Basketball online: Raus aus der Müffel-Halle
31. Jan 2008 17:20
 |  Wieder ist einer durch: Spielszene aus "NBA 08" | Foto: AP Photo/Sony |
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Mit «NBA 08» liegt ein neues Basketball-Game für die Playstation 2 und 3 vor. Tolles Spiel, findet
Maik Söhler. Noch toller wäre es, wenn es auch über einen Langsam-Modus verfügte.
Ich hasse Basketball. Das Runde muss meiner Ansicht nach nunmal ins Eckige, nicht ins Runde. Das geht schon gar nicht, wenn das Runde über drei Meter hoch hängt. Außerdem ist das Regelwerk kompliziert – Shotclock, Schrittfehler, Doppeldribbel, Acht-, Fünf- sowie Drei-Sekunden-Regel und dergleichen mehr. Dann dieser Schweißfuß-Müffel-Geruch in der Sporthalle. Und zu schnell geht das alles auch noch. Man kann beim Zuschauen nicht mal ein Bier holen – außer es ist gerade Pause und da muss man aufs Klo.
Zu schnell - das gilt erst recht für das neue Konsolenspiel «NBA 08», das nun für die Sony-Konsolen vorliegt. Gut, am Anfang hat man Zeit: Team auswählen, Gegner suchen und finden, Spieler ausrüsten und ins Team einfügen. Doch dann bleibt einem keine Sekunde mehr für irgendwas jenseits des Bildschirms.In rasendem Tempo treten die San Antonio Spurs, für die ich mich aus jetzt nicht mehr nachvollziehbaren Gründen entschieden habe, gegen die Charlotte Bobcats an, die aus nun noch weniger nachvollziehbaren Gründen den Gegner stellen. Irgendwie erringe ich den Ball, aktiviere mit der X-Taste des Controllers aktive Spieler, spiele meinen ersten «No-Look-Pass» mit der Dreieickstaste, sprinte dabei mit R1 nach vorn und schließe mit der Kreis-Taste ab.
Abschluss? Denkste! Der Ball prallt vom Ring zurück, die Bobcats sichern sich den Rebound, gehen zum Angriff über und liegen mit einem klasse Dunk schon mit Zwei zu null vorn. Genüsslich zeigt mir das Programm die Wiederholung des Angriffs meines Gegners, feist grinsen die Spieler aus Charlotte, hämisch kommentieren die mit texanischem Akzent sprechenden NBA-Moderatoren meine offensichtlichen Schwächen in der Rückwärtsbewegung.
26 zu 4
Es dauert nicht lang und die Bobcats führen mit 26 zu 4 – der Schiedsrichter pfeift zum Glück das erste Viertel ab. Meine Spieler gehen mit verschämten Blicken in die Coaching-Zone. Das war wohl nichts.Was soll's – das Spiel schreibt mir trotzdem Erfahrungspunkte gut. Erfahrungspunkte, mit denen ich später, sobald genügend davon vorhanden sind, Ausstattungsgegenstände wie bessere Schuhe oder Stirnbänder für meine Spieler erwerben kann. Sie werden dann angeblich besser. Schuhe okay, aber warum soll einer besser werden, nur weil er Stirnband trägt? Selbst Tattoos werden für irrsinnig viele Credits zur Spieleroptimierung angeboten. Also ob Rocker die besseren Basketballer wären.
Für eine gründliche Reflexion des Themas fehlt nun aber die Zeit. Ich gehe in den Trainer-Modus und wechsele das halbe Team aus, diese Loser. Drei neue Spieler werden aufs Feld geschickt, plus die beiden, die bisher jeweils einmal getroffen haben.
Es geht weiter. Ich lerne in der Abwehr dazu: Blocken, Ball klauen, Rebound, Foul, und registriere vergnügt, dass der Kontroller die Spieler nicht nur über zwölf Buttons und zwei Steuerhebel antreibt, sondern auch auf meine Bewegungen reagiert. Ziehe ich den Controller nach oben, reißt mein gerade aktiver Spieler die Arme hoch; drücke ich ihn nach unten, verhindert der Spieler, dass man ihm einen Pass durch die Beine spielt.
18 zu 14
Das zweite Viertel endet 18 zu 14 – für die Charlotte Bobcats. Ich bin fast dran. Vielleicht liegt es ja einfach an den Spurs, dass ich immer noch hinten liege. Beschließe, beim nächsten Mal eines der anderen 29 Teams aus der National Basketball Association zu nehmen.Ich brauche eine Pause und schaue mir zwischendurch mal im Passiv-Modus an, wie die Spurs gegen die Bobcats ohne mein Zutun spielen. Besser, das wird schnell klar. Deutlich wird aber auch, dass Sonys Grafik-Abteilung mindestens so gut aufgestellt ist wie die Dallas Mavericks um Dirk Nowitzki in ihren guten Spielen.
Man sieht jede einzelne Muskelbewegung der Spieler und selbst ihre Spiegelbilder auf dem gut gebohnerten Hallenboden wirken echt. Der Sound kann zwar nicht ganz mithalten, bereitet aber trotzdem Spaß.
24 zu 7
Im dritten Viertel breche ich gnadenlos ein. Ich will alle nach einem erneuten Blick ins Beiheft erhaschten Controller-Funktionen auf einmal anwenden: Zögern, Offensivfoul annehmen, Shoulder-Charge und was es noch alles gibt. Es ist zu viel, viel zu viel. Die Bobcats überrennen mich einfach. Wenigstens versenke ich meinen ersten Freiwurf.
Das Spiel ist verloren und das vierte Viertel schenke ich mir deshalb komplett. Bis ich nicht nur gegen das Programm, sondern online gegen echte Gegner antreten kann, werden noch Jahre vergehen. Aber ich bleibe dran, versprochen. Denn ich hasse Basketball nun nicht mehr. NBA 08 – Sony, 2008, etwa 65 Euro - wurde von uns auf der Plystation 3 getestet. Es ist auch für die Playstation 2 erhältlich.