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Computermesse Cebit: 

Nokia braucht doch kein Mensch

06. Mrz 2008 12:03
Wer steht im Vordergrund? Besucher und Bildschirme
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Die Cebit 2008 verbindet alles mit allem und das mit großem Ernst: Ökologie, Ökonomie, Technik und Kuriositäten. Maik Söhler hat sich in Hannover großartig amüsiert.

Was haben die Bundesagentur für Arbeit, Ägypten und Nordrhein-Westfalen gemeinsam? Die räumliche Nähe ihrer temporären Niederlassungen auf der Cebit 2008. «Gemeinsam. Digital. Innovativ» – unter diesem Motto wirbt der imposante Stand NRWs für das Bundesland, diese Begriffe könnten aber genauso gut an den Ständen Ägyptens oder der Arbeitsagentur angebracht sein.

Denn gemeinsam – im Sinne von vernetzt – ist hier fast alles. Computer mit Fernsehern, Telefone mit Kameras, Navigationsgeräte mit Spielen, Konsolen mit dem Internet. Und umgekehrt. Und kreuz und quer. Das sollte spätestens dort klar werden, wo selbst die Bundesagentur für Arbeit mit ihren interaktiven «Jobbörse-Spezial»-Netzanwendungen im Web 2.0 angekommen ist. Das hat Ägypten übrigens längst geschafft.

Die Cebit bietet wieder einmal alles, was mit Daten und ihrer Übertragung zu tun hat. Und zwar vom Personalcomputer für Jedermann bis zur hoch spezialisierten IT-Ausrüstung für Feuerwehrleute. Das Motto der diesjährigen Messe – «Green IT» – soll eine zusätzliche Verbindung schaffen und gleichzeitig dem Vorwurf, die Elektronikbranche gehöre zu den schlimmsten Energieverschwendern, etwas entgegensetzen.

Bildschirm-Telefon von Urmet
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Der große Ernst

Das bräuchte sie gar nicht. Schnell nimmt man dem IT-Sektor ab, dass er sich ernsthaft um Veränderungen bemüht. Die Kosten für die Energieversorgung steigen genauso rasant wie das Datenaufkommen im Netz. Wer viele Computer oder gar Server betreibt, muss also, will er nicht die Hälfte seines Umsatzes an Stromkonzerne abdrücken, die Energie-Effizienz der Geräte steigern. Dass das nebenbei auch noch «Green» ist, ist ein schöner Nebeneffekt.

Dennoch verteidigt die Cebit ihr Motto mit großem Ernst. Mehr als nur ein Buzzword, also eine Modefloskel, sei die Betonung des Grünen, hört man überall. Alle Coolness, alle Doppeldeutigkeit, alle postmoderne Ironie, die große Teile vergangener IT-Messen und –Kongresse geprägt haben, sind diesmal weg. Klar, Aufschneiderei, Werbegetöse und haltlose Versprechen werden in jedem Gang gemacht. Aber selbst sie wirken ein wenig seriöser als sonst.

Geld und Gags

Woran liegt das? Vielleicht daran, dass sich das Big Business nach der Enttäuschung der New Economy wieder mehr für die Branche interessiert. Und wo es ums Geld geht, hört ja der Spaß auf. Viel ist in Hannover von «Zeitwirtschaft» die Rede. Oder von «Management Solutions». Ein Unternehmen betont sogar, wie wichtig ihm die Mitarbeiterzufriedenheit sei. Das muss jetzt Spaß sein, oder? Vielleicht auch nicht. Keine Ahnung. Jedenfalls sollte man sich davon nicht so sehr beeindrucken lassen.

Stand der Bundesdruckerei
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Die Cebit ist schließlich auch jenseits der Business-Hallen lustig. In Halle 6 ragt ein Stand mit seiner futuristisch-pompösen Aufmachung aus allem anderen hervor. Da blinken Ziffern und Zahlen auf verschiedenen Ebenen und laufen an digitalen Säulen herab. Hostessen wirken wie eingefrorene Menschmaschinen in einer lebendig gewordenen elektronischen Welt.

Um was geht es da? Was hat es mit den groß eingeblendeten Begriffen «Health Care», «Automotive», «Government» und «Airport» auf sich? Der Verdacht auf Buzzword-Bingo will nicht weichen, wenn man endlich entdeckt, wer den Stand betreibt: die gute alte Bundesdruckerei. Da muss einer der Chef-Gelddrucker aber in der letzten Zeit zu viel Matrix geguckt haben.

