Apples MacBook Air in der Luft zerrissen
17.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Tausende von Kritikern fühlen sich derzeit berufen, bloß kein gutes Wort über den neuen Computer zu sagen. Bündelt man die Kritik, die in Apple-, Notebook- oder Technikforen geäußert wird, so lässt sie sich vor allem in den Punkten mangelnde Ausstattung und schwierige Verbindung zu anderen Geräten zusammenfassen.
Zudem reflektiere das Display des Computers unter Lichteinfluss so stark, dass man am Bildschirm kaum noch etwas erkenne. Die Verbindung zu anderen Bildschirmen oder einem Fernseher sei ohne ein Adapter nicht möglich. Auch seien zwei Gigabyte Arbeitsspeicher zu wenig, zumal eine Erweiterung des Speichers nicht möglich sei, ohne das Gehäuse zu beschädigen und selbst am Mainboard rumzulöten.
Unzufriedenheit äußert sich auch beim Thema Akku. Fünf Stunden lang soll dieser nach den Angaben von Apple Strom liefern können. Zu wenig, meine viele. Der Akku sei fest verbaut, der Austausch durch einen Ersatzakku deshalb unmöglich. Als noch gravierender wird erachtet, dass der Besitzer das Notebook an Apple schicken muss, wenn der Akku nichts mehr taugt. «Apple lässt dem Kunden keine Möglichkeit, den 37-Wattstunden-Akku bei Bedarf zu entfernen oder auszutauschen, da er nicht von außen zugänglich ist», fasst das Portal «Winfuture» die Kritik treffend zusammen.
Der fehlende Ethernet-Anschluss hat es «Standard.at» angetan: «Der fehlende Ethernet-Anschluss mag zwar wegweisend sein, wenn es allerdings über den schnellen Austausch großer Datenmengen über das Netzwerk geht, könnte es aufgrund der geringen Verbreitung des 802.11n-WLAN-Standards zu etwas längeren Wartezeiten kommen. Wer deshalb auf Ethernet nicht verzichten will, braucht einen optionalen USB-Ethernet-Adapter.»
Auf ein CD-Laufwerk hat Apple beim Air verzichtet. Auch dazu hat «Standard.at» einiges einzuwenden: «Ohne Laufwerk können unterwegs auf die Schnelle keine DVDs oder CDs eingelesen oder Back-ups auf optischen Datenträgern erstellt werden. Dadurch ist das Air abhängig von einer passenden Netzwerkanbindung oder einem externen Brenner und einer externen Festplatte.» Selbst zur Installation von Microsofts Windows benötige man ein externes Laufwerk.
Bei der Präsentation des neuen Computers legte Steve Jobs großen Wert darauf, dass Air etliche Forderungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace erfülle. Das Aluminium-Gehäuse des Geräts sei gut zu recyceln, das LC-Display komme ohne Quecksilber und Arsen aus und die Verkabelung im Inneren sei weitgehend PVC-frei.
Wie das US-Fachmagazin «Wired.com» am Mittwoch berichtete, ist aber Greenpeace nur mäßig beeindruckt. «Apple wird grüner, ist aber noch lange nicht grün genug», sagte Rick Hind, der bei Greenpeace USA eine Anti-Gift-Kampagne leitet. Das MacBook Air beinhalte zwar weniger giftiges PVC und auch weniger bromhaltige Flammschutzmittel. Doch weniger beudeute nicht keine. Jobs aber habe in einem offenen Brief angekündigt, bis zum Ende des Jahres 2008 in der Geräteproduktion gänzlich ohne Gifte auszukommen. Nur daran sei Apple zu messen.
Das Motto der diesjährigen Computermesse Cebit, die vom 4. bis zum 9. März in Hannover stattfindet, lautet «Green IT». Was auch immer damit gemeint sein mag, es klingt jedenfalls besser als «Das dünnste Notebook der Welt». Und besser als das «dümmste» sowieso.
Für das Web ediert von Maik Söhler

