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Offline ist unsicherer als online

20. Dez 2007 14:25
Startseite von FragFinn.de
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Um FragFinn.de, ein vom Bund gefördertes Netzportal für Kinder, ist politischer Streit wegen so genannter kindgerechter Werbung entbrannt. Maik Söhler hat es sich einmal genauer angesehen.

Ende November extra von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet und deswegen auch mit großem Medien-Tamtam gestartet, steht das neue, zur Internetinitiative 'Ein Netz für Kinder' gehörende Kinderportal FragFinn.de schon in der Kritik.

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Eigentlich soll FragFinn.de, wie aus einer Presseerklärung des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien Bernd Neumann hervorgeht, einen «geschützten speziell für Kinder geschaffenen Surfraum» darstellen, in dem Eltern gewährleisten können, «dass sich ihre Kinder ausschließlich in einem Bereich bewegen, der eine Vielzahl interessanter und kindgerechter Inhalte enthält.» Betrieben wird es von der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. sowie vom Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, unterstützt und gefördert von zahlreichen Politikern und Unternehmen.

Seit Mittwoch aber weist die Linkspartei darauf hin, dass FragFinn.de so genannte kindergerechte Werbung enthalte und die jungen Nutzer gelegentlich auch mit Bezahlangeboten konfrontiert würden. Deswegen fordern Lothar Bisky, Diana Golze und Luc Jochimsen, allesamt Bundestagsabgeordnete der Linken, die rasche Überarbeitung des Portals.

Werbung

Grund genug, sich das Kinderportal einmal genauer anzusehen. Vorab: Anzeigen, die als solche gekennzeichnet sind, findet man nicht. FragFinn.de besteht aus den Bereichen Suche, Surftipps, Nachrichten, Stöberecke, Jetzt Neu, Chatten, Eure Lieblinge und Thema.

Die Suchmaschine spuckt nur Ergebnisse aus, die als kindgerecht erachtet werden. Gibt man hier «Porno» ein, so bekommt man genau vier Ergebnisse: Das erste führt zur Anti-Kinderporno-Kampagne eines anderen Kinderportals, das zweite zum Jugendschutz.net, Nummer Drei und Vier verlinken auf die Websicherheitsseiten von Klicksafe.de und Safeinternet.at.

Der Surftipp des Tages ist am Donnerstag ein weiteres Kinderportal: Kindersache.de. Auch diese Seiten sind frei von kommerzieller Werbung. Die Nachrichten führen auf Seiten von Hanisauland, News4Kids und Bären-Blatt. Auch sie sind weitgehend werbefrei, doch kann, wer will, hinter Kino- und Büchertipps durchaus etwas Kommerzielles wittern. So interpretiert steht auch das komplette Bären-Blatt unter Kommerzverdacht, handelt es sich dabei doch um die Kinderseite der Tageszeitung «Westfalen-Blatt».

Sinnvolle Hinweise

In der Stöberecke von FragFinn.de steht diesmal das Zaubern im Mittelpunkt. Sämtliche magischen Tipps, Tricks und Regeln sind frei von Werbung und Bezahlangeboten. Dasselbe gilt für die Rubrik Jetzt Neu, von der aus man derzeit die offiziellen Websites der drei deutschen Städte Jena, Ingolstadt und Ilmenau erreicht. Weitere werden folgen. Die Thema-Ecke befasst sich mit der Wintersonnwende und führt zu einer Seite der Medienwerkstatt Mühlacker, einem Verlagsunternehmen, das jedoch nicht sonderlich auf sich aufmerksam macht.

Wer die Chats besucht, wird wahlweise zum ZDF-tivi Treff, zu Seitenstark.de – Arbeitsgemeinschaft Vernetzter Kinderseiten oder zur zu SuperRTL gehörenden Kinderseite Toggo weitergeleitet. Einzig Toggo ist von diesen Angeboten nicht ganz unproblematisch: Wer seine Pop-ups nicht geblockt hat, kann aggressiv von Spielewerbung attackiert werden.

Auch zum SuperRTL-Shop käme man sehr einfach, wenn einen die FragFinn-Software nach einem entsprechenden Klick nicht warnen würde: «Du verlässt jetzt Toggo.de und wechselst in den SuperRTL-Shop. Der SuperRTL-Shop ist ein Angebot für Eltern. Geh also zusammen mit deinen Eltern in den SuperRTL-Shop oder bleibe bei Toggo.de.»

Barbie.de

Fehlt nur noch das durchklickbare Ranking in der Rubrik Eure Lieblinge. Platz Eins belegt Klick-Tipps für Kids. Und dann kommt Platz zwei: Barbie.de. Der Link führt direkt in die quietschrosa Mattel-Welt. In einer der vielen wechselnden Anzeigen heißt es gleich oben: «Haarspielpuppe kaufen und Barbie Frisurenstyling bei Frisör Klier geschenkt bekommen.» Es gibt eine eigene Fuktion «Shopping mit Barbie» und auch sonst noch reichlich animierte Kaufempfehlungen.

Das ist harter Stoff, aber Bezahlangebote sind selbst hier nicht ohne Weiteres zu finden. Zum Glück gibt es auf FragFinn.de den Button «Unpassende Inhalte melden». Nur ist er leider in der Suchmaschine versteckt und wohl auch bisher nur auf ihre Suchergebnisse beschränkt. Auf der Startseite platziert und auf alle Inhalte bezogen, funktionierte er besser. Ein kleines Forum dazu – und schon hätte man einen Platz um über Sinn und Unsinn von Werbung und Kaufangeboten zu diskutieren. Selbst Neunjährige können das schon ganz gut.

Aber auch so ist FragFinn weit davon entfernt, vom Kommerz durchdrungen zu sein. Im Gegenteil wirkt die Seite gut gepflegt und liebevoll betreut. Wo doch mal der Netzweg zur Anzeige oder zum Kaufanreiz führt, da sind Kinder und Eltern gefragt. Medienkompetenz an Kinder zu vermitteln, bedeutet immer auch, sich intensiv mit den Gedanken und Wünschen von Kindern auseinanderzusetzen, Grenzen aufzuzeigen, Alternativen anzubieten. Verbote, Sperren und geblockte Seiten nutzen wenig.

Eltern, die ihre Kinder von Konsum und Kommerz fernhalten wollen, dürften es offline, auf der Straße, um einiges schwerer haben als auf FragFinn.de. Das Problem des Portals ist ein anderes. Es ist sehr brav. Hier wird sich etwas ändern müssen, wenn nicht nur Sechsjährige sowie Eltern zu den Besuchern zählen sollen.


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