fertigstellung erwartet. Zu den Neuerungen gehören ein Passwort-Manager, eine Zoom-Funktion zur vergrößerten Darstellung von Texten und Bildern sowie die Möglichkeit, Webseiten als PDF abzuspeichern. (NZ/Peter Zschunke, AP)