Computer- und Videospiele:
Gib dem Affen Tempo!
04. Mrz 2008 15:47
 |  Affe auf Speed: Szene aus Donkey Kong Jet Race | Foto: Nintendo |
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Mal wieder genervt von hyperkomplexen Konsolenspielen mit zehnseitigen Bedienungsanleitungen im Beiheft? Eine simple und kurzweilige Alternative heißt «Donkey Kong Jet Race».
Komplexität ist eine schöne Sache. Das gilt vor allem für Konsolenspiele. Wofür hat man denn diese teuren Geräte? Für ein Maximum an Genuss und Sinnenfreude. Geniale Grafik soll sich am besten mit den vielschichtigen Herausforderungen eines neuen Spiels verbinden. Und: Wozu kauft man denn Spiele, die um die 60 Euro kosten? Doch nicht, um nach zwei, drei Stunden öder Daddelei schon am Ende anzulangen.
Je umfang- und ideenreicher sich ein Spiel präsentiert, desto besser ist es. Zuletzt war es «Uncharted», dieser fantastisch-unterhaltsame Mix aus Lara Croft, Adventure und Soft-Shooter, der zurecht nach Aufmerksamkeit und reichlich Lebenszeit verlangte. Grafik in Spielfilm-Qualität, viel Abwechslung in der Handlung, kleine und größere Gefechte zur rechten Zeit und spielimmanente Innovationen führten zu einer Gesamtspielzeit von mehr als 35 Stunden.Besonders überzeugend aber ist die einfache Handhabung dieses hochkomplexen Spiels. In zwei Minuten hat man die im Beiheft angegebenen Tastenkombinationen und sowie das schmückende Beiwerk – Schwimmen, Klettern, Waffenwechsel – verinnerlicht. Besuche von Spielerforen im Internet sind nicht nötig.
Monster
Richtig müsste es heißen: Sie waren nicht nötig. Denn nach dem Ablauf von 88 Prozent des Spieles ging plötzlich nichts mehr. Die mehr oder weniger realistische «Uncharted»-Welt, die bis dahin aus Gangstern, Abenteurern, Speed-Booten und Gewehren bestand, wurde plötzlich von Monstern überrannt.
 |  Szene aus Uncharted | Foto: AP Photo/Sony |
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Die ersten ließen sich mit ein wenig Übung und einer neuen Schnellfeuerwaffe noch erledigen. Dann wurden es mehr und mehr, ein Weiterkommen schien unmöglich. Zumindest nicht, ohne die einschlägigen Netzforen zu besuchen. Und selbst dort wusste kaum jemand Rat.
Was nun?
In solchen Fällen kann man sich natürlich immer tiefer ins Internet graben. Irgendwann wird man dort eine Seite finden, auf der genau dieses Problem erschöpfend behandelt wird. Und wenn nicht, dann man macht man halt einfach selber mit einem Thread eine entsprechende Seite auf.
Dieser Aufwand steht aber in keinem Verhältnis zum Nutzen eines Spiels. Komplexität ja – aber sie soll einfach zu bekommen sein. Deswegen ist nun Schluss mit «Uncharted». Sollen sich doch die Monster bei Schauermusik in Katakomben gegenseitig zerfleischen. Man hat ja noch andere Spiele, die ebenfalls nach Aufmerksamkeit und reichlich Lebenszeit verlangen.
Wechsel der Welten
Bevor man sich aber gleich dem nächsten komplexen Spiel zuwendet, gilt es erst einmal, die «Uncharted»-Monster-Enttäuschung zu bewältigen. Ein neues vielschichtiges Game mit Wut und Frust im Bauch zu beginnen, kann nicht gut sein. So könnte eine tolle Spielewelt etwas abbekommen, das ihr gar nicht gilt.Hier nun kommt das neue «Donkey Kong Jet Race» ins Spiel. Es passt genau zwischen zwei andere Spiele und haut einen mit seiner Schlichtheit beinahe um. Ein Affe will durch den Wald gejagt werden, er will Bananen essen, ein paar Aufgaben erledigen, einen Parcours bewältigen, ein paar Fässer kaputtkloppen, geschüttelt und gesteuert werden und irgendwann – möglichst mit Bestzeit – im Ziel einfliegen.
Gute Laune
Wer fürs Beiheft länger als fünf Minuten braucht und für die Beherrschung des Controllers länger als eine Minute, der sollte sich besser Tetris aus dem Netz laden. Man kann «Donkey Kong Jet Race» allein gegen die Konsole oder gegen andere spielen; verschiedene Schwierigkeitsgrade und Strecken sind ebenso wählbar wie die Ziele des Spiels; eine Sechsjährige beherrscht es genauso schnell wie ein Erwachsener.
«Donkey Kong Jet Race» ist ein Gute-Laune-Spiel, und das in jeder Hinsicht. Musik, Figuren, Grafik, Funktionalität – alles ist von großer, sanft beschwingender Leichtigkeit geprägt. Man erwischt sich sogar dabei, dass man noch Stunden später die Spiele-Melodie vor sich hin pfeift. Als Affe auf Speed kann man einfach nicht so recht verlieren, außer im Wettrennen mit anderen.En Affe auf Speed muss sich auch nicht mit Monstern herumschlagen, nicht mal nach 88 Prozent der Spielzeit. Komplexität ist gut. Wenn man sich aber von ihr erholen will, ist die «Donkey Kong»-Leichtigkeit genau das Richtige.
Uncharted – Naughty Dog, Dezember 2007, 71,95 Euro - wurde von uns auf der Playstation 3 getestet; Donkey Kong Jet Race – Nintendo, 2008, um die 40 Euro – auf der Wii.
Für das Web ediert von Maik Söhler