Musik, Film, Nachtleben - das alles im Web und mit alten und neuen Funktionen sozialer Netzwerke verbunden: Das ist Hobnox.com. Maik Söhler sprach mit Yousef Hammoudah, Hobnox-Mitgründer und Programmleiter.
Wenn es um die Verknüpfung von Journalismus und sozialen Netzwerken im Internet geht, ist in den letzten Tagen immer wieder der Name «Zoomer.de» gefallen, der Name von Holtzbrincks neuem «Nachrichtenportal für die Web 2.0-Generation». Unter geht dabei, dass mit Hobnox.com längst eine andere Plattform bereitsteht, die Netzwerke mit (Kultur-)Journalismus mischt und sich durchaus nicht hinter «Zoomer.de» zu verstecken braucht.
Als Aktiengesellschaft verfügt Hobnox über das erforderliche Startkapital und über 70 Mitarbeiter aus aller Welt – davon stellen knapp 20 in Berlin die Redaktion. Die Firma will, ihrer Selbstdarstellung zufolge, «qualitätsorientiertes Web-TV, moderne Community-Infrastruktur und einzigartige Technologien» auf einer international ausgerichteten Online-Entertainment-Plattform verbinden.
Seit Oktober 2007 ist Hobnox.com online. Ein Wettbewerb für kreative Projekte aus den Bereichen Musik, Film und Urban Culture wurde gestartet und durchgeführt. Seit Donnerstagabend stehen die Sieger fest. Nur kurz danach trat Hobnox in eine neue Phase ein: Neue Seiten und Funktionen befinden sich nun im Testbetrieb. Dabei sein kann jeder, der bisher schon bei Hobnox angemeldet war und jeder, der eine Einladung bekommt.
Web-TV & Stage
Online-Entertainment, Community, Urban Culture – das klingt ungewöhnlich und für manche vielleicht auch ein wenig verwirrend. Deswegen erklärt Yousef Hammoudah, Mitgründer der Plattform und derzeit für den Bereich Programm verantwortlich, im Gespräch mit der «Netzeitung», worum es bei Hobnox eigentlich geht.
Netzeitung: Rufen Sie doch bitte mal die Startseite von Hobnox.com auf. Was genau sehe ich da?
Yousef Hammoudah
Foto: Hobnox.com
Yousef Hammoudah: Wir haben auf der Plattform vier verschiedene Bereiche. Manche davon sind schon sehr weit, andere in Ansätzen entwickelt. Zum einen sind da die Web-TV-Channels mit Videoprogrammen. Sie sortieren sich thematisch nach Musik, Film und Urban Culture.
Dann gibt es den Bereich Stage, einen Pool an nutzergenerierten Inhalten. Die Leute können dort Musik, Videos, Fotos selbst einstellen oder mithilfe unserer Tools und unserer Library Inhalte erstellen.
Netzeitung: Das wurde bisher als Hobnox Evolution bezeichnet.
Hammoudah: Im Oktober ist Hobnox gestartet, im November unsere Hobnox Evolution, ein Wettbewerb all dieser Formate. Wir hatten Kreative aufgerufen, ihre Inhalte und Ideen zu präsentieren und viele haben mitgemacht. Wenn Sie so wollen, war das eine Art Mini-Youtube mit dem Qualitätsanspruch von Hobnox.
Netzeitung: Das bedeutet?
Hammoudah: Die Hobnox-Community hat aus den mehr als 1000 eingegangenen Beiträgen jeweils drei Top-Beiträge für Musik, Film und Urban Culture ausgewählt. Alle ausgewählten Beiträge wurden am Donnerstagabend im Berliner Tresor vorgestellt und von einer fachkundigen Jury bewertet.
Soziales Netzwerk & Noxtools
Netzeitung: Das ist nun vorbei. Was finde ich denn jetzt noch auf der Seite?
Hammoudah: Der dritte Bereich ist das eingebaute Social Network. Hier kann man sein Profil anlegen oder Projekte, die man dann mit Freunden zusammen realisiert: eine Band gründen, einen Film drehen, eine Party feiern. Wie Myspace, nur eine Stufe weiter.
Netzeitung: Warum weiter? Das kann man doch bei Myspace auch.
Hammoudah: Ja, die haben aber keine Noxtools. Das ist ein Set an webbasierten technologischen Applikationen, die es unseren Nutzern ermöglichen, Medieninhalte zu kreieren.
Es gibt etwa ein Audio-Tool, mit dem jeder ganz einfach selbst Musik machen und mischen kann. Um im Club Musik zu machen, braucht man also nur noch einen Laptop und das Hobnox-Audio-Tool statt wie bisher 15 Geräte. Damit wollen wir die Kreativen noch stärker ansprechen.
«Die Kreativen»
Netzeitung: Wer sind die Kreativen?
