Identitäten in Online-Spielen:
Wenn Gamer völlig von der Rolle sind
19.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Wie weit solche Auseinandersetzungen mittlerweile gehen, zeigte sich vor einigen Monaten in der deutschen Version des Online-Rollenspiels «Der Herr der Ringe: Die Schatten von Angmar»: Dort gibt es - wie bei den meisten anderen Titeln auch - herkömmliche Server, auf denen Spieler nach Herzenslust ihre Freude an der Monster-Bekämpfung und der Suche nach immer besserer virtueller Ausrüstung ausleben können.
Es gibt daneben aber auch einen Server mit einer Kopie der Spielwelt, die eigentlich den Rollenspielern vorbehalten ist. Die können dort ihren Wunsch ausleben, als ständig betrunkener Zwerg oder auch als lustiger Hobbit umherzuziehen.
Die reagierten zunächst mit Protesten im Forum des Publishers Codemasters, griffen dann jedoch zu einem gänzlich ungewöhnlichen Mittel: Man verabredete sich zu einer «Menschenkette» um auf das Problem aufmerksam zu manchen. Nur fand sich diese Kette nicht in der echten Welt, vielmehr standen Hunderte Spieler-Charaktere dicht an dicht gereiht in der Stadt Bree, mitten in der Spielwelt von «Herr der Ringe».
Der Protest richtete sich aber auch an den Publisher, der zum Beispiel mit Hilfe sogenannter Gamemaster verstärkt die Einhaltung der Regeln sicherstellen sollte. Worum man sich dann auch kümmerte - schließlich gelten «echte» Rollenspieler zwar als vergleichsweise kleine Gruppe, die aber gleichzeitig auch die treueste Kundschaft darstellt.
Denn immer noch ist das Genre der Online-Spiele recht jung. Doch während sich vor ein paar Jahren nur einige Tausend Menschen in den virtuellen Welten aufhielten, ist das Online-Spiel spätestens durch «World of Warcraft» zum Massenphänomen geworden, das weltweit Millionen von Anhänger hat.
«Unsere Untersuchungen bestätigen, dass es heute wirklich ganz unterschiedliche Spieler gibt», sagt Prof. Jürgen Fritz, der an der Fachhochschule Köln unter anderem die «Wirkung virtueller Welten» erforscht. «Für viele ist ein Online-Rollenspiel vor allem eine Möglichkeit zu zeigen, was sie können.»
Die Ausprägung eines solchen Rollenspiels allerdings kann höchst unterschiedlich ausfallen. «Es gibt extreme Rollenspieler, die dann auch in der Rolle eines Hobbitkochs aufgehen», sagt Matthias Mirlach. Dieser Spielcharakter beschäftigt sich womöglich ausschließlich damit, Felder zu bewirtschaften und Nahrung herzustellen. Aufregende Abenteuer in den vielen mit Monstern gefüllten düsteren Gewölben liegen solchen Spielern fern. «Andere wiederum nutzen neben ihrem Rollenspiel auch die anderen Möglichkeiten es Spiels.»
Wer sich zumindest mal mit einem Charakter im Spiel mit der Rolle versuchen will, der sollte einige einfache Regeln beachten. «Zuerst einmal sollte der Name des Charakters auch zu dem Spiel passen», sagt Matthias Mirlach. Ein böser Ritter mit dem Namen Karl-Heinz wäre fehl am Platz. Marc Berekoven rät außerdem, auf andere Spieler-Charaktere zuzugehen, und dabei seine Rolle auszuspielen. «Viele ziehen dann mit, wenn man einmal damit anfängt - man sollte keine Angst haben, anders zu sein.»
Je nach Spiel setzt sich die Figur beim Anklicken des jeweiligen Befehls auch hin, sie hockt sich ins Gras oder macht einen Handstand. Eine andere Art der Emotes wird ausschließlich im Chat-Fenster gezeigt. Dort wird - je nach Spiel - ein Befehl wie «/e» oder «/em» für Emote eingeben, dahinter dann der gewünschte Text. Die Mitspieler sehen dann an erster Stelle den Namen des Charakters und dahinter den Text - zum Beispiel: ««Spielername» schaut sich ängstlich um». (Heiko Haupt /dpa)

