Ein Jahr Windows Vista ein Jahr voller Kritik
14.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
«Perfekt ist es jedoch nicht.» So gab es im ersten Jahr Caspers zufolge rund 20 bedeutende Schwachstellen. Sie hätten zu ernsthaften Problemen führen können, wenn Microsoft nicht entsprechende Updates angeboten hätte. Dabei zielen die Angreifer immer weniger direkt auf das Betriebssystem, sondern nutzen vermehrt Lücken in Anwendungen wie dem Browser.
Nach Vahldieks Ansicht müsste UAC dahingehend verbessert werden, dass die Zahl der nötigen Mausklicks deutlich verringert wird. Zudem sei es nötig, die Informationen, die das System gibt, genauer zu formulieren. «Da werden mitunter nur kryptische String-IDs genannt. Damit können viele Nutzer nichts anfangen.» Dass UAC nicht optimal ist, sieht auch Caspers vom BSI so: «Das wird von vielen Nutzern gleich deaktiviert.» Das wiederum hat Folgen, die Laien nicht absehen können: «So verliert der Internet Explorer 7 dann zum Beispiel den geschützten Modus.»
Microsoft beurteilt Vista insgesamt sehr positiv. Doch dass die Einführung nicht für alle Nutzer reibungslos vonstatten gegangen ist, sieht auch der Hersteller: «Vor allem mit älteren Programmen und älterer Hardware könnte es manchmal Probleme geben», sagt Produktmanager Andreas Schönberger. Allerdings gebe es immer weniger entsprechende Anfragen beim Support.
Unzufrieden sind die Experten mit Vistas Performance: Nimmt man die gleiche Hardware als Basis, ist das Betriebssystem nach Worten von Thomas Caspers langsamer als XP und die populäre Linux-Version Ubuntu. «Unter Vista lässt das Tempo zu wünschen übrig», sagt auch Axel Vahldiek. Zip-Dateien zu entpacken zum Beispiel dauere manchmal quälend lange.
Nennenswerte neue Funktionen werde das Service Pack 1 nicht bringen, sagt Schönberger. Dafür verschwindet der sogenannte Reduced Functionality Mode (RFM) mit dem Update aus dem System - worüber sich mancher Anwender freuen dürfte: RFM sorgt bisher dafür, dass sich das System quasi nicht mehr nutzen lässt, wenn der Anwender es nicht binnen einer bestimmten Frist mit dem Lizenzschlüssel registrieren lässt.
Auch wenn der Nutzer nach Ansicht des Herstellers eine ungültige Lizenz hat, tut RFM bislang seinen Dienst. «Der Reduced Functionality Mode war inakzeptabel», sagt Thomas Caspers vom BSI. Schließlich sei es möglich, dass sich Microsoft bei der Identifikation der Lizenz irrt.
Die sogenannte Haupt-Support-Phase für Windows XP läuft erst im April 2009 aus. Bis dahin enthalten Updates dieses Betriebssystems neben Sicherheits-Patches teilweise auch noch neue Funktionen oder Leistungssteigerungen. Das dritte und wohl letzte Service Pack für Windows XP soll es laut Schönberger in der ersten Jahreshälfte 2008 geben. Die erweiterte Support-Phase dauert sogar bis April 2014 - so lange wird Microsoft noch sicherheitsrelevante Updates für Windows XP liefern.
Microsoft weist die Kosten für die Entwicklungt von Vista mit sechs Milliarden Dollar aus. Das Wirtschaftsmagazin «Businessweek» spricht dagegen von zehn Milliarden, einer fünfjährigen Entwicklungszeit und der Mitarbeit von 10.000 Microsoft-Angestellten. Die verschiedenen Versionen des Programms kosten in Deutschland derzeit zwischen 79 und 379 Euro. (nz/dpa)

