Fashionspace.com: Mode und mehr
25. Jan 2008 11:17
 |  Schön sieht sie aus: Startseite von Fashionspace.com | Foto: Screenshot: nz |
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Wenn sie mal groß ist, will die neue Mode-Webseite Fashionspace.com eine Mischung aus Ebay und Facebook werden. Sie richtet sich an Modefans, die auf Ausgefallenes stehen, aber nicht viel Geld haben, berichtet
Frank Diebel.
«Ich kenne Lily Allen noch aus der Schule und ihr kometenhafter Aufstieg mithilfe von Myspace hat mich sehr begeistert. Da dachte ich mir: 'So eine Website müsste es auch für die Modewelt geben'», erinnert sich Holly Bellm über ihre einstige Schulkameradin. Die britische Popsängerin Lily Allen wurde erst durch das soziale Netzwerk Myspace so richtig bekannt.
Gesagt, getan: Im Oktober 2007 gründete die 22-jährige Londonerin Belm Fashionspace.com. Die Webseite will mal eine Mischung aus Ebay und Facebook werden - plus Mode. Bellm spricht von «social trading» statt von «social networking». Modefans und Nachwuchsdesigner können dort Modeartikel präsentieren, verkaufen und tauschen.Bellm, die selbst Make-up und Styling am London College of Fashion studiert hat, kennt die Sorgen und Nöte des Nachwuchses: «Meist verdingen sich Designer nach dem Studium für ein Taschengeld bei einem bekannten Label, um Erfahrungen zu sammeln. Dann versuchen sie es auf eigene Faust, aber das ist riskant. Fashionspace erlaubt Designern erstmal vorzufühlen. Sie können sich mit wenig Risiko einen Kundenstamm aufbauen, ähnlich das Musiker auf Myspace tun.»
Das klappt natürlich nur, wenn sich die Seite in der Modewelt einen großen Namen macht, und wenn sie eine große Community hat wie eben Ebay und Facebook. Dahin ist es aber noch ein weiter Weg.
Individuelle Mode
Fashionspace soll sich an Modefans richten, die auf Ausgefallenes stehen, aber nicht das nötige Kleingeld haben: «Designer-Mode ist meist kostspielig. Auf unserer Website können sich Fashionistas aus aller Welt zu Schnäppchenpreisen die Kreationen der Stars von morgen unter den Nagel reißen», sagt Bellm selbstbewusst.Aber wird Mode nicht vor allem wegen des Labels gekauft? Oder weil Gott und die Welt damit herumlaufen? Investieren Unternehmen nicht Millionenbeträge in Werbung, damit alle Fußballfans die gleichen Sportschuhe tragen?
Die junge Britin niederländischer Herkunft ist der Ansicht, dass es für ausgefallene Kleidung durchaus einen Markt gibt: «Heutzutage wollen viele etwas Besonderes, etwas das sonst niemand hat. Es geht darum, individuell zu sein. Mode von der Stange ist out. Aus diesem Grund sind kleine Boutiquen und Straßenmärkte auch so beliebt. Wir sind alle auf der Suche nach dem Fummel, der Freunden ein 'Mensch, wo hast Du das denn her?' entlockt.»
Herberge der Online-Boutiquen
Obwohl noch recht neu, verzeichnet die Fashionspace-Community ordentliche Zuwachsraten: Seit der Gründung vor vier Monaten ist die Zahl der Mitglieder bereits auf 6000 gewachsen. Und das ist nach Ansicht der Fashionspace-Gründerin erst der Anfang: «Für Anfang nächsten Jahres peilen wir die 100.000er Grenze an. Wir haben 50.000 'Unique Visitors' im Monat und wachsen schnell. Unsere Mitglieder kommen aus den USA, Australien, Südafrika, Japan und vielen anderen Ländern.»Bis zu Facebooks 61 Millionen oder gar Ebays 250 Millionen Usern ist es noch ein weiter Weg, aber das schreckt Bell nicht: «Das Ziel ist, unsere Website zur Nummer Eins für Nachwuchs-Designer zu machen, außerdem wollen wir die meisten Online-Boutiquen der Welt beherbergen.»
Fashionspace hat Reiz: Heiße Fummel zu Schnäppchenpreisen aus aller Welt ergattern – wer möchte das nicht. Vielleicht ist unter den Jung-Designern sogar der ein oder andere spätere Star-Designer, das heißt der Nutzer könnte in zweifacher Hinsicht ein Schnäppchen machen. Außerdem: Wer etwas auf Fashionspace auswählt, wird nie erleben, dass die beste Freundin auf der Cocktail-Party im gleichen Kleid auftaucht.
Globale Kleider
Ein Geheimnis der sogenannten Social Networking Sites liegt in der Verknüpfung verschiedener Elemente: Sicher gab es auch vor Ebay Schnäppchenjagden und Auktionen. Aber Ebay-Erfinder Pierre Omidyar hat das beste von ihnen zusammengepackt, globalisiert und für jedermann erschwinglich gemacht.Auktionen waren vor Ebay etwas für die oberen Zehntausend, die sich bei Christie’s in London ein Fabergé-Ei ersteigern wollten. Jetzt steigert dank Omidyar ein weltweites Publikum auf der nicht-endenwollenden Suche nach dem günstigsten Auto-Ersatzteil oder Second-Hand-Designer-Möbeln. Bellms Konzept knüpft daran an. Es mache durchaus Sinn für eine Bluse die Weiten des Netzes zu durchkämmen, sagt sie. Denn es sei dem Käufer schließlich egal, ob der Verkäufer in Sydney oder Singapur sitzt.
Gestaltet ist Fashionspace ähnlich wie die Online-Versionen der Hochglanz-Modebibeln «Vogue» und «Elle»: farbenfroh, elegant und schick; voller Bilder von attraktiven Models in schrillen Outfits. Die Site wirkt ansprechend, ist übersichtlich und die Usability hoch.
Bald auch offline?
Eine News- und Eventsektion hält die Besucher über Aktuelles in der Modewelt auf dem Laufenden. Einzig mit dem Geld hapert es noch etwas: Für jedes verkaufte Kleidungsstück berechnet Holly zehn Prozent Kommission, die Tauschgebühr beträgt ein englisches Pfund (etwa 1,30 Euro). Anzeigen will sie später erst verkaufen. Die Einrichtung der Online-Boutique und die privaten Kleinanzeigen sind kostenlos.Bellm nimmt die Hürden der Gründerphase mit Humor: «Noch ist meine Wohnung das Fashionspace-Office und mein Privatleben ist vor die Hunde gegangen. Rock’n’Roll!» sagt sie lachend. «Aber ich hoffe, dass wir im Februar endlich in ein Büro in London umziehen können.»
Angesichts der extrem hohen Mieten in der britischen Hauptstadt ist allein das schon ein kühnes Vorhaben. Langfristig will die dynamische Jung-Unternehmerin sich nicht auf virtuelle Welten beschränken, sondern sich auch offline einen Namen machen. Es soll Stipendien für die besten Designer geben, Modenschauen der Fashionspace-Elite und vielleicht eine «Echtwelt-Boutique», in der die Modemacher mit ihren Kreationen vertreten sein sollen.
Und mit der Einführung der Rubriken Luxus, Boutique, High-Street, Second-Hand und Tausch soll die Website noch umfangreicher werden. Ehrgeizige Pläne. Bellm schließt: «Aber bitte noch etwas Geduld, wir sind ja noch ganz am Anfang.»