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Wenn der Laptop zweimal klingelt

04. Jan 2008 15:32
Man kann auch auflegen: Telefonieren mit Skype
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Voice over IP, das Telefonieren übers Internet, wird immer beliebter. Burkhard Schröder hat beim Marktführer Skype einige Tücken festgestellt und präsentiert - nicht nur deshalb - Alternativen.

Teure Ferngespräche ins Ausland oder mühsam die Vorwahl von Wladiwostok oder Port Moresby suchen? Das muss nicht sein. Heute kann jeder bequem im Internet telefonieren - mit und ohne Bild des Gesprächspartners auf dem Monitor. Die Tücken der Internet-Protokoll-Telefonie (abgekürzt: Voice over IP oder VoIP) liegen jedoch im Detail.

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Zehn Millionen Menschen nutzen Skype – den Marktführer im Bereich Internet-Telefonie. Können die Massen irren? Konnte Ebay irren, als es Skype aufgekauft hat? Die kostenlose Software läuft auf allen Betriebssystemen, der Nutzer kann von PC zu PC telefonieren, aber auch, gegen Bezahlung, ins normale Telefonnetz; man kann Skype zum Instant Messaging, zum Chat und für Videokonferenzen nutzen. Skype ist, wenn man die angebotene Verschlüsselungsfunktion einschaltet, auch abhörsicher - ganz im Gegensatz zu Handys und herkömmlichen Telefonen.

Skype

Skype hat aber nicht nur ein Problem. In vielen Unternehmen ist es verboten, weil das Sicherheitsrisiko zu groß erscheint. Die Software verhält sich zu Firewalls und Routern wie ein Nashorn, wenn es in Wut gerät: Sie bohrt Löcher hinein, damit auch der dümmste anzunehmende Nutzer bequem plaudern kann und nicht erst in den digitalen Eingeweiden fummeln muss.

Wer sich um die Konfiguration der Privatsphäre nicht kümmert, könnte sich versehentlich von fremden Menschen abhören lassen. Eine Firma, die Skype einsetzte, verlöre auch die Kontrolle über den Datenverkehr. Deshalb raten Wirtschaftsverbände davon ab.

Security by obscurity

Der größte Nachteil von Skype ist prinzipieller Natur: Das Programm ist proprietär – also nicht kompatibel mit freier Software -, und der Gesprächspartner darf keine andere VoIP-Software nutzen. Die Innereien von Skype - der Quellcode - sind ohnehin ein Betriebsgeheimnis. «Security by obscurity» nennt man das System im Hacker-Milieu. Im Internet kursieren detaillierte Analysen wie «Silver Needle in the Skype», die die Schwachstellen der Software aufzeigen.

Für politisch denkende Zeitgenossen ist Skype ähnlich igitt wie Googles E-Mail-Dienst: Nutzer von Skype aus China bekommen einen Textfilter vorgesetzt, der bestimmte Worte nicht durchlässt. «Falun Gong» und «Dalai Lama» sind als verboten gesetzt. Diese Zensur kann nur funktionieren, weil die Betreiberfirma die Möglichkeit ab Werk eingebaut hat, die Gespräche mitzuprotokollieren und zu belauschen.

Das alles wird den normalen Nutzer nicht abschrecken. Der installiert manchmal sogar eine Webcam im Schlafzimmer, weil er nichts zu verbergen hat und nutzt das bekannte Betriebssystem eines rothaarigen Multimilliardärs, bei dem alle relevanten Sicherheitsfeatures ab Werk ausgestellt sind.

Alternativen

Es gibt jedoch kostenlose Alternativen für Skype, mit denen es sich zu beschäftigen lohnt. Vorausgesetzt sind ein schneller Internet-Anschluss, ein nicht allzu lahmer Rechner und - will man Videotelefonie - eine Webcam, die nicht aus einem Museum für Verkehr und Technik stammen sollte sowie ein Headset.

Eine prinzipielle Frage stellt sich, wie schon bei Skype, gleich am Anfang: Mit welcher Software ist die gewählte kompatibel? Müssen die potenziellen Gesprächspartner umständlich neue Programme installieren oder gar ein ganzes Betriebssystem? Der Trend ist eindeutig: Die gängigen Instant-Messaging-Clienten entwickeln sich immer mehr zu digitalen Allroundern und können neben dem Chat auch VoIP und Videotelefonie.

Jabber

Die populärste Variante ist Jabber, eine Open-Source-Lösung, die auf allen Betriebssystemen läuft und für die zahlreiche Anwendungen existieren. Der Nachteil: Bei Videotelefonie per MacIntosh kann nur das Programm iChat mit Jabber kommunizieren - in der OS-Version Leopard ist iChat aber schon enthalten. Wer mit Windows Jabber zum Videochat nutzen will, ist auf die Software Neos mt angewiesen.

Zudem kann man bei den vielen Möglichkeiten, Versionen und Clients leicht den Überblick verlieren. Ein Computerlaie wird schnell verzweifeln, wenn die Webcam die VoIP-Software nicht erkennen will, der Ton selbst bei der benutzerfreundlichen Linux-Version Ubuntu nicht zu hören ist, weil man erst per Kommandozeile die Soundkarte manuell entladen muss, oder ihm ein Spaßvogel für Jabber das Programm Jabberwocky empfohlen hat, das aber nur noch auf einem Amiga läuft.

Für ganz Bequeme bieten sich überraschend Lösungen an, für die man keine Software installieren muss, sondern die man schlicht mit einen Browser bedient. Man kann also auch im Internet-Café oder am Arbeitsplatz VoIP und eventuell sogar Video-Telefonie nutzen. Wer ein MacBook oder ein iMac besitzt, braucht noch nicht einmal eine Webcam: die eingebaute Kamera ist gut genug und oft besser als externe Lösungen. Bei der Qualität muss man aber - im Verglich zu Skype - meistens erhebliche Abstriche machen.

Weitere Anbieter

Erste Wahl für Browser-Videotelefonie ist Wengomeeting: Man meldet sich auf der Website an und lädt die Partner per E-Mail ein. Der Konferenzraum wird einem automatisch zugewiesen. Ähnlich - aber mit weniger Sicherheit - funktioniert MeBeam. Die beteligten Rechner geraten aber schnell an ihre Kapazitätsgrenze, und der gute alte Textchat ist bei Ton- oder Bildausfall leider gar nicht vorgesehen.

Also doch Skype? Der Marktführer verlässt sich auf den Lock-In-Effekt: Die Verbraucher gewöhnen sich an eine bestimmte bequeme Technik, die für sie zunächst kostenlos ist. Allein die Masse der Nutzer erzeugt einen Sog, der andere dazu verführt, sich ebenfalls das Programm zuzulegen. Wenn der Dienst dann kostenpflichtig wird oder bestimmte Funktionen - wie das Telefonieren in andere Netze - zu überhöhten Preisen angeboten werden, akzeptieren das die meisten Kunden klaglos.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und loggt sich dort ein, wo seine Cookies schon immer eine kommerzfreundliche Spur gelegt haben.


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