netzeitung.deWas 2007 die Blogger bewegte

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Der Blogblick sagt Tschüss für 2007 und steht ab dem 1. Januar 2008 wieder bereit: Feuerwerk am Bildschirm (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der Blogblick sagt Tschüss für 2007 und steht ab dem 1. Januar 2008 wieder bereit: Feuerwerk am Bildschirm
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein Jahresrückblick ohne Schampus, aber mit Hassbambi. Die besten Schriften, Trends und Schlussworte des Jahres 2007. Außerdem: Abschied von Bochum. Wegen Weihnachten diesmal schon früher - der Blogblick.

Den aufwendigsten Rundumschlag zum Jahresende, so richtig mit Überlegung vorneweg, Ausstrahlung im Internetfernsehen und allen Schikanen, brachten? - sendeten? - rundumschlugen? - Franziska Bluhm, Daniel Fiene und Thomas Knüwer: «Blogger 2007 - der Jahresrückblick (garantiert JBK-frei)».

«Bis zu 114 Menschen», heißt es dort, sahen gleichzeitig den mutmaßlichen (es existiert keine Aufzeichnung) Höhepunkt bloggerischen Kulturschaffens: «eine Gala, wie es sie nur in Klein-Bloggersdorf geben kann: Kein roter Teppich, Bionade statt Schampus, gelegentliche Bildausfälle und eine Jury 2.0 die so objektiv eingestellt ist wie Wolfgang Schäuble in Sachen Internet.»


Die Jury vergab «Goldene Blogger» in einer Vielzahl von Kategorien: Wolfgang «ich komme in keinen Computer rein», auch bekannt als Wolfgang «Onlinedurchsuchung» oder Wolfgang «Vorratsdatenspeicherung», kurz: Wolfgang «Stasi 2.0» Schäuble, wurde als wichtigster Inhaltelieferant ausgezeichnet. Ein Blog, das es überhaupt nur auf drei Einträge brachte, erhielt den Blogbambi für den Eintrag des Jahres.

Norman E. Mailer, «freier Autor aus Berlin», interpretiert darin ein digitales Meisterwerk: den Newsroom der Welt-Gruppe: «Unterstützt wird die maschinelle Unerbittlichkeit des auf die Zukunft gerichteten Prozesses durch die Exponiertheit der technischen Bildschirmaufhängungen, die mit ihren kalten Industriefarben (grau und metall) auf das Fließband als Vorbild tayloristischer Produktionsweisen deuten.»

Den Hassbambi erhält sueddeutsche.de. Der Online-Auftritt der Münchner wurde 2007 regelmäßig zum Gespött der Blogger. Die Qualitätszeitung brillierte im Netz nicht nur mit bedeutungsarmen Symbolfotos und sinnreduzierten Klickstrecken («237 Gründe, warum Menschen Sex haben», «Die 100 besten Biere der Welt»).

Sondern auch mit weitgehend ahnungslosen Chefs: «'Online-Journalisten', giftet mancher Print-Kollege, 'sind keine richtigen Journalisten'. Und im Falle von Bernd Graff, dem stellvertretenden Chefredakteur des Online-Auftrittes der 'Süddeutschen Zeitung' bin ich fast geneigt, diesem Vorurteil Recht zu geben.»

Weitere Rückblicke: Die Bibliothekarinnen und Bibliothekare vom netbib weblog listen die meistgelesenen Beiträge des Jahres auf - Zeitgeist 2007. Eine Hitliste, in der sich auch die enorme Bandbreite dieses Fachblogs zeigt: Im Januar führt eine Notiz über technische Schwierigkeiten mit der zum Jahresende längst wieder vergessenen Kunstwelt Second Life. Im November liegt ein langer Artikel über das webbasierte Literaturverwaltungsprogramm Refworks ganz vorn.

Das Typografie-Blog fontwerk rezensiert die besten Schriften 2007: «Besonders angetan haben es mir hierbei Peter Bilaks Greta Text und Lukasz Dziedzics FF ClanThomas Jungbluth konstatiert eine Trendwende Ende 2007: «Wieder mehr Kryptik in Blogs.» Ein Trend, der mitsamt den dazugehörigen Bloggern schon als nervig empfunden wird - jedenfalls von Dings vom Dingsprozessor: «und auch, dass männliche wie weibliche leser ein kind von denen wollen

Das Jahresrückblicks-Schlusswort hat cut: «Man sollte die Veröffentlichung von Jahresrückblicken in Blog, Film, Funk und Fernsehen vor dem, sagenwirmal, 29. Dezember verbieten.»

Anhang

50hz nimmt Abschied von Bochum; Was ich vermissen werde (I) - Das Geläut von St. Johannes: «Sofern uns die Kinder überhaupt so lange schlafen ließen, wurden wir mit dem Gefühl wach, jemand habe uns über Nacht ein paar Glocken auf den Dachboden gehängt.» +++ Der Großbloggbaumeister fasst ein ganz heißes Eisen an: Tod durch Verwahrlosung - Wer schützt Blogs vor ihren Besitzern? «Nachdem man sich gewaltsam Zugang zum Blog verschafft hatte, bot sich ein Bild des Grauens. Ein Beteiligter beschrieb die Zustände wie folgt: 'Als wir reinkamen, lagen überall angefangene Stories und unveröffentlichte Fotos rum. Praktisch der ganze Boden war damit bedeckt. In der Ecke kauerte ein völlig apathischer RSS-Feed, der schon seit Wochen keinen neuen Content bekommen hatte.'» +++ Der Pantoffelpunk bereichert Nilzenburgers Abmahnwahnlied um einen weitere Variante: Weltfriedensabmahnwahnremix. +++ Der «Doppelblogger» von Hans Dichand, dem Herausgeber der österreichischen «Kronen-Zeitung», hat sich zu erkennen gegeben, nachdem der parodierte Unternehmer mit Klage gedroht hatte. Nun wird der junge Blogger mit den Aktivisten von Yes Men verglichen. Dazu die Blogchronik der Kommunikationsguerilla: «Bei allem Respekt, aber die betonen nicht so häufig, dass das alles Kunst oder Spaß sei.» +++ Ein neues Blog für Comics, Illustrationen und Graphische Erzählungen: Zeichen & Wunder.

Für das Web editiert von Bov Bjerg.