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Streit bei Ebay: 

Wenn Powerseller nichts verkaufen wollen

18. Feb 2008 08:59
Schöne bunte Welt: Ebay-Logo vor der Firmenzentrale
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Schon länger scheint die Erfolgssträhne des Online-Auktionshauses Ebay beendet. Mitgliederzahlen sowie Umsätze stagnieren und nun streiken auch noch die Powerseller. Seltsam, findet Maik Söhler.

Angebot und Nachfrage bestimmen die Ökonomie – dieses von Wirtschaftswissenschaftlern, Managern und Börsenhändlern wie ein Mantra formulierte Gesetz trifft auf das weltgrößte Online-Auktionshaus gleich im doppelten Sinn zu: in seiner Funktion als (börsennotiertes) Unternehmen im Marktgeschehen und auf der Plattform selbst, wo zwar alles gehandelt, aber nur das verkauft werden kann, wofür sich auch ein Käufer findet.

Mit einer sogenannten Reform seines Gebührensystems hat Ebay in den vergangenen Wochen für allerlei Wirbel gesorgt. Das ist gut, denn Wirbel bedeutet im Zeitalter der Aufmerksamkeitsökonomie immer auch Schlagzeilen, Debatten und damit Klicks. Aus Account-Leichen werden so zumindest für kurze Zeit wieder aktive Teilnehmer und vielleicht lässt sich sogar der ein oder andere Neu-Log-In erreichen.

Gut ist das auch für die vielen kleinen Privatverkäufer, denen ab dem 20. Februar die Gebühren fürs Einstellen von Ware erlassen werden. Damit reagiert Ebay auf die zahlreichen Beschwerden von Nutzern, die etwas einstellen, es nicht verkaufen, bisher aber trotzdem dafür bezahlen mussten. Anders gesagt: Ebay erleichtert die Bedingungen fürs Angebot und hofft darauf, dass sich die Nachfrage dann von selbst einstellen wird. Es ist eine Hoffnung auf funktionierende Marktwirtschaft.

Die Leidtragenden

Schlecht hingegen kommen bei den Neuerungen die gewerbsmäßigen Verkäufer weg – die nicht nur bei Ebay sogenannten Powerseller. Auf sie warten höhere Gebühren, vor allem aber missfällt ihnen ein anderer Aspekt der Ebay-Reformen. Negative Bewertungen von Kunden sollen ihnen künftig untersagt sein.

Deswegen wird nun gestreikt: Zahlreiche Powerseller aus aller Welt werden von Montagfrüh bis Sonntagnacht keine neuen Angebote einstellen. Sie rufen außerdem andere Ebayer dazu auf, in dieser Zeit nichts anzubieten, zu verkaufen, zu kaufen und auch die sogenannte Ebay-Community mit ihren Foren, Profilen und Clubs zu meiden.

Boykott & Streik

Der Boykott ist in der Regel eine hilflose Ausdrucksform individuellen Protestes. Einsam bekämpft man Symptome, ohne deren Ursachen überhaupt in den Blick zu bekommen. Der Streik hingegen ist meist eine reflektierte Ausdrucksform organisierten Protestes. Kollektiv bekämpft man Symptome und manchmal sogar deren Ursachen.

Beides miteinander zu verbinden, kann den Protest stärken. Als Verkäufer aber auch die Käufer für die eigenen Interessen einspannen zu wollen, zeugt von reger Fantasie und wenig Kenntnis der unterschiedlichen Sichtweisen auf Ebay. Käufer wollen für möglichst perfekte Waren so wenig Geld wie möglich bezahlen. Verkäufer wollen für irgendwelche Waren so viel Geld wie möglich bekommen. Hier also an ein gemeinsames Interesse zu appellieren, ist reichlich naiv.

Rachebewertungen

Ebay begründet seinen Schritt, den Powersellern negative Kundenbewertungen zu verbieten, mit der zuletzt weit verbreiteten Praxis der sogenannten Rachebewertungen. Das bedeutet, wenn ein Kunde den Verkäufer – aus welchen Gründen auch immer – schlecht bewertet hat, ließ der Verkäufer im Gegenzug auch eine negative Bewertung folgen. Und umgekehrt.

Es ist nicht ganz einsichtig, warum dieses System nun geändert wird und genau hier liegen die Powerseller mit ihrem Protest richtig. Wenn Bewertungen möglich sein sollen, dann müssen sie auch für alle gelten, egal ob jemand positiv, neutral oder negativ bewertet oder bewertet wird.

Angebot und Nachfrage

Das leidige Phänomen der Rachebewertungen verlangt mehr Engagement von Seiten Ebays als bisher. Ein modifizierter Regelkatalog könnte helfen. Im Forum wäre dazu viel zu finden. Auch Moderatoren, über die andere soziale Netwerke längst verfügen, könnten für so eine Aufgabe geeignet sein.

Wie auch immer – falsch jedenfalls ist es, dem einen das zu verwehren, was der andere weiterhin tun darf. Es ist undemokratisch, denn auch die üble Nachrede gehört in gewissen Grenzen und an bestimmte Regeln geknüpft zur Demokratie.

Vor allem aber stört das Verbot von Negativ-Bewertungen für Händler empfindlich die Grundregeln der Ökonomie. Wenn das Gesetz von Angebot und Nachfrage denn Allgemeingültigkeit haben soll, dann gilt es auch für Bewertungen.

Aber vielleicht handelt es sich dabei ja gar nicht um ein Gesetz, sondern bloß um ein Mantra der Ökonomen. Dann böte der Ebay-Powerseller-Streik gutes Anschauungsmaterial zur Frage, wie eigentlich Internet-Ökonomie funktioniert.


 
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