Vorratsdatenspeicherung: Blogger klagen mit 08. Jan 2008 07:56  |  Verschiedene Privatsphäre: Demonstration gegen die Vorratsdatenspeicherung in Hamburg | Foto: Sebastian Widmann dpa/lno |
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Die Vorratsdatenspeicherung ist da, aber die Blogger geben sich nicht geschlagen. Außerdem: Der einst populärste Browser ist wieder einmal tot. Ist das Netz antikapitalistisch? Der Blogblick.
Neue Widerwärtigkeiten tragen erst einmal recht lange oder komplizierte Namen. Irgendwann werden sie abgekürzt. Aus dem Immunschwächevirus wurde «HIV», aus dem Rinderwahnsinn «BSE». Die Vorratsdatenspeicherung heißt nun bei Netzaktivisten kurz
«VDS».
Das umstrittene Gesetz ist am Jahresanfang in Kraft getreten. Die Blogger geben sich jedoch nicht geschlagen.
teilnehmer1 vom teilnehmer.ws-blog ist «richtig stolz, einer der 30.000 Leute zu sein, die die Verfassungsbeschwerde einreichen. Damit nutze ich eins meiner Rechtsmittel, um die Gesellschaft, in der ich lebe, zu verbessern. Das fühlt sich angenehm produktiv und
richtig an.»
Auch Oliver Berger hat sich der Verfassungsbeschwerde angeschlossen. Wie viele andere Blogger in diesen Tagen weist er darauf hin, wie die staatliche Überwachung unterlaufen
werden kann:
«Seit gestern benutze ich übrigens wieder JAP (JAVA Anonymizing Proxy) bzw. JonDo der TU-Dresden in Kombination mit einer Mischkaskade des CCC.»
Kai Raven, Ravenhorst, beschreibt weitere
Möglichkeiten:
«Man könnte sich zum Beispiel auch selbst E-Mails mit gefälschten Absenderheadern senden, wobei in den Absender-Adressen genau die Personen ihren Auftritt haben, die uns die Vorratsdatenspeicherung und Online-Durchsuchung aufs Auge drücken wollen, entweder per Remailer oder auf anderen Wegen.»
Jochen Hoff, Duckhome, zum selben
Thema:
«Gebt ihnen Datenspuren. Je mehr Datenspuren desto besser. Glücklich wer eine Telefonflatrate hat. Der kann sein Telefon ständig beliebige Nummern wählen lassen.»
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat in einem Interview bekräftigt, die Vorratsdatenspeicherung dürfe «nicht der Befriedigung zivilrechtlicher Ansprüche der Musikindustrie»
dienen.
J. Melchior, Schnüffelblog, hält
dagegen,
dass dies sehr wohl möglich sei, «nämlich auf dem einfachen Wege, dass die Musikindustrie Strafanzeige gegen illegale Up- bzw. Downloader erstattet, die Staatsanwaltschaft dann pflichtschuldigst die Daten abfragt, die dann der Industrie spätestens bei der Akteneinsicht zur Verfügung stehen.»
Die Vorratsdatenspeicherung scheint bereits die Arbeit von Anwälten und Journalisten zu behindern. Udo Vetter, Lawblog, schildert die Angst eines möglichen
Mandanten:
«Wer weiß, vielleicht begründet der Anruf bei einem Verteidiger, zu dem ja noch kein Mandat besteht und möglicherweise auch keines zustande kommt, ja demnächst sogar einen Anfangsverdacht.»
Vetter antwortet dem Ratsuchenden: «Wenn Sie nach Düsseldorf kommen können, ist ein persönliches Gespräch am besten. Ansonsten kann ich Ihnen auch eine telefonische Rücksprache anbieten. Wenn Sie Sorgen wegen der Vertraulichkeit des Telefonats oder der Speicherung von Verbindungsdaten haben, können Sie oder eine Person Ihres Vertrauens die Beratungskosten auch vorab auf unser Konto einzahlen, zum Beispiel bar bei der Postbank. Ich müsste Sie dann am Telefon nicht nach persönlichen Daten fragen. Sie könnten mich zum Beispiel von einem öffentlichen Fernsprecher anrufen.»
Sascha vom Augsblog beschreibt den veränderten Arbeitsalltag des
Journalisten:
«Ein Kollege aus der Redaktion hat sich für morgen abgemeldet. Zwei bis drei Stunden lang werde er abwesend sein, schätzt er. Er muss nämlich zu einem Gespräch mit einem Informanten. Der will nicht mehr mit ihm sprechen. Zumindest nicht am Telefon.»
Ein Browser geht. Ein anderer kommt und kommt und kommt. AOL stellt die Entwicklung des Netscape Navigators ein. Das accessBlog weint dem Verlierer des
Browserkriegs
nicht
nach:
«Danke Netscape, es war nicht immer schön mit dir. Was einmal für viele Nutzer den ersten Schritt ins Netz bedeutete, war in den letzten Jahren zum Browser dritten Grades verkommen.»
Icab ist ein Browser nur für den Mac, der seit 1999 existiert. Obwohl das Programm voll funktionsfähig ist,
bezeichnen
es die Entwickler immer noch als «nicht abgeschlossen». Jetzt wurde Version 4.0 freigelassen. Ulfrinn von Grundsteinlego gibt einen technischen Abriss der «altehrwürdigen» Blättermaschine, kommt aber über die Oberfläche nicht
hinaus.
Wegen eines Netzwerkfehlers schafft Icab es bei ihm nicht ins Internet. Ulfrinn verspricht: «Wenn dieser Fehler behoben ist, mache ich mich gerne an den zweiten Teil dieses Testberichtes (inklusive der erweiterten Funktionen).»
Der Schockwellenreiter dagegen schafft es mit dem Apfel-Taxi ins Netz und stellt
fest:
«Meinen ersten Tests nach ist das Teil ziemlich schnell.»
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Anhang
Ben_ von Anmut und Demut stellt eine
steile These
in den Cyberspace: «Das Netz an sich ist antikapitalistisch oder hat zumindestens eine antikapitalistische Eigentendenz.» +++ Ker0zene hat Knochenmark
gespendet
(
wir berichteten
von den Vorbereitungen): «Im Rücken habe ich das Gefühl, das ich schon mal mit acht Jahren hatte, als ich im Freibad auf einer Treppe ausrutschte und alle Stufen mit dem unteren Rücken mitnahm.» Dann spricht er mit seiner Kontaktperson bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei: «Sie teilt mir mit, das ein unter akuter lymphatischer Leukämie leidender Junge aus Norwegen mein Knochenmark erhalten hat. Er ist sechs Jahre alt.» +++ Ein anderer Name für Honigeis?
Bee Cool.
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Bov Bjerg.
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