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StudiVZ erwägt Klage wegen «StasiVZ»-Video

24. Jan 2008 15:47
Nichts als Trouble: Startseite von StudiVZ
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Ein kleines Youtube-Video beschäftigt derzeit die Hausjuristen bei StudiVZ. Bald könnte es zur Klage kommen. Aber es geht um mehr als ein Filmchen: um Konkurrenz zwischen sozialen Netzwerken und virales Marketing.

Mit aggressiver Werbung in ungewöhnlichen Formen hat StudiVZ bisher kaum Probleme gehabt. Im Gegenteil griff Deutschlands größtes soziales Netzwerk selbst immer wieder gerne zu Werbemaßnahmen, die in der Fachbranche als virales Marketing bezeichnet werden.

Mehr in der Netzeitung:
Virales Marketing, so belehrt uns die Wikipedia, «ist eine Marketingform, die existierende soziale Netzwerke ausnutzt, um Aufmerksamkeit auf Marken, Produkte oder Kampagnen zu lenken, indem Nachrichten sich epidemisch, wie ein Virus ausbreiten. Die Verbreitung der Nachrichten basiert damit letztlich auf Mundpropaganda, also der Kommunikation zwischen den Kunden oder Konsumenten.»

Das zum Holtzbrinck-Konzern gehörende StudiVZ ließ Videospots produzieren, die von Kritikern schon mal als «geschmacklos» und «menschenverachtend» bezeichnet wurden. Virale Werbekamgagnen des Schwesterunternehmens SchülerVZ vor Schulen riefen Jugendschützer, Lehrer und besorgte Eltern auf den Plan.

Nun aber sorgt sich ausgerechnet StudiVZ wegen eines Videos auf Youtube, in dem ein Rapper mit den Mitteln des viralen Marketings gegen StudiVZ mobil macht und gleichzeitig für ein konkurrierendes Netzwerk wirbt. Möglicherweise werde StudiVZ gegen das Video gerichtlich vorgehen, berichtete das Branchenmagazin «Werben & Verkaufen» am Mittwoch. Und eine Mitarbeiterin der Studi-VZ-Presseabteilung bestätigte auf Anfrage der Netzeitung, die juristische Abteilung prüfe den Fall derzeit. Mehr wolle man momentan nicht sagen.

«StasiVZ»

Seit Donnerstag letzter Woche befindet sich ein Filmchen mit dem Titel «Kaioo.com: Nie wieder StasiVZ!» auf der Videoplattform. Darin rappt Sänger «Stasido MC» anfangs: «Erst verkauft StasiVZ meine Daten und dann löschen sie mein Profil, weil ich für Kaioo Werbung mache.» Es folgen in den Film eingebundene Medienberichte über die umstrittenen neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von StudiVZ.

Auch auf den oft kritisierten mangelnden Datenschutz von StudiVZ kommt Rapper «Stasido» zu sprechen: «Das VZ setzt Deine Daten in die Welt», gefolgt von weiterer Kritik an Technik, Features und Nutzern des Netzwerks. Der in einer Horrormaske steckende Sänger bekennt schließlich, er sei froh, nicht länger ein StudiVZ-Mitglied zu sein: «Ich bin für immer weg. Meine Crew ist bei Kaioo. Nieder mit VZ!» Gleichzeitig zeigt auf dem Video eine zweite Person ihr T-Shirt mit einem Kaioo.com-Aufdruck. Der Rest ist Werbung - Werbung für Kaioo.com.

StudiVZ

Für StudiVZ kommt der Zeitpunkt für einen eventuellen Rechtsstreit denkbar ungünstig. Viele Nutzer nehmen dem Netzwerk immer noch übel, dass die AGB im Januar geändert wurden. Die neuen AGB erlauben es dem Unternehmen, nutzerbezogene Werbung zu schalten und dafür persönliche Daten der Mitglieder zu verwenden. Wer nicht zustimmt, kann unter Umständen sein Netzwerk-Profil verlieren.

Zwar bietet StudiVZ seinen Mitgliedern an, zielgerichtete Werbung auszuschalten. Dennoch protestierten in den vergangen Wochen zahlreiche User. Sie anonymisierten ihre Daten, löschten Fotos und Informationen oder traten gleich ganz aus. Hinzu kommt die Ankündigung des US-amerikanischen Konkurrenten Facebook, demnächst auch einen deutschsprachigen Dienst anzubieten.

StudiVZ hat nach eigenen Angaben 4,7 Millionen Mitglieder, Facebook 61 Millionen - davon rund 600.000 in Deutschland.

Kaioo.com

Und nun kommt also auch noch Kaioo.com als weiteres Problem dazu. Kaioo ist zugleich ein gewöhnliches wie auch ein ungewöhnliches Angebot. Gewöhnlich meint: es ist von den Funktionen her ein soziales Netzwerk wie jedes andere. Ungewöhnlich meint: Es nennt sich selbst «die erste echte Social Community im Internet». Sämtliche Werbeeinnahmen würden für gemeinnützige Zwecke gespendet, heißt es auf der Seite.

Gegründet wurde das Netzwerk im Frühjahr 2007 von Thomas Kreye und Rolf Schmidt-Holtz. Seit November 2007 ist eine Testversion online, wahlweise in englisch oder deutsch. Schmidt-Holz ist Geschäftsführer bei SonyBMG, der ehemalige Bertelsmann-Manager Thomas Kreye arbeitet mittlerweile hauptamtlich für Kaioo. Beide haben die staatlich anerkannte «Kaioo gemeinnützige Stiftungs-GmbH» gegründet, die das Netzwerk betreibt. Nach eigenen Angaben finanziert sich Kaioo ausschließlich über Sponsoren und Spenden.

Offizielle Mitgliederzahlen gibt es noch nicht. Bei Problemen oder Nachfragen ist bei Kaioo telefonisch niemand zu erreichen. Der im Impressum angegebene Telefonanschluss ist offensichtlich überlastet oder defekt. Man kann sich problemlos im Netzwerk registrieren, aber eine Kontaktaufnahme zu den Betreibern funktioniert nicht ohne Weiteres. Auch unter manchen Bloggern - diesen Spürhunden des Netzes - hat Kaioo sich in kurzer Zeit nicht gerade den besten Ruf erarbeitet.

Klage?

Leitet Studi-VZ nun gegen das «Stasi-VZ»-Filmchen auf Youtube juristische Schritte ein, so könnte das Kaioo zu enormer Aufmerksamkeit verhelfen. Zwar lässt sich ein «Stasi-VZ-Video» vermutlich mit genügend Druck aus Youtube entfernen. Aus dem Netz sind die hunderte an «Stasi-VZ»-Parolen deshalb noch lange nicht.

Beanstandet man es aber nicht, dann hätte das virale Marketing der direkten Konkurrenz Erfolg gehabt. Andere könnten folgen. So oder so, eine ruhige Zukunft steht StudiVZ nicht bevor.


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