Computerspiele:
Wii in der Therapie
Verbinde man die Bewegungsübungen mit dem Video-Spiel, seien die Patienten ganz anders bei der Sache. «Wenn sie mit einem elektronischen Gegner boxen oder Tennis spielen, ist es erstaunlich, wie viele unserer Patienten dann gewinnen wollen», sagt Osborn. Daher bemühten sie sich viel mehr als ohne den zusätzlichen Spielanreiz, die geforderte Bewegung zu meistern.
Auch das Hines Veterans Affairs Hospital in der Nähe von Chicago hat kürzlich eine Wii angeschaft, um Patienten mit Wirbelsäulen-Verletzungen zu behandeln. Dort spielt der 22-jährige Matthew Turpen in seinem Rollstuhl sitzend Golf und Bowling. Im vergangenen Jahr wurde der in Deutschland stationierte Soldat bei einem Autounfall so schwer verletzt, dass er nun von der Brust abwärts gelähmt ist. Das Spiel sei eine angenehme Abwechslung von der Monotonie des Reha-Alltags und tue ihm richtig gut, sagt Turpen.
Im Walter Reed Army Medical Center kommt die Spielkonsole auch bei Patienten zum Einsatz, die im Irak-Krieg verletzt wurden. «Sie denken, es ist für ihre Unterhaltung, aber wir wissen, dass es Therapie ist», sagt die Leiterin der Abteilung für Beschäftigungstherapie, Stephanie Daugherty.
Um jenseits der einzelnen Erfahrungsberichte eine wissenschaftliche Grundlage für die «Wiihab» zu erhalten, hat Lars Oddsson am Sister Kenny Research Center des Abbott Northwestern Hospitals in Minneapolis eine Studie begonnen. Dabei sollen die Erfahrungen der Wii-Therapie an denen einer Vergleichsgruppe gemessen werden.
Das richtige Maß zu wahren, dazu rät der Mediziner Julio Bonis in Madrid. Er beschrieb in der Fachzeitschrift «New England Journal of Medicine», dass exzessives Wii-Spielen zu andauernden Schmerzen in der Schulter führen kann. Bonis stellte dies an sich selbst fest und beschrieb die Schmerzen als «Wiiitis». Er überwand diese neue Krankheit mit Hilfe eines Antirheumatikums und einer Woche Wii-Verzicht. (Lindsey Tanner/AP)
