Fashionspace.com: Mode und mehr
25.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bellm, die selbst Make-up und Styling am London College of Fashion studiert hat, kennt die Sorgen und Nöte des Nachwuchses: «Meist verdingen sich Designer nach dem Studium für ein Taschengeld bei einem bekannten Label, um Erfahrungen zu sammeln. Dann versuchen sie es auf eigene Faust, aber das ist riskant. Fashionspace erlaubt Designern erstmal vorzufühlen. Sie können sich mit wenig Risiko einen Kundenstamm aufbauen, ähnlich das Musiker auf Myspace tun.»
Das klappt natürlich nur, wenn sich die Seite in der Modewelt einen großen Namen macht, und wenn sie eine große Community hat wie eben Ebay und Facebook. Dahin ist es aber noch ein weiter Weg.
Aber wird Mode nicht vor allem wegen des Labels gekauft? Oder weil Gott und die Welt damit herumlaufen? Investieren Unternehmen nicht Millionenbeträge in Werbung, damit alle Fußballfans die gleichen Sportschuhe tragen?
Die junge Britin niederländischer Herkunft ist der Ansicht, dass es für ausgefallene Kleidung durchaus einen Markt gibt: «Heutzutage wollen viele etwas Besonderes, etwas das sonst niemand hat. Es geht darum, individuell zu sein. Mode von der Stange ist out. Aus diesem Grund sind kleine Boutiquen und Straßenmärkte auch so beliebt. Wir sind alle auf der Suche nach dem Fummel, der Freunden ein 'Mensch, wo hast Du das denn her?' entlockt.»
Bis zu Facebooks 61 Millionen oder gar Ebays 250 Millionen Usern ist es noch ein weiter Weg, aber das schreckt Bell nicht: «Das Ziel ist, unsere Website zur Nummer Eins für Nachwuchs-Designer zu machen, außerdem wollen wir die meisten Online-Boutiquen der Welt beherbergen.»
Fashionspace hat Reiz: Heiße Fummel zu Schnäppchenpreisen aus aller Welt ergattern wer möchte das nicht. Vielleicht ist unter den Jung-Designern sogar der ein oder andere spätere Star-Designer, das heißt der Nutzer könnte in zweifacher Hinsicht ein Schnäppchen machen. Außerdem: Wer etwas auf Fashionspace auswählt, wird nie erleben, dass die beste Freundin auf der Cocktail-Party im gleichen Kleid auftaucht.
Auktionen waren vor Ebay etwas für die oberen Zehntausend, die sich bei Christies in London ein Fabergé-Ei ersteigern wollten. Jetzt steigert dank Omidyar ein weltweites Publikum auf der nicht-endenwollenden Suche nach dem günstigsten Auto-Ersatzteil oder Second-Hand-Designer-Möbeln. Bellms Konzept knüpft daran an. Es mache durchaus Sinn für eine Bluse die Weiten des Netzes zu durchkämmen, sagt sie. Denn es sei dem Käufer schließlich egal, ob der Verkäufer in Sydney oder Singapur sitzt.
Gestaltet ist Fashionspace ähnlich wie die Online-Versionen der Hochglanz-Modebibeln «Vogue» und «Elle»: farbenfroh, elegant und schick; voller Bilder von attraktiven Models in schrillen Outfits. Die Site wirkt ansprechend, ist übersichtlich und die Usability hoch.
Bellm nimmt die Hürden der Gründerphase mit Humor: «Noch ist meine Wohnung das Fashionspace-Office und mein Privatleben ist vor die Hunde gegangen. RocknRoll!» sagt sie lachend. «Aber ich hoffe, dass wir im Februar endlich in ein Büro in London umziehen können.»
Angesichts der extrem hohen Mieten in der britischen Hauptstadt ist allein das schon ein kühnes Vorhaben. Langfristig will die dynamische Jung-Unternehmerin sich nicht auf virtuelle Welten beschränken, sondern sich auch offline einen Namen machen. Es soll Stipendien für die besten Designer geben, Modenschauen der Fashionspace-Elite und vielleicht eine «Echtwelt-Boutique», in der die Modemacher mit ihren Kreationen vertreten sein sollen.