Nie gehört, nie gesehen

Man treibt sich ja ständig im Internet rum und meint deswegen, alles schon mal gesehen oder gehört zu haben. Von wegen – WAWI, GeoMarketing, ezSecu, SaaS. Sind das jetzt Firmen, Geräte, soziale Netzwerke oder Computerspiele?

Werbung für Biometrie
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Und warum überschüttet eigentlich ständig irgendwer die Technik mit Wasser? Bildschirme, Laptops, PC-Gehäuse, Server – in jeder dritten Halle wurden Apparate aufgebaut, die beweisen sollen, wie wasserfest nun der IDA-1000 von SecudOS oder der neue Bildschirm aus Taiwan sind. Nur: Was für ein Gerät ist eigentlich der IDA-1000? Kann man vor lauter Wasser ja gar nicht sehen.

Egal, Hauptsache es plätschert. Oder knallt. In Halle 21 stellt ein Unternehmen aus Taiwan eine Webcam aus, die mit Plastikraketen bestückt ist. Gerät jemand ins Visier der Kamera, so gibt sie einen elektrischen Impuls an die Haltevorrichtung weiter, die dann automatisch drei kleine gelb-rote Plastikraketen auf den Gefilmten abschießt. Tolles Ding!

Sieger & Verlierer

Boah, wie schnell aus der Blu-ray-Fraktion siegestrunkene Angeber geworden sind; wie sehr alle, die zur Cebit nicht mehr rechtzeitig umsteigen konnten, ihre HD DVD-Laufwerke und –Datenträger zu tarnen oder zu verstecken versuchen.

Roboter von www.lehrstellenfuchs.de
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Microsoft ist sehr präsent, und das auch noch auf eine durchaus angenehme Art. Sehr viele Leute tummeln sich um die XBox 360, Laptop-TV-Kombinationen hinterlassen bleibenden Eindruck. SAP bestimmt Halle 4; IBM dominiert Halle 2, wogegen Datev trotz Größe und einem sympathischen Grün-Ton nicht ankommt.

Viele Großunternehmen sind gar nicht erst gekommen, sie werden von einigen Besuchern schmerzlich vermisst. Nokia ist auch nicht da, vermisst aber niemand großartig.

Kurioses

Warum eigentlich gibt es am Stand von Brain Force Buttercreme-Torte? Warum muss das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in der Halle 6, die alles rund ums Thema Sicherheit versammelt, eine halbe Ebene über dem Rest der Halle thronen? Das sieht aus wie eine Aufseherkabine aus Jeremy Benthams Panopticon.

Die Firma Datapower verspricht: «Wir sichern Windows in Sekunden.» Man biegt um eine Ecke und steht an einem der Stände von Microsoft. Wincor Nixdorf stellt mit dem ProCash 2000xe einen neuen Geldautomaten vor, der aussieht wie jeder andere auch. Arnoldy Telekom gewinnt die Retro-Medaille: Hier kann man fast alle alten Handy-Modelle «ab Lager» bestellen.

China-Logo auf der Cebit
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China

Die Hallen 19 bis 22 sind fest in chinesischer Hand, nur gelegentlich angefochten von Anbietern aus Südkorea. War die IFA 2007 in Berlin noch geprägt vom gesellschaftlichen Gemurmel über chinesische Produktpiraterie, so ist das auf der Cebit 2008 kein großes Thema mehr. Vielleicht, weil man erkannt hat, dass auch andere Teile der Welt tolle Technik bereitstellen können. Vielleicht, weil man die unfassbaren Mengen an Produkten aus China gar nicht mehr im Detail auf die eventuelle Nachbildung von Originalen überprüfen kann.

Lustig ist, dass die chinesischen Aussteller sehr nervös werden, wenn man die Kamera zückt. Genau das wurde ihnen doch immer vorgeworfen: Dass sie auf Messen alles fotografieren und unter anderem auf dieser Grundlage Produkte zuhause nachbilden.

Wandelnde Benq-Reklame
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Silentium

Man ist Kilometer weit durch die Hallen gelaufen, hat tausende Stände an sich vorbeiziehen lassen, wurde von Technik überrollt, die Augen können nun nichts Neues mehr aufnehmen. Die Ohren dröhnen vom sanften Fiepsen der Server, dem Tastatur-Geklacker, den Rollgeräuschen der Mäuse, von digitaler Musik und dem «in 20 Metern Links, dann scharf rechts»-Geplapper der Navigationsgeräte.

Und plötzlich steht man vor dem Stand der Stände. «Silentium» steht da, «Silence in a Chip». Zeit, nach Hause zu gehen.

 
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