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Das total vernetzte Haus ist keine Utopie mehr

17. Dez 2007 12:03
Ohne Schlüssel: Die Haustür öffnet sich per Fingerabdruck
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Die Geräte im Haus stimmen sich ab, der Medizinschrank bestellt selbständig Medikamente nach und der Kühlschrank schickt eine SMS: Einige Versuchshäuser beweisen derzeit, was technisch alles möglich ist.

Die Haustür erkennt Besucher, der Badezimmer-Spiegel erinnert daran, wichtige Medikamente einzunehmen, und die Heizung regelt sich automatisch: Was nach Zukunftsmusik klingt, ist zumindest in einigen Versuchshäusern bereits Realität. In so genannten intelligenten Häusern sind über ein Computernetz viele Geräte und Medien miteinander verbunden, um den Bewohnern das Leben einfacher und sicherer zu machen. Bereits seit den achtziger Jahren arbeiten und experimentieren weltweit Unternehmen und Institute mit unterschiedlichen Ansätzen an solchen Zukunftshäusern.

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Für vernetzte Häuser werden auch Begriffe wie eHome, Smart House, Smart Home oder Intelligentes Wohnen benutzt. «Diese Marketing-Begriffe erschweren Bauherren, die Grundidee des intelligenten Wohnens zu verstehen», sagt Klaus Jung vom Fachverband für Energie-Marketing und -Anwendung in Frankfurt. Vereinfacht dargestellt könne intelligentes Wohnen mit einer Automation der Gebäude gleichgesetzt werden, die heute bei vielen Büro- und Verwaltungsgebäuden schon Standard sei.

«Vernetzte Häuser werden noch skeptisch betrachtet», sagt Dieter Michel von der Initiative Intelligentes Wohnen in Frankfurt. Im Auto werden per Funk entriegelbare Türschlösser und Bordcomputer, die Defekte melden, schon lange geschätzt. Für die eigenen vier Wände werden solche Technologien dagegen meist abgelehnt.

Energie sparen

Eine Ursache dafür ist nach Ansicht Jungs, dass in der Öffentlichkeit meist nur über Spielereien gesprochen wird, die lediglich einen Bruchteil der möglichen Funktionen des vernetzten Hauses aufzeigen. Gern beschrieben würden vor allem Möglichkeiten, auf dem Heimweg per Handy das Garen eines vorbereiteten Bratens zu starten oder Badewasser einzulassen.

Die Vernetzung von Gebäudetechnik und Geräten im Privathaushalt ist aber keine nette Spielerei, sondern hat realen Nutzen. «Die Vernetzung der Technik kann helfen, Energie einzusparen», sagt Sigrid van Kempen von inHaus in Duisburg. Das inHaus ist eine Kooperationsplattform der Fraunhofer-Gesellschaft mit der Wirtschaft, um das Konzept des vernetzten Wohnens in Wohn- und Nutzimmobilien praxisnah zu erproben.

Vernetzt werden können beispielsweise Fenster und Heizungsventile. Wird in einem vernetzten Haus ein Fenster geöffnet, regelt sich automatisch die Heizung herunter. Weitere Energiespar-Möglichkeiten sieht Jung in einer Automation der Rollladen. Je nach Qualität der Fenster lassen sich durch Automation sechs bis zwölf Prozent Energie einsparen.

SMS vom Kühlschrank

Vernetzt werden können ganze Häuser, aber auch nur einzelne Systeme im Haus. «Bei dem System Miele@home können alle Hausgeräte miteinander vernetzt werden», sagt Michael Prempert von Miele in Gütersloh. Über ein kleines mobiles Gerät kann überprüft werden, ob die betreffende Maschine - etwa der Waschautomat oder der Trockner im Keller - noch arbeitet oder schon fertig ist. Auch Fehler wie offene Kühlschranktüren meldeten die Hausgeräte auf das Mobilteil.

Neben Insellösungen können Häuser herstellerunabhängig vernetzt werden. «Voraussetzung ist die sogenannte Bus-Technik», erklärt Dieter Michel. Bus-Technologie sammelt sämtliche Informationen, die von Schaltern, Fühlern, Bewegungsmeldern, Fenstern, Türkontakten und Sensoren im Haus registriert werden, über eine große Datenleitung im Haus und gibt sie an verschiedene Empfänger weiter. Dazu zählen beispielsweise Antriebsmotoren für Rollläden, Heizungsthermostate, Alarmanlagen und Elektrogeräte. Aus der Vielzahl von Bus-Systemen hat sich in Europa KNX als Standard durchgesetzt.

Hilfe für ältere Menschen

Auch Fertighaus-Hersteller beschäftigen sich bereits mit Gebäuden für die Zukunft. Das Unternehmen Weber Haus aus Rheinau-Linx (Baden-Württemberg) hat bereits 2005 am inzwischen wieder demontierten Zukunftshaus «T-Com Haus» in Berlin mitgearbeitet. «Private Bauherren können den Entwurf des T-Com-Hauses schon heute bestellen», sagt Ralph Mühleck von Weber Haus. Daneben gebe es die Möglichkeit, einzelne Komponenten in jedes andere Haus zu übernehmen. Eine Gesamtlösung, wie im T-Com-Haus, werde dann Standard, wenn die Nachfrage und die Attraktivität der Angebote zueinander passen. Und das kann laut Mühleck bereits in wenigen Jahren der Fall sein.

Vernetzung kann auch die Betreuung von alleinlebenden alten Menschen und Behinderten verbessern. Der Medizinschrank beispielsweise kann via Internet zur Neige gehende Medikamente nachbestellen und die Ausgabe der Medikamente überwachen. Die Technik ist dieselbe wie beim viel beschriebenen Kühlschrank, der nach Ansicht vieler Experten aber nur vergleichsweise wenig Nutzen hat. (Stephanie Hoenig/dpa)


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