Hammoudah: Das sind alle, die sich mit Medieninhalten beschäftigen und damit kreativ umgehen; Leute, die filmen, fotografieren, Musik machen, Texte schreiben; alle, die Ideen haben und entwickeln wollen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie gelernt haben, ihr Ding online zu machen, es aber nicht alleine durchziehen, sondern Verbündete suchen. Und finden.
Diesen Leuten bietet Hobnox eine Plattform zur Verkettung individueller Bausteine zu gemeinsamen Projekten. Und wenn sie gut sind, schaffen sie es in den Bereich Stage. Das ist Myspace kombiniert mit modernsten filmischen und musikalischen Mitteln.
Netzeitung: Kreativität ist ja ein dehnbarer Begriff. Was der eine als kreativ bezeichnet, erscheint dem anderen als Zumutung.
Hammoudah: Alles, was der Nutzer macht, kann bei uns veröffentlicht werden – sofern die Beiträge nicht gegen geltende Gesetze verstoßen, inklusive der Copyrights. Unsere Redakteure filtern auch den krassesten Trash aus – Youtube-Furzvideos und sowas. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von einem redaktionellen Qualitätsfilter. Das erhöht den redaktionellen Aufwand, macht Hobnox aber auch besser.
Redaktion & Nutzer
Netzeitung: Welche Rolle spielt die Hobnox-Redaktion sonst noch?
Hammoudah: Sie hat die Aufgaben, eigene Inhalte zu produzieren, zu filmen, zu bloggen, den Nutzern zu zeigen, was man auf Hobnox alles machen kann, in der Community spannende Sachen zu entdecken, zu fördern, zu veredeln und sich überhaupt mit der Community auszutauschen. Außerdem soll sie unsere Tools erklären.
Netzeitung: Klassische redaktionelle Inhalte sind demnach gar nicht vorgesehen.
Hammoudah: Wir teilen Inhalte nicht in Ressorts, sondern in Channels auf, wobei sich diese Channels in Zukunft noch ausdifferenzieren werden. Die Redakteure wenden sich je nach Vorliebe diesen Channels zu. Wir sind definitiv keine News-Redaktion. Das kann die Tagesschau besser.
Netzeitung: Welche Erfahrungen haben Sie seit Oktober gemacht?
Hammoudah: So viel haben wir ja bisher noch nicht gemacht: Web TV und Hobnox Evolution. Dafür sind die bisher 30.000 registrierten Nutzer unserer Community erstaunlich viele; bisher gibt es über 1500 Projekte mit mehr als 7000 hochgeladenen Files – auch das ist viel. Sobald die geschlossene in eine offene Beta (Testphase, Anm. d. Red.) übergeht, werden sich diese Zahlen vervielfältigen.
Geld & Werbung
Netzeitung: Wie finanziert sich Hobnox? Hammoudah: Hobnox ist ein klassisches Internet-Startup, finanziert mit Venture-Kapital. Hinzu kommen Einnahmen aus der Werbung auf unseren Seiten. Auf Hobnox angelegte Projekte könnten irgendwann ab einer gewissen Größenordnung, vielleicht ab ein oder zwei Gigabyte an Datenaufkommen, kostenpflichtig werden. Außerdem könnten Vermarktung und Verkauf von Inhalten hinzukommen.
Netzeitung: Andere soziale Netzwerke haben sehr schlechte Erfahrungen gemacht, wenn die Werbung auch in die Profile der Mitglieder hineinreicht. Haben Sie auch so etwas vor?
Hammoudah: Erstmal nicht. Man muss aber sehen, wie die User die Werbung annehmen. Vielleicht sind die meisten ja mit Werbung auf ihrem Profil einverstanden. Das könnte zum Beispiel davon abhängen, welche Werbung dort platziert wird. Denkbar wäre etwa, den Nutzer die Werbung selbst aussuchen zu lassen und dass er vielleicht auch selber was davon hat.
Netzeitung: Wie sieht es mit kostenpflichtigen Musikdownloads aus?
Hammoudah: Klar, die wird es geben. Genauso wie kostenlose Musik-Downloads. Beides wird aber noch ein wenig dauern.
Netzeitung: Startup, Channels, Projekte - all diese Begriffe, aber auch die Atmosphäre hier in Ihrem Büro in Berlin-Mitte, lassen einen Verdacht aufkommen: Kehrt mit Hobnox die New Economy zurück?
Hammoudah: Wie meinen Sie das?
Netzeitung: Machen wir doch einfach den Praxis-Test. Afterwork-Partys?
Hammoudah: Die fand ich schon überflüssig, als es sie noch gab. Nein.
Netzeitung: Betriebsmassagen.
Hammoudah: Zu unserer Schande muss ich gestehen: ja. Aber die haben sich unsere Leute hier selbst organisiert. Die Firma zahlt das nicht.