23 Milliarden SMS-Nachrichten in 15 Jahren
Der Erfolg dieses Mediums sei angesichts der meist wenig benutzerfreundlichen Funktion erstaunlich, sagte Höflich. Die Tastatur sei klein, das Schreiben oft schwierig. «Dass es trotzdem so eingeschlagen hat, ist auf die Jugendlichen zurückzuführen. Sie haben es sehr schnell als ihr eigenes Medium angenommen. Sie können damit weitgehend unkontrolliert von den Eltern kommunizieren, quasi unter der Bettdecke Nachrichten empfangen und verschicken.»
Junge Leute hätten auch eine unglaubliche Virtuosität beim Schreiben von SMS-Texten und eine eigene Sprache entwickelt. «Nun gut, die Texte sind oft eher profan: «Hab dich ganz doll lieb» oder abgekürzt «hdgdl» wird da dem Empfänger mitgeteilt. Aber unser Alltag ist ja auch überwiegend profan», meinte der Handy-Forscher.
Unter Schülern seien SMS mit den Zettelchen vergleichbar, die sich Mädchen und Jungen unter der Schulbank zusteckten. Oft würden sie auch gemeinsam geschrieben und gelesen. Beim Verfassen der SMS gebe es große geschlechtsspezifische Unterschiede. «Frauen schreiben nicht nur mehr Briefe und Mails, sondern auch mehr, längere und schönere SMS», weiß Höflich aus Studien. «Die Antworten der Männer fallen meist eher kurz aus, etwa: «Ich dich auch, dein Otto».»
Die SMS im bisherigen Format ist laut Höflich ein Auslaufmodell. «Wenn von jedem Handy Mails in beliebiger Länge versendet werden können, braucht es die Reduktion auf die 160 Zeichen nicht mehr.» Für den Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien gibt es allerdings noch keinen Anlass für einen Abgesang auf die SMS: Eher werde die Mobile Multimedia-Nachricht MMS mit Urlaubsfoto die Postkarte ersetzen, glauben die Fachleute. (Thomas Kunze, dpa)

