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Wie der PC zum kreativen Schreibstudio wird

15. Jan 2008 15:48
Will Kreativität entfalten: das Schreibprogramm Scrivener
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Für manche sind Computer nur bessere Schreibmaschinen. Dabei können sie mehr, gerade wenn es um die Arbeit mit der Sprache geht. Spezielle Programme helfen Schreibenden bei der Umsetzung von Ideen in Text.

Office-Anwendungen sind gut darin, Texte in die gewünschte Form zu bringen. Es ist ihnen aber herzlich egal, wenn ein Anwender stundenlang auf den leeren Bildschirm starrt, weil ihm einfach nichts einfällt. Zur Unterstützung des kreativen Schreibprozesses gibt es Programme, die den Weg vom Gedanken zum Text mit einer möglichst förderlichen Umgebung unterstützen wollen. Zielgruppe sind vor allem Studenten und Wissenschaftler, Journalisten und Schriftsteller.

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Zu den kleinen, aber überzeugenden Besonderheiten dieser Programme gehört das Schreiben im Vollbildmodus: Alle störenden Bildschirmfenster oder Symbolbildchen auf dem Desktop werden ausgeblendet, damit man sich ganz aufs Schreiben konzentrieren und einen Geistesblitz sofort festhalten kann.

Noch wichtiger aber ist es, alle Informationen bereitzustellen und übersichtlich aufzubereiten, die für das Schreiben benötigt werden. Anstatt dafür verschiedene Programme zu öffnen und zwischen den Fenstern hin und her zu springen, sollen diese Materialien jederzeit verfügbar sein.

Scrivener

Diese Anforderungen erfüllt das Programm Scrivener, das sich als «virtuelles Schreibstudio» versteht. Leider nur für den Mac verfügbar, stellt es ähnlich wie eine «integrierte Entwicklungsumgebung» (IDE) für Programmierer alle Daten eines Schreibprojekts zusammen und speichert diese in einer einzigen Archivdatei. Sobald die Projektdatei geöffnet wird, stehen somit alle Daten zur Verfügung: das Manuskript, möglicherweise mit mehreren Kapiteln, Konzept, Gliederung und Literaturverzeichnis, Informationen in Form von anderen Texten, PDF-Dateien, Fotos, Filmen oder Audio-Aufzeichnungen.

All diese Materialien werden in einer Art Datei-Explorer am linken Bildschirmrand aufgeführt. Es genügt lediglich ein Mausklick, um sie im Arbeitsbereich anzuzeigen und sie dann bearbeiten zu können. Damit die Übersicht nicht verloren geht, kann man allen Dateien Schlüsselwörter und eine Zusammenfassung zuweisen und sie als Karteikarten auf einer Korktafel darstellen.

Schnappschüsse

Beim Schreiben wird jederzeit die Anzahl der Wörter und Zeichen angezeigt. Je nach Artikel- oder Buch-Layout berechnet das Programm auch die Anzahl der Seiten. Die selbst geschriebenen Texte werden stets automatisch gespeichert, so dass man sich darum keine Gedanken machen muss. Um verschiedene Versionen eines Textes festzuhalten, können einzelne «Schnappschüsse» erstellt werden.

Für das Schreiben im Vollbildmodus lässt sich der Hintergrund ganz oder teilweise abblenden und mit unterschiedlichen Farben gestalten. Scrivener ist das Werk des Londoner Entwicklers Keith Blount und kostet rund 29 Euro. Ob es das wert ist, kann man 30 Tage lang kostenlos testen.

Ein ähnliches Programm aber ganz mit dem Schwerpunkt auf das Schreiben im Vollbildmodus ist WriteRoom, ebenfalls für den Mac zum Preis von 17 Euro. Ein weiteres Mac-Programm fürs kreative Schreiben, Ulysses, unterstützt zum Preis von 80 Euro unter anderem das gleichzeitige Öffnen mehrerer Texte in Form von Reitern (Tabs) und bietet ausgefeilte Layout-Funktionen.

Phrasen-Scanner

Für Windows-Nutzer bietet PageFour ähnliche Funktionen wie Scrivener. Interessant ist hier eine Art Phrasen-Scanner, der einen Text darauf überprüft, wie oft bestimmte Wendungen vorkommen. Die Software macht den Schreiber so darauf aufmerksam, wenn sich unbewusst eine bestimmte Stilmarotte in seine Texte eingeschlichen hat.

Dies funktioniert in dem englischsprachigen Programm auch mit deutschen Texten. Am linken Bildschirmrand werden die Phrasen zusammen mit ihrer Häufigkeit aufgelistet. Ein Doppelklick auf eine Wendung zeigt die erste Stelle im Text an, mit der F3-Taste kann man zu den weiteren Stellen springen. Auf die gleiche Weise lässt sich eine Wörterliste erstellen und nutzen. PageFour kostet umgerechnet rund 24 Euro; die kostenlose Testversion ist auf drei Schreibprojekte (»Notebooks») und maximal 60 Seiten beschränkt.

Das belletristische Schreiben will das Windows-Programm WriteWay unterstützen. Hier kann man gezielt die Figuren eines Romans entwickeln und mit bestimmten Eigenschaften versehen. Die Software unterstützt Schriftsteller außerdem beim Organisieren ihrer Handlungslinien und Kapitel. Das Programm gibt es in einer Standardversion für umgerechnet 26 Euro und in einer Profi-Version für 53 Euro.

In Schreib-Werkstätten wird den Teilnehmern geraten, sich im Arbeitszimmer und auf ihrem Schreibtisch eine möglichst angenehme und ablenkungsfreie Atmosphäre zu schaffen. Die Schreibprogramme übertragen diese Empfehlung auf die Textentstehung am Computer. Weil es letztlich eine sehr persönliche Entscheidung ist, in welcher Atmosphäre man sich am wohlsten fühlt, sollte der kreative Schreiber am besten eine Reihe von Programmen ausprobieren. (Peter Zschunke/AP)


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