«4/6 lfm tank und dd»: Wie PC-Spieler sprechen
02. Jan 2008 11:34
 |  Ganze Sätze gehen auch: Sprechblasen im Chat von Online-Spielen | Foto: Michael Wenda/dpa/tmn |
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Add, Wipe, Noop und NPC: Wer hier nur Bahnhof versteht, war noch nie in einem der weit verbreiteten Online-Rollenspiele wie «World of Warcraft». Die Sprachwelt der Gamer ist seltsam, aber auch nützlich.
Wenn der Tank die Aggro nicht hält, sieht es speziell für die Stoffies unter den dd's schlecht aus. Kommt dann noch Add dazu, ist ein Wipe programmiert. Erfahrene Online-Spieler werden eine solche Feststellung mit müdem Kopfnicken als Tatsache bestätigen. Dagegen dürften Laien nur Bahnhof verstehen.
Online-Spiele haben sich nicht nur zum Hobby für Millionen von Menschen entwickelt. In den Spielwelten ist ganz nebenbei auch eine Sprache entstanden, die die Verständigung untereinander vereinfacht. Neueinsteiger finden sich schneller zurecht, wenn sie zumindest einige Basisbegriffe und Zusammenhänge beherrschen. Von den unterschiedlichen Arten an Online-Spielen verbuchen die Hersteller mit den MMORPG die größten Erfolge. MMORPG, das steht für Massive Multiplayer Online Role Playing Games – Online-Rollenspiele mit sehr vielen Spielern, die ihre virtuellen Charaktere, kurz Chars oder auch Avatare genannt, durch die Fantasy-Welten bewegen. Das kann jeder Spieler für sich allein tun. Doch Spaß macht es vor allem in der Gruppe. Und die dafür nötigen Mitspieler werden am besten über den Chat gesucht, über den jedes Spiel verfügt.
Spieler gesucht
Ist dort «4/6 lfm tank und dd» zu lesen, heißt das nicht in erster Linie, dass es sich beim Autoren um eine schreibfaule Person handelt. Vielmehr hat er mehrere Informationen zusammengefasst: Ausgeschrieben bedeutet der Buchstaben- und Zifferncode, dass sich bereits vier Spieler für eine gewünschte sechsköpfige Gruppe gefunden haben (4/6). Sie suchen nach weiteren Mitgliedern für ihre Gruppe (lfm - looking for more). Wer sich dazugesellt, sollte entweder ein Tank oder ein dd sein, ein Damage Dealer. Tank und dd's - dahinter verbirgt sich die typische Unterscheidung der Klassen, die die Spieler für ihre Figur anfangs auswählen können. Schließlich dreht sich bei Online-Spielen ein Großteil des Ablaufes darum, fiese Monster zu vermöbeln. Die wiederum werden meist nur Mobs genannt, was eigentlich Mobile Object bedeutet.
Damit das Vermöbeln klappt, steht weit vorne meist ein Krieger in dicker Rüstung, der die Prügel von dem Monster einsteckt - der Tank (Panzer). Damit er das lange genug durchhält, stehen im Hintergrund die Heiler, die mit Zaubersprüchen seine HP (Health Points, Lebenspunkte) im grünen Bereich halten. Währenddessen sorgen die Damage Dealer, die Schadensaussteiler, mit reichlich dps (Damage per Second, Schaden pro Sekunde) dafür, dass es sich mit den HP des Monsters genau umgekehrt verhält.
Monster und Menschen
Dabei kommt es dann darauf an, dass der Tank die Aggro hält - das Monster seine Aggressionen also auslebt, indem es nur auf dessen Rüstung einprügelt. Wenn aber dummerweise ein in dünne Leinengewänder gehüllter Stoffie unter den dd's «Aggro zieht» und Schläge einstecken muss, wird diese Spielfigur schnell leblos auf dem Boden liegen. Und dann ist da noch der Add: Dieser Begriff ist die Abkürzung von Additional - zusätzlich. Im Spielverlauf bedeutet er, dass sich ein weiteres Monster in den Kampf einmischt. Ergebnis ist nicht selten ein Wipe: Nicht die Monster bekommen Haue, sondern die Gruppe. Alle Charaktere liegen am Boden - man könnte mit ihnen den Boden wischen.
Nicht immer ist daran aber ein Add schuld: Online-Spiele leben davon, dass Menschen miteinander spannende Dinge erleben. Nur sind Menschen eben auch nur Menschen. Tippt ein Spieler im Chat «bio», hat das in der Regel zur Folge, dass seine Figur bewegungslos in der Onlinewelt steht, während der Spieler afk (away from keyboard, nicht an der Tastatur) im Badezimmer einem dringenden biologischen Bedürfnis nachgeht. Kommt er zurück, meldet er das mit einem «re» für return und wird von höflichen Mitspielern mit «wb» begrüßt: welcome back - willkommen zurück!
Vom Noob zum Held
Mit Glück ist die gerade besiegte Gruppe nicht völlig ausgelöscht, weil der Rückkehrer seinen Char in sicherem Abstand geparkt hatte. Mit noch mehr Glück hat dieser Char die Fähigkeit, die anderen zu «rezzen» - wiederzubeleben. Vielleicht waren sogar alle Mitglieder der Gruppe mit dem gleichen Auftrag - einer Quest - unterwegs, den sie nun erfüllt haben. Dann können sie zurück zum NPC (Non Player Character, eine nicht von Spielern bewegte Figur), der ihnen den Auftrag gegeben hat.
Die Erfüllung bringt XP (Experience Points, Erfahrungspunkte) ein - für den Fortschritt der eigenen Figur. Dazu gibt es oft noch eine Belohnung, die aber oft bop ist (bound on pickup, gebunden beim Aufnehmen): Der Gegenstand bleibt an diese eine Spielfigur gebunden. Es besteht also keine Möglichkeit, sie mit einem «wts» (want to sell, möchte verkaufen) im Chat an andere Spieler zu verhökern. Steht der Spieler nach überstandenem Abenteuer allein da, kann er sich bei Bedarf jederzeit wieder auf «lfg» setzen (looking für group, suche nach Gruppe), um möglichst schnell wieder mit anderen durch die Welt zu ziehen. Weitere Schlüsselbegriffe aus Online-Rollenspielen sind «Lag», durch technische Probleme verursachter Zeitabstand zwischen der vom Spieler gewählten Aktion und deren Ausführung durch die Figur im Spiel, «LD» oder «Linkdead» - die Verbindung zwischen Computer und Spielwelt wurde unterbrochen - und PVP, Player versus Player: Hier kämpfen Spieler auch gegeneinander.
So fremd manche dieser Begriffe und Abkürzungen auch klingen: Nach einigen Ausflügen mit anderen Spielern wird auch aus dem unerfahrensten Noob (Newbie, Neuling) ein erfahrener Held. Er kann dann den nächsten Neueinsteiger bei seinen ersten Schritten durch die Sprachwelt der Online-Rollenspiele unterstützen. (Heiko Haupt/dpa)