Gegen Kinderpornos und mehr: Jugendschutz.net
07.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
«Das Hauptproblem sind pornografische Inhalte», sagt Schindler, der die Einrichtung leitet. Die Internet-Fahnder von jugendschutz.net stoßen aber auch auf viele andere jugendgefährdende Inhalte: So wird auf bestimmten Webseiten die Magersucht verherrlicht. In anderen Internetforen gibt es genaue Anleitungen, sich das Leben zu nehmen. Aber auch rechtsextreme Seiten, Internet-Chats - in denen Kinder und Jugendliche belästigt werden könnten - oder Online-Communities wie «Second Life» stehen im Visier der Mainzer Internet-Fahnder.
«Man denkt, man hätte schon alles gesehen. Aber es gibt immer noch Überraschendes», erzählt der 53-jährige Schindler. So entdeckten die jugenschutz.net-Mitarbeiter vor kurzem ein Musikvideo mit einem achtjährigen Mädchen - das Kind war geschminkt, bekleidet mit einem Minirock und wurde als Opfer von Pädophilen dargestellt. Auch wenn das Video eigentlich als Protest gegen die Vergewaltigung von Kindern gemeint war: «Da ist man erst einmal sprachlos, auf welche Ideen Eltern kommen», sagt Schindler, auf dessen Schreibtisch Bilder von seinen eigenen Kindern stehen.
Die Internet-Fahnder von jugendschutz.net arbeiten immer als Team. Das helfe bei der Beurteilung möglicherweise jugendgefährdender Internetseiten, erklärt Schindler. Aber es ist auch nötig, um die teils schlimmen Bilder zu verkraften und zu verarbeiten - «die seelische Hygiene», wie es Schindler nennt. «Wichtig ist, dass man eine professionelle Distanz dazu entwickelt.» Wer einen Fall aufdeckt, bearbeitet ihn auch bis zu dessen Ende - in etwa 80 Prozent der Fälle kommt es zu einem Erfolgserlebnis: Die Inhalte werden entfernt oder die Webseite aus dem Netz genommen. «Das motiviert natürlich», meint Schindler.
Dass jugendschutz.net im Keller des Mainzer Medienhauses beheimatet ist, wirkt fast schon symbolisch: Denn Schindler und seine Leute bewegen sich auch bei ihrer Arbeit im Untergrund. Ins Rampenlicht treten wollen sie gar nicht, denn das hat Risiken.

