19.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Baukasten fürs Online-Ich: Startseite von myon-ID
Foto: Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Zahlreiche Online-Dienste kümmern sich um unseren Ruf im Internet. Im Gegensatz zum Konkurrenten Reputation Defender zieht das Portal myon-ID das Sortieren von Suchmaschinentreffern dem Entfernen vor.
Die eigene Persönlichkeit hat viele Facetten. Neben äußerlichen Dingen und inneren Werten gehört auch immer mehr die Online-Identität dazu. Für deren Pflege bietet sich das Portal myon-ID an, das jetzt ein halbes Jahr nach der Gründung neu aufgestellt und um zusätzliche Funktionen erweitert wurde.
«Das Thema Reputationsmanagement ist seit unserem Start sehr viel bekannter geworden», sagt Mitbegründer Mario Grobholz. Dazu haben auch spezielle Personensuchmaschinen wie yasni.de oder das jetzt auch in Europa aktive Angebot «Reputation Defender» beigetragen. Bei myon-ID wurde die Personensuche in der neuen Version weiter ausgebaut; erfasst werden unter anderem Webseiten, Telefonbucheinträge, Fotos, Videos und Profile in sozialen Netzwerken.
«Die Personensuche ist für uns aber nur der erste Schritt», erklärt Grobholz. Sie sei die Grundlage für die sich anschließende Suchmaschinen-Optimierung. Dazu werden die gefundenen Treffer sortiert sowie mit Stichworten (Tags) und Kommentaren versehen. Die auf diese Weise gestaltete Profilseite soll es ermöglichen, die Trefferliste bei Google so zu beeinflussen, dass die einer Person wichtigen Web-Seiten möglichst weit oben auftauchen.
Zusammenarbeit mit GoogleNeu ist bei myon-ID ein spezieller Statistikbereich: Hier wird nicht nur gezählt, wie oft andere Nutzer des Portals das eigene Profil aufgerufen haben. Darunter wird auch aufgeführt, wie oft diese Seite über Google, Yahoo oder MSN Live angeklickt wurde.
Und schließlich kann man über myon-ID auch erfahren, wie oft bei Google nach dem eigenen Namen gesucht wurde - unabhängig davon, ob dabei der Treffer mit dem myon-ID-Profil angeklickt wurde oder nicht. Dazu muss man allerdings einen «Premium»-Accout haben; den bekommt man, wenn man mindestens drei Bekannte für das Portal gewonnen hat.
Woher kann myon-ID diese Daten erfahren, die sonst tief im Innersten der Google-Datenbank ruhen? «Das beruht auf einer Zusammenarbeit mit Google», erklärt Grobholz. Für die Namen der Premium-Nutzer schaltet myon-ID eine Google-Werbung, und den Kunden dieses «AdWords»-Programms verrät der Marktführer, wie oft nach diesem Namen gesucht wurde.
Berechtigte NeugierDamit werde eine «berechtigte Neugier» befriedigt, sagt der myon-ID-Chef. Er werde manchmal gefragt, ob es bei der privaten Suchmaschinenoptimierung nicht um Schönfärberei gehe, die ethisch verwerflich sei. Er vergleiche das dann gern mit einer persönlichen Bewerbung, bei der man ja auch versuche, sich in einem guten Licht darzustellen.
Im Unterschied zum «Reputation Defender» gehe es myon-ID auch nicht darum, bestimmte Inhalte wie die eigenen Jugendsünden aus der Google-Suche zu entfernen. «Technisch gesehen ist es nicht möglich, Informationen im Internet zu löschen.»
Kostenlose und Premium-DiensteGoogle-Werbung kostet Geld. Wie sieht das Geschäftsmodell von myon-ID aus? Das Portal will demnächst Werbung schalten, doch soll das laut Grobholz nur eine untergeordnete Rolle spielen. «Die Haupterlöse sollen aus den Premium-Diensten kommen.» Die Grundfunktionen des Portals werden weiter kostenlos bleiben. Für zusätzliche Dienste plant myon-ID aber voraussichtlich ab 2009 ein Gebührenmodell.
Die Entwickler von myon-ID hatten in den vergangenen Wochen alle Hände voll zu tun, um die Version 2.0 zu stemmen. Technische Grundlagen des Portals sind das Web-Framework Ruby on Rails und selbst entwickelte Crawler für die Personensuche. Wer sich neu registriert, bekommt bereits das erweiterte myon-ID zu Gesicht. Die mehr als 10.000 Nutzer, die sich in den ersten sechs Monaten angemeldet haben, werden in den nächsten Tagen und Wochen auf die neue Plattform gebracht. (Peter Zschunke/AP)