Bundesweite Jagd auf Musikpiraten
«Auf jeden legal runtergeladenen Song kommen noch immer rund zehn illegale Titel», erklärt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie Stefan Michalk. Zwar sei die Zahl der Online-Piraten in den vergangenen Jahren zurückgegangen.
Nach Angaben des Verbandes, der deutschlandweit rund 350 Plattenlabel vertritt, sind Online-Piraterie und Raubkopien maßgeblich für den Verlust von rund einem Drittel der Umsätze und Arbeitsplätze seit der Jahrtausendwende verantwortlich. 2004 sei dann die Notbremse gezogen worden, «und wir haben beschlossen, Internetpiraterie auch beim Konsumenten rechtlich zu verfolgen», sagt Michalk.
«Kleine Fische interessieren uns nicht, sondern nur Anbieter im großen Stil», erklärt Pro-Media Chef-Ermittler Frank Lüngen. Pro Tag werden in Hamburg rund 100 Fälle ermittelt, an Sonntagen sind es meist etwas mehr. «Das ist unser stärkster Tag, da sind die meisten User im Netz.»
Allein im ersten Halbjahr 2007 hat die Kanzlei Rasch 25 000 Strafanzeigen gestellt. Bei besonders schwerwiegenden Fällen rückt Lüngen gemeinsam mit der Polizei zum Hausbesuch an. Den klassischen Internet-Piraten gibt es ihm zufolge nicht. «Das geht quer durch die Gesellschaft», meint Lüngen, der im vergangenen Jahr bei 144 Polizeibesuchen in ganz Deutschland dabei war. Diese führten den 40-Jährigen unter anderem in eine Anwaltskanzlei oder eine Zahnarztpraxis. Einmal musste er sogar in einen Schweinestall, um Computer zu beschlagnahmen.
Ziel sei, die Kreativität zu fördern und den Wert der Musik sowie den Respekt vor geistigem Eigentum zu vermitteln. An die Eltern verteilt er kostenfrei CDs mit einer Software, die den heimischen Computer für illegale Downloads sperrt.
Eltern müssten sich stets darüber im Klaren sein, dass sie als Inhaber eines Internetanschlusses für Urheberrechtverletzungen ihrer Kinder haften, erklärte Rechtsanwalt Rasch. Und das könnte sehr teuer werden. Für den illegalen Datenklau im Internet werden nach Angaben des Juristen Geldstrafen oder Schadensersatzforderungen von durchschnittlich 500 bis 2000 Euro fällig. (Jenny Tobien/dpa)
